Wenn Erwachsene das Reiten lernen: „Die Pferde wissen viel besser Bescheid“

dzReitoffiziere

Sie gehören zum Sythener Schützenfest wie der Vogel: die Reitoffiziere. Fünf junge Sythener lassen sich gerade auf dem Görtzhof für diese Aufgabe vorbereiten. Das ist schwerer als gedacht.

Sythen

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Reitoffiziere sind als traditionelle Repräsentanten des Sythener Schützenvereins ein wichtiger, historischer Bestandteil beim Schützenfest. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, lassen sich fünf Sythener Schützen auf dem Görtzhof in die hohe Kunst des Reitens einweisen. Für Schützenkönig und Oberst Clemens I. Schemmer ist es natürlich Ehrensache, seine Reiter zu begleiten: „2017 hat es im Verein einen Generationswechsel gegeben, und es ist für uns selbstverständlich, dass die jungen Reitoffiziere eine vernünftige Ausbildung bekommen.“ Er hofft natürlich, dass alles gut ausgeht und viel Spaß macht.

Schritt, Trab und Galopp

Die erfahrenen Reitlehrerrinnen Manuela Schröer und Agnes Keßel haben dafür ein spezielles Programm zusammengestellt, das sowohl die Grundanforderungen wie auch spezielle Kenntnisse für das Reiten beim Schützenfest beinhaltet. Neben den Fachbegriffen der Reitersprache werden mit Schritt, Trab und Galopp alle drei Gangarten geschult. Zuerst erlernen die Reitschüler das Vorbereiten der Pferde mit Aufsatteln, Ausführen und Anleinen. Danach folgen die ersten Lektionen in der Reithalle.

Dabei führt die Reitlehrerin das Pferd an der Longe kontrolliert im Kreis herum, damit sich die Reiter auf Sitz und Hilfen konzentrieren können. Aber wie so oft liegen Theorie und Praxis weit auseinander. Mittlerweile haben die jungen Reiter aber die ersten Hürden erfolgreich genommen: „Die Jungs hören genau zu und lernen schnell“, sagt Agnes Keßel. Als aber Schulpferd „Pauli“ einmal etwas unruhig wurde und bockte, war das für den Reiter schon ein tiefgreifendes Erlebnis.

„Ich muss alles wieder neu lernen“

Felix Behlert ist zwar mit Pferden aufgewachsen, ist aber längere Zeit nicht mehr geritten: „Ich muss alles genauso wie die anderen wieder neu lernen“. Philipp Albers hatte früher viel auf dem Bauernhof ausgeholfen und war so mit Tieren vertraut. Doch obwohl er ein sportlicher Typ ist, merkte er schnell: „Das ist nicht so einfach“. Der erste Galopp war für ihn eine echte Herausforderung und nach einer halben Stunde geriet er mächtig ins Schwitzen: „Das ist verdammt anstrengend, macht aber auch viel Spaß“. Julian Wessel hatte bisher mit Pferden noch gar nichts am Hut. Er erinnert sich noch gut an den ersten Besuch am Görtzhof: „Da habe ich schon eine leichte Unruhe verspürt“. Beim Reiten wurde ihm schnell klar: „Die Pferde wissen viel besser Bescheid als ich“.

Christopher Schwaczkowski ist mit 21 Jahren der Jüngste in der Truppe. Auch ihm wurde schnell bewusst: „Das wird eine Menge Arbeit.“ Und seine Befürchtungen bewahrheiteten sich: „Das Pferd quittiert sofort jeden Fehler.“ Mit Johannes Unterberg ist ebenfalls ein absoluter Pferdeanfänger dabei. Für ihn wurde schon das Aufsatteln im Stall zu einer echten Herausforderung. Später in der Halle dachte er: „Das Pferd macht was falsch.“ Dann merkte er aber schnell, dass es eigentlich genau umgekehrt war. Trainerin Schröer sieht mittlerweile Fortschritte: „Bis heute ist noch keiner vom Pferd gefallen, wir kriegen das schon hin“.

Kontrolle ist wichtig

Zwingende Vorgabe für das Reiten beim Schützenfest ist natürlich die Pferdekontrolle. Das freie Reiten in der Gruppe umgeben von jubelnden Zuschauern und Blaskapelle ist für Pferd und Reiter eine Stresssituation, in der es vor allem gilt, möglichst ruhig zu bleiben und die reiterlichen Hilfen richtig einzusetzen. Und genau darauf werden die jungen Reitoffiziere am Görtzhof vorbereitet. Schröer und Keßel sind zuversichtlich und haben den Jungs schon jetzt ein Versprechen gegeben: „Wir kommen garantiert zu eurem Schützenfest, um euch reiten zu sehen.“

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