Die Wespen sind los: Seit März bauen sie wieder Nester. Bei gutem Wetter begegnen sie uns nun. Was zu tun ist, wenn die Wespe stört und warum wir sie brauchen, erklärt ein Halterner Imker.

Haltern

, 13.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit bis zu zehn Menschen darf man sich in NRW wieder in der Öffentlichkeit treffen. Nicht an die Kontaktregeln halten müssen sich die Wespen: Sie bauen seit März fleißig an ihren Nestern, vermehren sich munter und wollen von unserem Essen naschen. Was wir tun können, wenn die Wespe zum Plagegeist wird, erklärt der Halterner Imker Franz-Josef Küper (64).

Grundsätzlich solle man erst einmal überlegen, ob die Wespen wirklich stören. Denn nur wenn der Mensch oder die Bausubstanz (z.B. bei Rollladenkästen) in Gefahr sind, dürfen Wespen getötet oder umgesiedelt werden. „Sie können zwar Wespenfallen im Baumarkt kaufen, dürfen sie ohne Genehmigung aber nicht verwenden. Wenn ein Tierfreund sie anzeigt, können Sie dafür saftige Strafen zahlen“, warnt der Imker.

„Das Volk wächst explosionsartig“

Befindet sich das Nest direkt an der Terrasse, an Spielplätzen oder im Haus, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder tötet der Schädlingsbekämpfer die Tiere oder ein Imker nimmt das Nest ab und siedelt die Tiere um. „Sie sollten sich so früh wie möglich melden. Im Moment sind die Nester noch etwa apfelsinengroß, aber schon in vier Wochen werden sie Fußballgröße haben. Am Ende des Wespenjahres leben mehrere tausend Wespen in einem Nest“, erklärt der Imker.

Wer sich professionelle Hilfe holt, kann Glück haben: Manche Hausrat- und Gebäudeversicherungen kommen für die Kosten der Wespenbekämpfung oder -umsiedlung auf. Ansonsten kostet die Bekämpfung je nach Anbieter zwischen 70 und 200 Euro.

Aufwändiger Insekten-Umzug

Wenn Küper Wespen umsiedelt, kann das drei Stunden dauern. Das Nest wird in eine selbst gezimmerte Spezialkiste gelegt. Dass die Nester dabei leicht beschädigt werden, sei kein Problem: Innerhalb weniger Tage reparieren die Wespen ihr Zuhause wieder, so der Imker. Ist das Nest in der Kiste, heißt es abwarten: Die Tiere schwirren nach und nach in ihr Nest. Die restlichen Tiere werden dann ganz vorsichtig mit einem Spezialstaubsauger abgesaugt.

Dann geht es für Küper nach Hause. Dort hängt er den Kasten mit dem Nest an sein Gartenhäuschen - da bleiben sie auch bis zum Ende der Saison. Zwei Kilometer sollten die Wespen mindestens von ihrem ursprünglichen Nistort entfernt sein - sonst besteht die Gefahr, dass die Tiere zurückfliegen. Da Küper jedoch am Waldrand an der Stadtgrenze zu Dorsten wohnt, sei das in der Regel kein Problem.

Der Imkerverein hilft

Über den Sommer verteilt kommen so zehn bis 20 Nester zusammen. Seinen Bienenvölkern macht das übrigens nichts aus: Zwar sind Wespen Fleischfresser, doch sie greifen nur selten Bienen an. Meistens sind es schwache Tiere, die ihnen zum Opfer fallen.

Nicht jeder Imker siedelt Wespen um: Vielen sei das Prozedere zu aufwendig, erzählt Küper. Wer ein Problem mit Wespen habe, solle daher den Schädlingsbekämpfer kontaktieren oder sich an den örtlichen Imkerverein wenden - der kann dann einen Imker zur Umsiedelung der Tiere vermitteln.

Für Hornissen braucht man eine Sondergenehmigung

Einen Sonderfall stellen Hornissen dar: Um sie zu entfernen, braucht man eine Sondergenehmigung vom Umweltamt. Die kostet 30 Euro. Obwohl die Tiere in der Regel friedlich sind, können sie großen Schaden anrichten. Nisten sich Hornissen beispielsweise im Rollladenkasten ein, gehen sie auch dort zur Toilette. Das heißt: Im Raum riecht es unangenehm nach Insektenexkrementen, welche im schlimmsten Fall auch den Rollladenkasten beschädigen.

Wenn Ihnen ein ganzer Schwarm schwarz-gelber Insekten entgegenkommt, haben Sie es nicht mit Wespen zu tun. Im Gegensatz zu Bienen schwärmen Wespen nicht, sind also Einzelgänger auf der Suche nach Futter und Material für den Nestbau. Ab und an muss Küper auch ganze Bienenschwärme einfangen. Das geschieht, wenn in einem Bienenvolk eine neue Königin herangezogen wird.

Bienen machen Lärm

Dann brennt ein Teil des Schwarmes mit der neuen Königin durch und sucht sich ein neues Zuhause. Erst kürzlich habe er solch ein Volk eingefangen. „Man hört sie schon von Weitem. Solch ein Bienenschwarm macht Lärm. Es ist, als würde eine Drohne direkt über einem kreisen. Wespen sind dagegen lautlos“, berichtet der Imker. Ein weiterer Unterschied: Wespen sterben zum Ende des Jahres.

Lediglich die neuen jungen Königinnen, die zum Ende des Jahres großgezogen wurden, verlassen den Bau und suchen sich einen Platz zur Winterruhe. Wenn sie im März wieder aufwachen, bauen sie ein komplett neues Nest. Alte Nester werden nicht wieder bezogen. Bienenschwärme hingegen überwintern in ihrem Bau und ziehen im neuen Jahr auch nicht um.

Wespen verputzen Mücken

So unbeliebt die Wespe auch ist - sie ist wichtig für uns und kann uns im Sommer sogar andere Plagegeister vom Leib halten: „In Gärten, in denen es Wespennester gibt, gibt es kaum Mücken“, betont der Imker. Wespen wiederum werden von Vögeln gefressen. „Wenn wir alle Insekten töten, die uns ärgern, gibt es wenig Futter für Vögel. Dadurch gibt es weniger Vögel und spezielle Insektenarten wie der Eichenprozessionsspinner können sich fröhlich ohne Fressfeinde vermehren. Das hängt alles zusammen“, gibt Küper zu bedenken.

Deshalb solle man genau abwägen, ob es nötig sei, die Wespen zu beseitigen. In den meisten Fällen seien Wespen zudem genau so friedlich wie Bienen - solange sie nicht bedroht werden. „Wenn jemand an Ihrem Haus rütteln oder nach ihnen schlagen würde, würden Sie sich auch wehren. Sie stechen nicht zum Spaß“, so Küper.

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