Was wird aus dem Wasag-Gelände? Der neue Eigentümer denkt über die künftige Nutzung nach

dzSprengstoff-Fabrik

Einen Festakt gab es nicht. Trotzdem ist der Kreis Recklinghausen nun neuer Eigentümer des Wasag-Geländes in Sythen. Über die Zukunft des Areals machen sich die Verantwortlichen Gedanken.

Sythen

, 04.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es hat sechs Monate länger gedauert als geplant: Der Kreis Recklinghausen hat zum 1. Juni 2019 das ehemalige Wasag-Gelände in Sythen vom bisherigen Eigentümer, der Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern, übernommen. Damit ist die mehr als 120 Jahre währende Sprengstoffproduktion in Lehmbraken endgültig Geschichte. Zugleich gibt es viel Raum für neue Entwicklungen auf dem 209 Hektar großen Gelände. „Es ist ein einzigartiges Projekt“, sagt Kreis-Sprecher Jochem Manz.

5,4 Millionen Euro flossen in die Sanierung

Wie berichtet, hatte der Kreis das 209 Hektar große Wasag-Areal zum symbolischen Preis von einem Euro erworben. Die Sythengrund kommt mit 5,4 Millionen Euro für den Rückbau der sprengstoffbelasteten Flächen und Gebäude auf. „Diese Summe entspricht dem Verkehrswert des Wasag-Geländes“, erklärte Jochem Manz dazu. Bei den Rückbau-Arbeiten hatte es Verzögerungen gegeben, inzwischen jedoch ist der Großteil abgeschlossen. „Es war eine Punktlandung“, erklärte Manz hinsichtlich der Sanierungskosten. Nur noch wenige 1000 Euro stünden zur Verfügung. Dass „die schlimmsten Sachen nun raus“ seien, hatte auch der Geo-Experte Dr. Winfried Entenmann von der Burmeier Ingenieurgesellschaft (BIG) mit Blick auf die Sprengstoffbelastung erklärt. Die BIG zeichnet für den Rückbau des Wasag-Geländes in Sythen verantwortlich. Den neuen Eigentümer wird sie bei diversen Restarbeiten noch begleiten, hieß es.

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Eindrücke vom ehemaligen Wasag-Gelände

Das ehemalige Wasag-Gelände ist in den Besitz des Kreises Recklinghausen übergegangen. Die Halterner Zeitung hat das Areal besichtigt.
03.06.2019
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Die Pforte des Wasag-Geländes: Nur Befugte kommen aufs Gelände.© Ingrid Wielens
Das ehemalige Verwaltungsgebäude© Ingrid Wielens
Das Wasag-Areal, das der Kreis übernommen hat, ist 209 Hektar groß.© Ingrid Wielens
Alte Fabrikhallen gibt es viele auf dem Wasag-Areal.© Ingrid Wielens
Eine Trafostation© Ingrid Wielens
Eindrücke vom Versand-Gebäude© Ingrid Wielens
209 Hektar groß ist das neue Gelände des Kreises Recklinghausen. Auf dieser Fläche wurden unter anderem zwei Holzbaracken kontrolliert abgebrannt.© Ingrid Wielens
Viele alte Fabrikgebäude sind auf dem Areal zu sehen.© Ingrid Wielens
In diesen Hallen wurde Sprengstoff produziert.© Ingrid Wielens
Der Eingang zur Sprengstoff-Mischanlage© Foto:Ingrid Wielens
Eine Verladestation© Ingrid Wielens
Ein Bunker© Ingrid Wielens

Wie der Kreissprecher weiter ausführte, werde die Sythengrund noch acht Messbrunnen „auf eigene Kosten“ installieren. Die danach anfallenden Sanierungskosten muss dann der Kreis übernehmen. Auch für das jährlich vorgeschriebene Grundwassermonitoring wird er in diesem Jahr erstmals selber aufkommen, zum Teil mit Mitteln des Landes.

Kombination aus Bildung, Forschung und Wirtschaft

Und wie sieht die Zukunft des Wasag-Geländes aus? „Der Kreis macht sich Gedanken“, sagt Sprecher Jochem Manz. Man erhoffe sich wirtschaftliche Impulse, die von Sythen ausgehen. Befürwortet werde derzeit ein Umweltzentrum, in dem Bildungsangebote, Forschung und Unternehmen der Umweltwirtschaft zusammengeführt werden sollten.

Was wird aus dem Wasag-Gelände? Der neue Eigentümer denkt über die künftige Nutzung nach

209 Hektar groß ist das Wasag-Areal, das der Kreis Recklinghausen jetzt übernommen hat. Hier ist ein Verwaltungsgebäude zu sehen, das im Jugendstil erbaut wurde. © Ingrid Wielens

Ein solches Umweltzentrum müsse sich selbstverständlich in die Natur einfügen. Denn auch für die naturnahe Erholung unter Einbeziehung des angrenzenden Truppenübungsplatzes, der zusammen mit den Heubachteichen als wichtiges Naturschutzgebiet gilt, wolle der Kreis Sorge tragen.

Hochschul-Dependance im Bereich Geologie oder Altlastensanierung?

Auch Rolf Niepmann macht sich für eine Verbindung von Forschung und Wirtschaft stark. „Für mich persönlich wäre eine Kombination aus Maximilianpark, Mont-Cenis und Zeche Ewald eine optimale Lösung“, erklärte der Generalbevollmächtigte der Sythengrund Wasagchemie Grundstückverwertungsgesellschaft Haltern.

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Diese könne dann gepaart sein mit einer Dependance einer Universität oder Hochschule im Bereich Geologie oder Altlastensanierung.

Bleiben die Jugendstil-Gebäude erhalten?

Ein Finanzvolumen für das Großprojekt haben die Verantwortlichen noch nicht festgeschrieben. „Wir sind gerade Eigentümer geworden und befinden uns erst einmal in den Anfängen unserer Überlegungen“, sagt Kreissprecher Manz. Inwiefern die teils im Jugendstil errichteten und gut erhaltenen Gebäude oder auch die geschichtsträchtigen Fabrikhallen für die Nachwelt erhalten werden und künftig auch weiterhin genutzt werden können, ist indes noch absolut unklar. Klar ist nach Manz’ Worten zum aktuellen Zeitpunkt lediglich eins: „Wir werden nach Fördertöpfen suchen.“

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