Truppenübungsplatz: Land unterstützte Freigabe mit viel Geld

dzLavesumer Bruch

Zwei Jahre haben Haltern und Reken auf die Freigabe des früheren Truppenübungsplatzes in Lavesum hin gearbeitet. Viele Aufgaben mussten erledigt, finanzielle Mittel aufgebracht werden.

Lavesum

, 07.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die gut 4 Kilometer lange ehemalige Panzerstraße schlängelt sich durch das Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes im Lavesumer Bruch. Wer hier radelt, muss mitunter mächtig in die Pedale treten. Denn aus Richtung Hülsten kommend und mit dem Ziel Lavesum, müssen einige Steigungen bewältigt werden. Belohnt wird der Besucher mit einem besonderen Naturerlebnis: 1450 Hektar groß ist die Fläche, die als FFH- (Flora-Fauna-Habitat) und Vogelschutzgebiet gilt und sich durch Waldgebiete, Sumpf-, Moor- und Heidelandschaften auszeichnet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs blieb sie für die Bevölkerung gesperrt. Jetzt ist das riesige Gelände wieder geöffnet.

Ein Bild aus alten Zeiten: Diese Schranke ist inzwischen geöffnet.

Ein Bild aus alten Zeiten: Diese Schranke ist inzwischen geöffnet. © Ingrid Wielens

Mehr als 50 Schilder wurden inzwischen aufgestellt. Sie machen darauf aufmerksam, dass lediglich die alte Panzerstraße freigegeben ist. Stichstraßen und -wege wurden indes mit Schranken versperrt. Denn von den mit Munition belasteten Böden gehe nach wie vor Gefahr aus, sagt Baudezernent Siegfried Schweigmann.

Letzte Schilder und Schranken aufgestellt

Die Bezirksregierung Münster hatte die Ordnungsbehördliche Verordnung, die ein Begehungsverbot vorsah, am 26. August aufgehoben. „Die Genehmigung kam für uns sehr überraschend“, erklärt Schweigmann. So überraschend, dass die letzten Schilder und Schranken erst zum vergangenen Wochenende aufgestellt worden seien.

Lavesumer Bruch, Borkenberge und Heubach-Teiche

Ein ausgewiesenes europäisches Schutzgebiet

Die Borkenberge gehören zusammen mit der Heubachniederung Lavesumer Bruch und den dortigen Teichen zum EU-Schutzgebiet (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie/FFH). Auf beiden Übungsplätzen konnten sich großflächige, halb offene Heide- und Moorlandschaften erhalten, wie sie für die vorindustrielle Kulturlandschaft des Münsterlandes charakteristisch waren. Es gibt eine ausgeprägte Artenvielfalt, darunter Brutbestände von Heide- und Feldlerche, Ziegenmelker, Wiesenpieper und Falkenarten. Auch Amphibien und Reptilien wie Moorfrosch, Kleiner Wasserfrosch, Kreuzkröte, Zauneidechse und Schlingnatter kommen hier vor.

Gut zwei Jahre hatte sich die Stadt Haltern zusammen mit der Gemeinde Reken für die Öffnung des ehemaligen Übungsplatzes eingesetzt. Im Mai 2015 war dieser bekanntlich von der britischen Rheinarmee an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zurückgegeben worden.

Gespräche zwischen allen Beteiligten begannen 2018

2018 kam laut Schweigmann zu ersten Gesprächen zwischen den Kommunen Haltern und Reken, der Bima, der Bezirksregierung und Naturschutzverbänden. Unterschiedlichste Interessen hätten miteinander in Einklag gebracht werden müssen. Während Naturschützer eine Gefährdung der seltenen Pflanzen- und Tierwelt befürchteten, hatte für die Behörden die Beseitigung von Kampfmitteln oberste Priorität. „Die Freigabe der Panzerstraße haben aber alle Interessenvertreter befürwortet“, betont Siegfried Schweigmann.

An vielen Stellen versperren Schranken nach wie vor den Weg.

An vielen Stellen versperren Schranken nach wie vor den Weg. © Ingrid Wielens

Entlang der asphaltierten Straße sei an beiden Seiten ein Schutzstreifen mit Kampfmittelsonden überprüft worden. „Gefunden haben wir nichts“, stellt Schweigmann fest. Auch angrenzende Bäume wurden hinsichtlich ihrer Verkehrssicherheit geprüft. „Artenschutzgutachten mussten auch in Auftrag gegeben werden.“

Land übernahm den Großteil der Kosten

Für die Maßnahmen gab es Geld vom Land. Mit den Mitteln des Förderprogramms Vital.NRW seien 65 Prozent der gesamten Kosten gedeckt worden. Schweigmann: „Die übrigen Kosten haben sich Reken und Haltern geteilt.“ Die genaue Summe sei noch nicht bekannt - „von jeder Gemeinde wird aber ein kleine fünfstellige Summe zu zahlen sein“. Siegfried Schweigmann ist nicht sicher, ob die Wiedereröffnung ohne die finanzielle Unterstützung des Landes möglich gewesen wäre.

DBU Naturerbe soll ein Nutzungskonzept erstellen

Der DBU Naturerbe GmbH, einer Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, gehören mit dem Weißen Venn/Geißheide rund 350 Hektar des ehemaligen Truppenübungsplatzes im Lavesumer Bruch.

Jetzt lesen

Laut Schweigmann soll die Gesellschaft auf Dauer ein Nutzungskonzept für die gesamte Fläche erarbeiten. Deren Betriebsmanager Michael Diekamp hatte jedoch stets betont, nicht aktiv werden zu wollen, ehe nicht sämtliche Eigentumsverhältnisse hinsichtlich der verbleibenden 1100 Hektar geklärt seien. Hier verhandeln und streiten Alteigentümer sogar vor Gericht mit der Bima über mögliche Rückkaufsrechte.

Abseits der ehemaligen Panzerstraße ist das Betreten des ehemaligen Truppenübungsplatzes verboten.

Abseits der ehemaligen Panzerstraße ist das Betreten des ehemaligen Truppenübungsplatzes verboten. © Ingrid Wielens

Obwohl die Panzerstraße erst seit einigen Tagen geöffnet ist, seien schon viele Radfahrer dort unterwegs gewesen, weiß der Halterner Baudezernent. Sorgen allerdings bereiten ihm Personen, die abseits der asphaltierten Straße gesichtet worden seien. Sie suchen Pilze oder sogar Munition, meinte er. Hier müsse möglicherweise mit Kontrollfahrten der Förster reagiert werden.

Lesen Sie jetzt