Tsigereda, Lena und Akubiy haben sich über das Patenprojekt des Asylkreises kennengelernt. Durch die hohen Infektionszahlen findet der Kontakt derzeit ausschließlich über Whatsapp und Telefon statt. © privat
Ehrenamt

Wie Corona das ehrenamtliche Engagement junger Halterner verändert hat

Lena Tiggelkamp, Xaver Loxterkamp und Bennet Kemper aus Haltern engagieren sich ehrenamtlich. Die Corona-Pandemie hat das erschwert, aber auch neue Möglichkeiten eröffnet - vor allem digital.

Ob im Sportverein, in der Partei, der Kirche oder in Menschenrechts- und Umweltorganisationen: Viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich und gestalten so unsere Gesellschaft tagtäglich mit. Durch die Corona-Pandemie mussten in diesem Jahr jedoch viele Angebote, Aktionen und Treffen ausfallen oder konnten nur eingeschränkt stattfinden. Besonders durch die Kontaktbeschränkungen sind Möglichkeiten des digitalen Engagements daher gerade wichtiger denn je.

Das gilt auch für die in Haltern aktiven zivilgesellschaftlichen Organisationen. Wir haben drei junge, ehrenamtlich aktive Halterner gefragt, wie die Pandemie ihr Engagement derzeit beeinflusst. Die Gespräche fanden per Videokonferenz oder Telefon statt.

Bennet Kemper (18) ist bei der Grünen Jugend Haltern aktiv und engagiert sich dort besonders für Themen wie die sozial-ökologische Transformation, Gleichberechtigung und LSBTI-Rechte (Abkürzung für lesbisch, schwul, bi-, trans- und intersexuelle Menschen). Er kam vor mehr als vier Jahren durch eine Freundin zu den Grünen und war damit einer der ersten „neuen jungen Halterner Grünen“. Die Gruppe gründete sich offiziell erst in diesem Jahr (wir berichteten).

Lena Tiggelkamp (18) engagiert sich im Patenprojekt des Asylkreises. Gemeinsam mit ihrer Mutter hat die Schülerin eine Patenschaft für die Eritreerin Tsigereda und den Eritreer Akubiy übernommen. Die beiden sind vor drei Jahren nach Deutschland geflohen. Lena ist durch eine Anzeige der Caritas auf das Patenprojekt aufmerksam geworden. Ziel des Projekts ist es, Freundschaften zwischen Geflüchteten und Halternern aufzubauen.

Xaver Loxterkamp (28) engagiert sich seit Juni 2020 beim Nabu Haltern. Er unterstützt Theo Manns bei der Leitung der Naturschutzjugend „Silbersandfreunde“. Als Umweltschutztechniker hat er bereits beruflich viel mit Naturschutz zu tun, über die Ehrenamtsseite der Stadt Haltern kam er schließlich auch dazu, sich ehrenamtlich beim Nabu zu engagieren.

Neben den vielen geplanten Veranstaltungen und Projekten, die nun wegfallen, fehle den Ehrenamtlichen besonders der direkte Austausch untereinander, sagen Lena, Xaver und Bennet übereinstimmend. Das sei wichtig für die gegenseitige Motivation.

Lena: „Derzeit halten wir nur über Whatsapp und Telefongespräche Kontakt. Dadurch fallen viele geplante Unternehmungen weg. Das ist sehr schade, besonders weil Tsigereda zu Beginn der Pandemie einen kleinen Sohn bekommen hat und wir sie nun nicht so gut unterstützen können, wie wir eigentlich wollten.“

Was jeweils möglich ist, hängt aber auch von der aktuellen Infektionslage ab. Im Sommer konnte man sich auch noch in größeren Gruppen draußen treffen, Exkursionen unternehmen oder auch Aktionen im öffentlichen Raum durchführen.

Xaver: „Im Sommer haben wir z.B. noch bei der Trashbusters-Aktion mitgemacht und die Gewässer in Haltern von Plastikmüll befreit. Einen Lehmbackofen konnten wir in dieser Zeit ebenfalls bauen.“

Der Sommer bot den „Silbersandfreunden“ die Möglichkeit, einige spannende Projekte zu realisieren, z.B. einen Lehmbackofen bauen.
Der Sommer bot den „Silbersandfreunden“ die Möglichkeit, einige spannende Projekte zu realisieren, z.B. einen Lehmbackofen bauen. © privat © privat

Solche Treffen sind nun nicht mehr möglich. Ein regelmäßiger Austausch der Engagierten untereinander findet aber weiterhin statt – nur diesmal online: z.B. über die Plattform Zoom, die die Grüne Jugend Haltern für ihre wöchentlichen Sitzungen nutzt oder über Whatsapp wie bei Lena und Xaver.

Bennet: „Wir haben uns in dieser Zeit besonders darauf konzentriert, unser Engagement in den sozialen Medien zu stärken, z.B. haben wir eine Instagram-Challenge zum Thema LSBTI gestartet. Das wollen wir auch in Zukunft so weitermachen und jede Woche mindestens einen Beitrag posten.“

Bei den diesjährigen Kommunalwahlen betreute Bennet den Stand der Grünen in Haltern mit.
Bei den diesjährigen Kommunalwahlen betreute Bennet den Stand der Grünen in Haltern mit. Durch die Pandemie hat sich sein Engagement stärker in die sozialen Medien verschoben. © privat © privat

Diejenigen Ehrenamtlichen, die nicht in den sozialen Medien aktiv sind, können aktuell jedoch eher weniger machen, so Bennet. Auch Xaver erzählt, dass er gemeinsam mit Theo Manns versucht, die Kinder und Jugendlichen der „Silbersandfreunde“ über die gemeinsame Whatsapp-Gruppe weiterhin für Naturschutz zu motivieren.

Im Rahmen der „Zero-Waste-Challenge“ sollten die Kinder z.B. den nach einer Woche in ihrem Haushalt anfallenden Plastikmüll wiegen. Derjenige Haushalt, der pro Kopf am wenigsten Plastikmüll produziert hat, wurde anschließend zum Sieger der Challenge gekürt. Dennoch ist die Beteiligung an solchen Aktionen laut Xaver eher durchwachsen.

Xaver: „Es ist natürlich sehr viel einfacher, Kinder und Jugendliche durch Beobachtungen in der Natur von Naturschutz zu begeistern.“

Neben bereits bestehenden Themen sind durch die Pandemie auch neue Aufgaben hinzugekommen, weiß vor allem Lena zu berichten. Da Tsigereda und Akubiy anfangs nur wenig Deutsch und hauptsächlich Tigrinya gesprochen haben, eine sehr seltene Sprache, für die es nur wenige Übersetzer gibt, halten Lena und ihre Mutter sie über aktuelle Informationen zum Coronavirus und den jeweils geltenden Eindämmungsmaßnahmen auf dem Laufenden.

Es sind aber auch bereits bestehende Probleme, wie die zentrale Unterbringung von Geflüchteten in Sammelunterkünften, auf die der Asylkreis schon länger aufmerksam macht und die durch die Pandemie noch verschärft werden. Lena ist daher froh, dass die Familie eine eigene kleine Wohnung hat, in der sie sich während des Lockdowns zurückziehen können.

Die Pandemie macht es aktuell schwieriger, sich zu engagieren. Auch wenn es viele Möglichkeiten gibt, sich digital auszutauschen und in den sozialen Medien über Themen zu informieren, wurde in den Gesprächen deutlich, dass die Treffen online auch hauptsächlich dazu genutzt werden, Projekte für die Zeit nach Corona zu planen: Sei es ein Informationsstand zum Thema Gender in der Halterner Innenstadt, ein gemeinsamer Ausflug in den Zoo oder eine Exkursion, die sich der Gewässerkunde widmet.

Digitales Engagement wird daher von allen nur als zusätzliche, unterstützende Möglichkeit des Engagements vor Ort gesehen, nicht aber als ihr Ersatz. Trotz der Einschränkungen, die die Pandemie für bürgerschaftliches Engagement mit sich bringt, kann sie aber auch Anstöße geben, sich noch stärker in einem bestimmten Bereich ehrenamtlich zu engagieren.

Lena: „Ich bin mir durch die Pandemie auch der Einsamkeit vieler Menschen stärker bewusst geworden und wie wichtig regelmäßiger Austausch für die Solidarität untereinander ist. Ich möchte mich daher z.B. in Zukunft mehr dafür einsetzen, diese Menschen zusammenzubringen.“

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