Wasserpegel an der Lippe steigt: Hochlandrinder sind auf ihre „Rettungsinsel“ geflüchtet

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Der Lippepegel ist inzwischen auf knapp fünf Meter angestiegen. Die Hochlandrinder am Ufer im Bereich der Stevermündung haben sich auf ihre „Rettungsinsel“ zurückgezogen.

Haltern

, 25.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tiere stehen auf einer nur wenige Quadratmeter großen Insel, die von allen Seiten vom Lippehochwasser umgeben ist: Die schottischen Hochlandrinder, die normalerweise friedlich am Lippeufer grasen, mussten jetzt vor dem Wasser flüchten.

Der Lippepegel hat nach Sturmtief „Yulia“ einen Stand von knapp unter fünf Metern erreicht. Die Hochwasserbereitsschaft beim Lippeverband beginnt in Haltern bei 5,50 Metern. In einigen Bereichen ist die Lippe aber auch beim jetzigen Wasserstand schon deutlich über die Ufer getreten, unter anderem nördlich von Bossendorf.

Der Pegelstand der Lippe liegt jetzt bei etwa fünf Metern.

Der Pegelstand der Lippe liegt jetzt bei knapp unter fünf Metern. © Jürgen Wolter

„Die laufen hinter mir her, die muss ich nicht treiben“

Hier grasen auf einem zehn Hektar großen Areal auch die acht schottischen Hochlandrinder, die sich jetzt vor dem Wasser in Sicherheit gebracht haben. Denn unweit der Papenbrückstraße finden sie auf einer erhöhten Insel Zuflucht. Diesen Weg finden sie von selbst, manchmal führt ihr Besitzer Ralf Riering sie auch auf die Insel. „Die laufen hinter mir her, ich muss sie nicht einmal dahin treiben“, sagt er.

Niemand müsse sich Sorgen machen, dass die Rinder in Gefahr wären. Ralf Riering versorgt die Tiere täglich mit Stroh, Heu, Kartoffeln oder Kraftfutter. „Es sind meine Tiere, also kümmere ich mich natürlich auch um sie“, sagt er. Zugefüttert werden soll demnach übrigens nicht, die Tiere sind ausreichend versorgt.

Seit 2014 grast die Herde der schottischen Hochlandrinder am Lippeufer in der Nähe der Stevermündung. Ihre Ansiedlung wurde im Zuge eines Projekts zur naturnahen Gestaltung des Lippeufers vom Lippeverband gefördert.

Die Hochlandrinder sind bestens mit Futter versorgt.

Die Hochlandrinder sind bestens mit Futter versorgt. © Jürgen Wolter

Die Rinder erhalten den Artenreichtum der Natur

Ihre Aufgabe ist es, die Flächen, die früher gemäht wurden, extensiv zu beweiden. Dadurch fördern sie den Artenreichtum der Natur, denn die Brutgelege seltener Bodenbrüter, die sonst von den Maschinen zerstört wurden, werden geschont und bleiben erhalten. Außerdem verhindern die Rinder auch das Verwalden der Uferlächen.

Spaziergänger und Hundehalter sollten aber Abstand halten, denn die Tiere mit ihren großen Hörnern sind durchaus wehrhaft. Die Art ist aber an das Leben in Auenlandschaften angepasst und kommt mit den Lebensbedingungen in solchen „wechselfeuchten“ Gebieten gut zurecht.

In vielen Schritten gestaltet der Lippeverband den Fluss und seine Uferbereiche neu. Dabei wurden unter anderem die in den 1950er- und 1960er-Jahren eingebauten schweren Uferbefestigungen aus Wasserbausteinen beseitigt. Das Material wurde zum größten Teil direkt vor Ort zur Auengestaltung oder zur Auffüllung der Flusssohle verwendet.

Die Rinder haben sich selbst auf den Weg zu ihrer erhöhten Insel gemacht.

Die Rinder haben sich selbst auf den Weg zu ihrer erhöhten Insel gemacht. © Martin Altebockwinkel

Das nördliche Lippeufer wurde renaturiert

Der Lippeverband hat das nördliche Lippe-Ufer zwischen der Stevermündung und der Lippebrücke Recklinghäuser Straße renaturiert. Auf der Fläche, die zuvor als Weide für Pferde und Rinder genutzt wurde, ist auf rund 500 Metern Länge eine neue Flussaue entstanden. Die Tiere waren während der Bauarbeiten auf eine Nachbarweide umgesiedelt worden, nach Abschluss der Arbeiten konnten sie ihren alten Platz zusätzlich wieder in Besitz nehmen und haben jetzt mit dem nun zwischenzeitlich genutzten Bereich annähernd eine doppelt so große Weidefläche zur Verfügung wie vorher.

Auf ihrer Insel haben sich die Rinder mit stoischer Ruhe eingerichtet und warten auf wieder fallende Pegelstände. Im Notfall könnten sie auch abtransportiert werden, denn Trecker können die Insel immer noch erreichen. Es kann aber noch etwas dauern, bis die Hochlandrinder ihre Zuflucht verlassen können, denn es sind weitere Regenfälle für die nächsten Tage angekündigt.

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