Verein kämpft gegen das Vergessen: „Jeder, der Zeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen“

dzHolocaust-Ausstellung

Wer seine Vergangenheit nicht kennt, kann an seiner Zukunft nicht bauen. Aus dieser Überzeugung handeln die Mitglieder des Vereins „Heimatsucher“. Sie kämpfen gegen das Vergessen.

Haltern

, 10.11.2019, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen werden.“ Das sagte Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel. Nach diesem Gedanken handeln die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins „Heimatsucher“: Sie erzählen die Geschichten von Holocaust-Überlebenden weiter. Eine Ausstellung im Paul-Gerhardt-Haus zeigt Beispiele.

In Porträtfotos und dokumentarischen Texten werden Auszüge aus dem Leben von Rolf Abrahamson, Eva Weyl, Schwester Johanna, Elizier Ayalon und Hannah Pick-Goslar wiedergegeben. Eva Weyl war mehrmals in Haltern zu Vorträgen, oft in Schulen, zu Gast. Schwester Johanna Eichmann aus Dorsten und Rolf Abrahamson aus Marl haben ebenfalls häufig ihre Lebensgeschichten öffentlich erzählt.

Zeugen sollen die Geschichten bewahren und weiterzählen

Bald können diese Zeitzeugen nicht mehr reden, denn sie werden immer älter oder sie sterben. Deshalb hat es sich der Verein Heimatsucher zum Ziel gesetzt, ihre Geschichten zu bewahren und weiter zu erzählen, die Zuhörer und auch die Besucher der Ausstellung zu „Zweitzeugen“ zu machen.

Marina Kauffeldt vom Verein Heimatsucher, in Haltern geboren, führte zusammen mit Vanessa Eisenhardt die Besucher am Samstag in die Ausstellung ein. Sie habe sich oft gefragt, was für sie Heimat bedeute, sagte Marina Kauffeldt im Paul-Gerhardt-Haus. Es sei ein Geschenk, sich angenommen zu fühlen, sicher zu sein, Menschen zu haben, die einen anerkennen und achten. „Dieses Gefühl haben die Shoa-Überlebenden nicht gehabt“, so Marina Kauffeldt, die selbst bei einer Israelreise für dieses Thema sensibilisiert wurde. „Sie haben ihre Heimat, zum Teil auch ihre Kindheit verloren.“

Bürgermeister Bodo Klimpel hatte bei der Eröffnung der Ausstellung an die Pogromnacht vor genau 81 Jahren erinnert. Heutige Ereignisse, wie das Erstarken rechtsradikaler Strömungen und neuer Antisemitismus, machten umso deutlicher, wie wichtig es sei, aus der Geschichte zu lernen, so der Halterner Bürgermeister, der mit Nachdruck unter dem Beifall der Besucher betonte: „Faschistisches Gedankengut hat in Haltern nichts, aber auch gar nichts, verloren!“

Zweitzeuge der Geschichten der Holocaust-Überlebenden zu werden, bedeute keinen Zustand, es beinhalte die Verpflichtung, ihre Geschichten weiterzutragen, betonte Marina Kauffeldt. Und Eva Weil formuliert es oft bei ihren Vorträgen in Schulen so: „Ihr seid jetzt meine Zeitzeugen. Vergesst das nicht. Ich brauche euch, um meine Geschichte weiter zu erzählen“.

Bis 24. November ist die Ausstellung noch zu sehen

Die Ausstellung ist im Paul-Gerhadt-Haus noch bis zum 24. November zu sehen. Die Bürgerstiftung und der Lions-Club Haltern haben ihre Realisierung finanziell unterstützt. Es gibt mehrere Ausstellungsführungen, die nächste am kommenden Dienstag, 12. November, um 18 Uhr.

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