Urlaub in Corona-Zeiten: Viele machen sich ihre eigenen Regeln

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Urlaub im Ausland wird wegen der Corona-Pandemie gerade viel beschrieben. Wie aber sieht die deutsche Variante aus? Ein Erfahrungsbericht.

Haltern

, 06.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vieles kommt in unserem Radurlaub in diesem Jahr anders als geplant. Das liegt nicht nur daran, dass wir - zwei Halterner Paare - unsere Route wegen der Corona-Pandemie und ihren Risiken von Südtirol in den Schwarzwald verlegten. Bei unserem Rundkurs ab Hinterzarten über Basel und zurück hält jeder Tag Überraschungen für uns bereit. Das Tragen von Masken spielt dabei eine Rolle. Wir erleben ein Potpourri aus Beachtung der Regeln, Nachlässigkeit und Verweigerung und sind manchmal ganz schön verunsichert.

Der Start in unserem Ausgangshotel gerät noch so, wie wir es von Restaurantbesuchen in Haltern kennen. Das Personal trägt durchgängig Maske, von uns wird das bis zum Tisch auch verlangt. Um das Virus nicht auf Kontaktflächen zu verbreiten, geben wir abends unsere Wünsche für das Frühstück durch.

Nicht nur junge Leute missachten die Regeln

Ähnlich vorbereitet zeigt sich ein Hotel in Waldshut, das zur Variante Frühstücksbuffet weiße Handschuhe für die Gäste reicht. Die besten Absichten der Hoteliers nutzen allerdings nichts, wenn die Gäste nicht mitziehen. Eine Rentnergruppe, die unseren Weg auf unserer Reise immer wieder kreuzt und eigenwilliges Verhalten an den Tag legt, greift nicht nur unbehandschuht zu Gabeln und Löffeln auf dem Serviertisch.

Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass Radurlaub in diesem Jahr besonders beliebt ist.

Das Coronavirus hat dafür gesorgt, dass Radurlaub in diesem Jahr besonders beliebt ist. © Silvia Wiethoff

Die meisten setzen auch die lästige Maske nicht auf, um die Mitmenschen zu schützen. Das junge, Masken tragende Personal des Gastronomiebetriebs nimmt´s hin. Der Kunde ist König.

Ähnliche Situationen hat es in Haltern auch schon gegeben. Eine Wirtin berichtete, dass sie einen Gast vergeblich an die Maskenpflicht erinnerte. Als sie den Raum verließ, bewegte er sich weiter oben ohne darin. Ein anderer Gast drohte der Restaurantbesitzerin danach mit einem Anruf beim Ordnungsamt.

In unserem Urlaub ist bei der Einkehr in einem Lokal an der Schweizer Grenze alles wie immer - wie immer in den vergangenen Sommerurlauben. Die Tische draußen stehen dicht an dicht, es gibt keine Masken und auch keine Formulare, um unsere Kontaktdaten zu hinterlassen. Lediglich ein einsamer Desinfektionsspender auf dem Weg zur Toilette erinnert daran, dass die Tourismus-Saison 2020 eine besondere ist.

„Das ist alles Quatsch“

In Basel klärt uns eine Kellnerin auf, die sich bei jeder Bestellung die Maske vom Gesicht zieht und zum Gast hinunter beugt: „Ich habe mich informiert. Das ist alles Quatsch. Man bekommt durch das Virus nur eine kleine Grippe.“ Wir fragen nicht nach, wo sie sich hat aufklären lassen. Im Hauptteil der Halterner Zeitung ist wie in vielen anderen seriösen Medien gerade darüber berichtet worden, dass auch junge, gesunde Menschen lebensgefährlich erkranken und lange an den Spätfolgen der Virusinfektion leiden können.

Wenn das Wetter stimmt, ist auch Urlaub in Deutschland sehr erholsam.

Wenn das Wetter stimmt, ist auch Urlaub in Deutschland sehr erholsam. © Silvia Wiethoff

Auf unserer Radtour bleiben für uns die Masken weiterhin ständiger Begleiter. Bis wir ein Hotel in Müllheim erreichen. „Hier brauchen sie die nicht zu tragen. Unsere Räume sind groß genug, um Abstand zu halten“, sagt ein Mitarbeiter stolz zu uns. Groß genug? Später werden wir auf der Weiterreise ins Allgäu das Keltenmuseum Heuneburg besuchen, einen luftigen Bau über zwei Etagen mit Blick bis ins Dach. Hier herrscht strenge Maskenpflicht, obwohl sich keine Menschenschlange wie vor dem Tresen des Hotels bilden.

Die Erlebnisse haben uns verunsichert

Bis unsere Radreise wieder in Hinterzarten endet, erleben wir noch manche verwirrende Überraschung - Masken, die nur über dem Mund oder lässig unter dem Kinn getragen werden, sind dabei die alltägliche Variante. Irgendwie sind wir nach einer Woche froh, im Ausgangshotel wieder ähnliche Verhältnisse wie daheim vorzufinden.

Eine Erkenntnis hat uns dieser Urlaubsabschnitt in Corona-Zeiten gebracht: Du bist selbst für deine Gesundheit verantwortlich und solltest bei allem, was Du tust, deinen Nächsten nicht vergessen.

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