So hat sich das Wetter in Haltern am See in den letzten 50 Jahren verändert

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Bleibt die Woche so heiß wie angekündigt, wird dieser Monat der heißeste Juni in NRW seit 1881. Wir werten ganz lokale Werte aus: So wirkt sich die Erderwärmung auf Haltern am See aus.

Haltern

, 26.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wird es bei uns wirklich immer heißer? Treten mehr Unwetter auf und wird alles immer extremer? In diesem zumindest gefühlt sehr warmen Juni schauen wir uns die Wetterdaten der vergangenen 50 Jahre für Haltern am See einmal genau an.

„Es sieht so aus, dass dieser Juni 2019 NRW-weit tatsächlich ein Rekordmonat wird“, sagt einer, der es wissen muss: Thomas Kesseler-Lauterkorn ist der Vize-Chef des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Essen. Bleibt es in dieser Woche so heiß wie vorhergesagt, wird dieser Juni der wärmste seit 1881, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Der bisherige Rekord-Juni war im Jahr 2003.

„Ein richtiges Trockenheitsproblem“ steht in Aussicht

„Wie der Gesamtsommer 2019 wird, ist aber nicht seriös vorherzusagen“, sagt Kesserl-Lauterkorn. Nur so viel steht schon jetzt fest: „Im ersten Halbjahr gab es kaum mehr Niederschlag als im besonders trockenen Jahr 2018. Wenn es auch im Rest des Jahres so bleibt, landen wir womöglich in einem richtigen Trockenheitsproblem.“

Der Trend zeigt: Tendenziell wird es seit dem Jahr 2000 immer trockener:

Betrachtet man ganz lokale Daten, wird deutlich, wie sehr der Klimawandel auch in Haltern am See zu spüren ist. „Seit 1988 ist eine markante Erwärmung zu verzeichnen“, sagt der Wetterexperte beim Betrachten der Daten. Seitdem war kaum ein Jahr kühler als der langjährige Durchschnitt.

Für unsere Halterner Auswertung haben wir den Durchschnitt der Wetterstationen in Herten und Lüdinghausen errechnet. „Herten ist eher städtisch geprägt, Lüdinghausen eher ländlich“, sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn. In Städten staut sich die Hitze eher auf, ländliche Bereiche kühlen nachts weiter ab. So kommt es, dass Lüdinghausen in den vergangenen Jahren immer etwa 0,7 Grad kühler war als Herten. Bis zu den 90er-Jahren war der Unterschied viel geringer. Haltern am See liegt geografisch und von der Einwohnerzahl her zwischen diesen beiden Orten.

Die Temperaturkurve geht deutlich nach oben:

Grundsätzlich gibt es immer Ausreißer in der Statistik, der Trend ist aber klar erkennbar: Die Temperaturen in der Region steigen deutlich. In den 70er-Jahren lag der Durchschnitt nur einmal über 10 Grad, jetzt wird beinah an der 12-Grad-Marke gekratzt. Über knapp 50 Jahre gesehen ist Haltern rund 1,5 Grad wärmer geworden.

Unwetter und Starkregen werden aktuell erforscht

Rückschlüsse von der Erderwärmung auf den Niederschlag kann man allerdings nicht direkt ziehen. „Die letzten Jahre waren relativ trocken, es gibt aber auch einige, die zu feucht waren“, sagt der Mann vom DWD. Um einen Trend abzulesen, müsse man immer einen mindestens 30-jährigen Zeitraum betrachten.

Unwetter und Starkregen würden aktuell kräftig erforscht. „NRW-weit haben in den letzten 20 bis 30 Jahren die Häufigkeit und die Intensität dieser Starkregenfälle sicherlich zugenommen“, sagt Kesseler-Lauterkorn. Rückschlüsse zur Erderwärmung seien noch nicht sicher erwiesen, aber: „Je wärmer die Atmosphäre ist, desto eher kann sie Wasserdampf aufnehmen und desto stärker kann es regnen.“

Zwischen 1995 und 2004 gab es keine Wetterdaten aus Lüdinghausen, sondern nur aus Herten. Die dortigen Niederschlagsdaten der 90er-Jahre sind nicht verfügbar. Seit 2007 ist die Hertener Station nicht mehr in Betrieb - für den Zeitraum seitdem bis heute betrachten wir nur die etwas kühleren Daten aus Lüdinghausen.
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