Der Brite Colin Lupton lebt seit 1993 in Haltern. © privat
Brexit

Trotz Kritik am Brexit: Colin Luptons Herz hängt an England

Colin Lupton lebt seit 1993 in Haltern, hängt mit dem Herzen aber an seiner Heimat England. Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU hält er für einen großen Fehler.

2019 hat Colin Lupton die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt: deutsch und britisch. Der gebürtige Engländer, der seit 1993 in Haltern lebt, wollte sicherstellen, dass er auch nach dem Brexit in Deutschland leben und arbeiten kann.

„Großbritannien war nie zu 100 Prozent wirklich in der EU, aber die Leute, die für den Brexit gestimmt haben, werden erst nach und nach feststellen, was jetzt alles nicht mehr geht und welche Einschränkungen für sie kommen werden“, sagt er.

Mitleid hat er mit seinen Landsleuten nicht. „Aber man muss sagen, dass sie leider nicht alle Fakten kannten, als sie so entschieden haben. Die Konsequenzen werden sie erst jetzt kennen lernen. Und ich hoffe vor allem, dass alte Konflikte in Nordirland jetzt nicht wieder neu aufflammen.“

Großes Fragezeichen bei der Rente

Colin Lupton arbeitet für die Firma General Electric, seit fünf Jahren schon im Homeoffice. Er hatte seine deutsche Frau Renate in England kennengelernt und war 1993 mit ihr nach Haltern gezogen. Für sich selbst erwartet er keine unmittelbaren Einschränkungen.

„Für meine Frau gilt aber, dass sie nur bis zu 180 Tage ohne Visum nach England einreisen darf“, sagt er. Häufige Besuche bei seinen Eltern in Südengland und Urlaubsreisen auf die Insel gehörten immer zum Alltag der Luptons.

„Meine Söhne haben ebenfalls die doppelte Staatsbürgerschaft. „Einer hat in Portsmouth studiert. Ich bin froh, dass er jetzt fertig ist. Er hatte ein Erasmus-Stipendium, ein Programm, an dem sich Großbritannien in Zukunft nicht mehr beteiligen wird.“

Das Ehepaar Lupton hat außerdem zwei Hunde. „Dafür brauchen wir in Zukunft andere Papiere. Die aus Deutschland werden nicht mehr anerkannt. Auch halte ich längere Wartezeiten an der Grenze in Zukunft für möglich.“

Ein großes Fragezeichen sieht der 57-Jährige beim Thema Rente. „Ich habe neun Jahre in England gearbeitet, bevor ich nach Deutschland gekommen bin. Ich weiß nicht, ob das hier noch anerkannt wird. In Großbritannien wird erst nach zehn Jahren Beitragszahlung eine Rente fällig, und die habe ich nicht ganz erreicht.“

Barbor Jacken und Cheddar Käse

Dass er auch in Zukunft häufig nach England reisen wird, steht für Colin Lupton außer Frage. „Das ist meine Heimat, da hängt mein Herz dran“, sagt er. „Das merkt man immer, wenn Deutschland gegen England Fußball spielt: Da würde ich nie zu Deutschland halten.“ Außerdem findet er England als Urlaubsland faszinierend und lobt auch die englische Küche: „Die ist besser als ihr Ruf.“

Jeder Urlaub der Luptons in England endete mit einem Großeinkauf. „Vorräte für einen ganzen Monat“, sagt Colin Lupton. Er befürchtet, dass das in Zukunft nicht mehr in dieser Form möglich sein wird und vor allem, dass bestimmte Artikel in Deutschland nicht mehr zu bekommen sein werden.

Besonders würden ihm die gewachsten Barbor Jacken fehlen, die er gern trägt, sagt Colin Lupton. „Es wäre schade, wenn die hier nicht mehr zu bekommen wären.“ Auch Chips und englische Schokolade würden ihm fehlen. „Die schmecken nämlich anders als deutsche“, sagt Colin Lupton. „Und was ich meisten vermissen würde: Cheddar Cheese“.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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