Umbau der Martin-Luther-Schule wird teurer und die Kita Lohausstraße wird nicht fertig

dzNeue Kindergärten

Der Umbau der Martin-Luther-Schule zu einer Kita wird teurer als gedacht, die Politik stimmt darüber neu ab. Kopfzerbrechen bereitet die Baustelle Lohausstraße. Dort gibt es neue Probleme.

Haltern

, 15.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Im Frühjahr hatten Halterns Kommunalpolitiker beschlossen, das Erdgeschoss der ehemaligen Martin-Luther-Grundschule zu sanieren und als Drei-Gruppen-Kindergarten herzurichten. Sie gingen von 874.520 Euro Umbaukosten aus. Diese Zahl muss die Verwaltung jetzt revidieren. Weitere 386.128 Euro sind notwendig, um das Vorhaben zu realisieren. Die Stadt braucht die Zustimmung der Politik, die möchte sie sich im Ausschuss Bauen und Verkehr am 18. Juni holen. Die Gründe für die Erhöhung jedenfalls sind plausibel.

Umbau der Martin-Luther-Schule wird teurer und die Kita Lohausstraße wird nicht fertig

Der städtische Kindergarten an der Lohausstraße ist immer noch nicht fertig, es gibt wieder Verzug bei den Handwerkern. © Elisabeth Schrief

Unglückliche Entwicklung

Ein Ärgernis ist dagegen die Kita-Baustelle an der Lohausstraße. Die in der Elternversammlung angekündigte Eröffnung zum 1. Juli muss wieder verschoben werden. „Wir sind über die Entwicklung sehr unglücklich“, betont Jugendamtsleiter Gisbert Drees. Er bedauere, dass den Eltern durch immer wieder nach hinten verschobene Eröffnungstermine sehr viel zugemutet werde. Diesmal liege es an der Elektrofirma, die deutlich im Verzug sei. Aber auch vorher gab es Probleme mit Einzelgewerken, die sich laut Drees immer wieder auf nachfolgende Arbeiten auswirkten. „Leider ist vieles nicht so rund gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten“, bedauert der Jugendamtsleiter.

Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger und Mitarbeiter des Baubetriebshofes sind seit Monaten nahezu täglich vor Ort, um Druck zu machen. Aktuell werden die Fußböden verlegt, außerdem sind die Maler drinnen wie draußen aktiv. Die Elektrofirma wird erst in den nächsten Tagen mit noch ausstehenden Arbeiten beginnen.

Spielgruppe im Trigon

Die Eltern der „Lohausstraßenkinder“ sind schriftlich von dem Dilemma informiert worden. Für alle, die dringend einen Betreuungsplatz benötigten, hat die Stadt zum 3. Juni eine Übergangsbetreuung in der Jugendbegegnungsstätte Trigon an der Weseler Straße organisiert. Gisbert Drees dankt allen, die diese Zwischenlösung so schnell und gut möglich gemacht hätten.

Umbau der Martin-Luther-Schule wird teurer und die Kita Lohausstraße wird nicht fertig

Bis zur Fertigstellung der neuen Kita Lohausstraße werden Kinder in einer Spielgruppe betreut. Diese wurde im Trigon eingerichtet. © Stadt Haltern

85 Kinder finden in der neuen Kita künftig einen Platz. 55 Jungen und Mädchen werden ab August 2020 in der früheren Martin-Luther-Grundschule spielen, lernen und Spaß haben. Geplant sind drei Gruppen, davon zwei Ü-3-Gruppen in der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes.

Gewerke einzeln vergeben

Für den Umbau hatte die Verwaltung im November 2018 Kosten in Höhe von 874.520 Euro ermittelt. Doch diese Berechnung passt nicht mehr. Diese Erkenntnis ergab sich nach Gesprächen mit dem Landesjugendamt, das weitere Forderungen bezüglich des Umbaus gestellt hatte. Ein anderer Grund ist die Hochkonjunktur in der Baubranche. Dazu Baudezernentin Dr. Andreas Rüdiger: „Dieser Bauboom führt dazu, dass sich weniger Bieter an den Ausschreibungen beteiligen. Zudem müssen wir bei Ausschreibungen Preissteigerungen zwischen dem Zeitpunkt der Kostenschätzung bis zur Auftragsvergabe im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen.“ Geplant ist, die Gewerke einzeln zu vergeben und keinen Generalunternehmer wie an der Lohausstraße einzubinden.

Neue Haustechnik

Insbesondere die Sanierung von technischen Anlagen in der Schule haben den Kostenvoranschlag in die Höhe getrieben. Wesentliche Teile der Haustechnik müssen erneuert werden, dazu gehört auch die Trinkwasser-Installation. Ebenso sind im Elektrobereich umfangreiche Sanierungen bis hin zum Einbau einer Starkstromanlage notwendig. Der alte Sanitärbereich wird komplett entkernt und für Kindergartenzwecke neu aufgebaut. Bauarbeiten stehen auch im Keller an: Hier sollen Personalräume, Küche, Speisezimmer und Wirtschaftsraum eingerichtet werden.

Bei der Finanzierung kann die Stadt auf Fördermittel zurückgreifen. Sie geht von 643.500 Euro aus. Die geplanten Gesamtkosten liegen bei 24.466 Euro pro Platz.

Kita in der Schule günstiger

Viel Geld und doch ist die Stadt sicher, dass sie mit der Politik im März die richtige Entscheidung für eine Sanierung der Schule getroffen hat. Es war der Joker in den Verhandlungen mit der Stadiongesellschaft des TuS Haltern, der eine Kita an der Stauseekampfbahn bauen wollte und von der Stadt dafür mehr finanziellen Einsatz gefordert hatte.

In der Beschlussvorlage für den Ausschuss Bauen und Verkehr begründet die Verwaltung ihre Ansicht. Der Betrieb der Kita in einem eigenen Gebäude falle entscheidend günstiger aus als eine Beteiligung der Stadt an einer TuS-Kita. Ein Platz in der alten Schule kostet pro Kind und Jahr etwa 4700 Euro, ein Platz beim TuS hätte 5300 Euro gekostet.

Kommentar

Die Kita ist ein Rechenexempel

Mit dem TuS Haltern ist die Stadt nicht ins Geschäft gekommen, deshalb baut sie nach einstimmigem Beschluss der Ratsparteien alternativ die leer stehende Martin-Luther-Schule zur Kita um. Natürlich kostet auch das Geld. Aber Haus und Grundstück gehören der Stadt, Sanierung und Betriebskosten relativieren sich - nach Schätzung des Bauamtes - über eine angedachte Nutzungsdauer von 40 Jahren. Die TuS-Pläne mit der Rasselbande waren erfrischend anders. Doch letztlich muss die Stadt im Sinne ihrer Bürger aufs Geld gucken. Wenn ein Platz in der Kita Martin-Luther-Schule pro Kind und Jahr für die Stadt um 685 Euro günstiger ist, gibt es keine Argumente mehr für ein Bündnis mit dem Sportverein. Zum 1. August 2020 soll die neue Kita an den Start gehen. Wenn sich nicht ein gerade sichtbares Desaster wie an anderer Stelle wiederholt. Abgeschreckt durch die Kita Lohausstraße will die Stadt die Komplettabwicklungen diesmal nicht mehr einem Generalunternehmen mit „geborgten“ Kräften aus Osteuropa und Subunternehmen überlassen, sondern schreibt die Gewerke einzeln aus. Das ist sicherer. Hauptsache, die stark beschäftigten Handwerker melden sich auch tatsächlich auf die Ausschreibungen. Bezüglich des Neubaus an der Lohausstraße muss sich die Stadt (unfreiwillig) wie in der Rolle eines Bruchpiloten fühlen.
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