Tiefes Brummen in der Wohnung einer Halternerin ist kein Einzelfall in der Stadt

dzTieffrequenter Schall

Eine Halternerin wird seit Tagen durch ein merkwürdiges Brummen um den Schlaf gebracht. Sie ist mit dem Problem nicht allein, wie Reaktionen auf den Bericht in der Halterner Zeitung zeigen.

Haltern

, 16.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Halternerin wohnt in der Josef-Paris-Straße. Seit dem 10. Januar raubt ihr ein tieffrequenter Schall jegliche Ruhe: Nachts und auch immer wieder tagsüber hört sie ein Brummen, das sie zur Verzweiflung bringt. Die Halternerin lebt in einem Dreifamilienhaus, ihre Mitbewohner nehmen die merkwürdigen Geräusche nicht wahr. Dass sie ein ausgesprochen gutes Gehör hat, wird der Halternerin zum Verhängnis.

Bei tieffrequentem Schall handelt es sich um Luftschallwellen, die unterhalb von 100 Hertz und damit eigentlich außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen. Es gibt Menschen, die hören ihn, andere nicht. Mit ihrem Problem ist die Halternerin jedenfalls nicht allein. „Das ist zwar erschreckend, aber ermutigend zugleich“, reagierte sie auf Rückmeldungen bei ihr und der Halterner Zeitung. „Ich bin nicht allein mit dieser Problematik. Das tut schon mal gut!“

„Der Ton ist durchdringend, da helfen auch keine Ohrstöpsel“

Wie ihr, ergeht es auch einem Halterner, der in der Kopernikusstraße wohnt. Seit dem Einzug 2015 kämpfe er mit dieser mysteriösen Plage, schreibt er. Er informierte die Stadtwerke, weil eine Trafostation im Garten steht, den Heizungsbauer, das Kreisumweltamt. „Das Brummen bleibt. Mal mehr, mal weniger, mal höher, mal tiefer.“ Der Ton sei durchdringend, da helfen auch keine Ohrstöpsel. Der Halterner versucht, das Malheur irgendwie auszuhalten, denn seine Wohnung möchte er angesichts der schwierigen Wohnungsmarktsituation in Haltern und der guten Lage ungern aufgeben.

Werner Schmich wohnt in Holtwick, er möchte ebenfalls nicht ausziehen. Obwohl er seit fünf Jahren unter Vibrationen und lautem Brummen leidet. „Es ist, als ob man in der Disco neben einem großen Lautsprecher steht und der Bass den ganzen Körper durchdringt“, versucht er das Phänomen zu erklären.

Holtwicker führt Geräusche auf Windräder zurück

Werner Schmich klagt über nächtliche Unruhe und Einschränkungen im Alltag: „Mein Leben ist zerstört!“ Seine Gesundheit habe sehr gelitten, sagt er. Werner Schmich führt die nervtötenden Geräusche auf Infraschall, versursacht durch Windräder, zurück. Der Holtwicker ist in die Deutsche Schutzgemeinschaft Schall für Mensch und Tier eingetreten.

„Ich bin so glücklich, dass sich eine Mitleidende gemeldet hat“, freute sich eine Hamm-Bossendorferin. Seit drei Jahren wohnt sie mit ihrer Familie am Holtkampweg, in einer Traumwohnung im Erdgeschoss mit Kamin und Garten, schwärmt sie. Aber ziemlich schnell nach dem Einzug sei ihr aufgefallen: „Hier brummt etwas!“ Ihr Mann hört das Geräusch nur bei absoluter Stille. „Es ist so, als liefe permanent die Waschmaschine.“

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Das Ehepaar hat Ursachenforschung mit Hilfe von Fachleuten betrieben, die Hamm-Bossendorferin war sogar beim Ohrenarzt. Alle seien ratlos. „Ich werde wahnsinnig“, klagt die 53-Jährige. Sie habe immer das Gefühl, die Mitmenschen glaubten ihr nicht und dächten, sie sei verrückt. „Deshalb war ich so froh, von dem Thema in der Zeitung zu lesen.“

Das Geräusch kommt von draußen, ist aber nicht zu orten

Eine Bewohnerin von der Reinhardt-Freericks-Straße erlebt dieses Brummen auch schon seit einigen Wochen. „Es ist nicht permanent und findet zu verschiedenen Tageszeiten statt. Ich bin nachts schon durch das Haus getapert und habe den Ursprung gesucht“, schreibt sie der Redaktion. Sie dachte zunächst, das Brummen käme von der Waschmaschine. „Aber es kommt von draußen, ich kann es nur nicht orten.“

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Der Betroffene von der Kopernikusstraße hat sich in seiner Not an die Untere Immissionsschutzbehörde des Kreises Recklinghausen gewandt. Diese hat den nervenden Dauerton per Messung bestätigt, konnte aber darüber hinaus nicht weiterhelfen.

Das Umweltamt des Kreises bietet seine Hilfe an

Dennoch bietet Kreissprecher Jochem Manz jedem, der tieffrequentem Schall auf die Spur kommen möchte, sich an den Kreis Recklinghausen zu wenden. „Wir versuchen, dem Problem auf den Grund zu gehen“, sagte er auf Nachfrage.

Mittlerweile gibt es eine Facebook-Gruppe „Brummton Phänomen“, in der sich Betroffene austauschen und sich Rückhalt geben. „Bleib tapfer!“, gibt ein Betroffener der Halternerin von der Josef-Paris-Straße mit auf den Weg.

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