Tennislehrer-Skandal: Halternerin lässt ihre Kinder beim Sex zuschauen

dzLandgericht Essen

Der Missbrauchs-Skandal gegen einen früheren Dorstener Tennislehrer zieht immer weitere Kreise. Am Mittwoch hat auch eine frühere Geliebte aus Haltern am Landgericht ein Geständnis abgelegt.

Haltern, Dorsten

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die 27-jährige Frau aus Haltern hatte den Tennislehrer im Sommer 2017 über ein Dating-Portal kennengelernt. Die junge Mutter hatte sich gerade von ihrem Mann getrennt und war auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft. Den Tennislehrer bezeichnete sie im Prozess als „Sechser im Lotto“. Der 39-Jährige habe ihr endlich wieder das Gefühl gegeben, wertvoll zu sein. Auch habe er akzeptiert, dass sie zwei kleine Kinder und keine Model-Figur hatte.

„Sechser im Lotto“

Schon bald nach dem ersten Treffen seien sie schließlich im Bett gelandet, erklärte die 27-Jährige den Richtern. Doch das, was in den folgenden Wochen geschah, das konnte sie dann nicht so richtig erklären. Irgendwann fing der Tennislehrer nämlich an zu fragen, ob sie nicht ihre beiden Kinder zu den sexuellen Treffen mitbringen wolle. Die Jungen waren damals nicht einmal anderthalb und drei Jahre alt.

„Mir kam das schon merkwürdig vor, aber ich hätte nicht gedacht, dass sein Interesse wirklich den Kindern galt“, so die Anklage weiter. Sie sei vielmehr davon ausgegangen, dass der Tennislehrer es als Lust-Kick empfand, wenn ihm überhaupt jemand bei Sexspielen zusah. „Ich wollte ihn nicht verlieren, deshalb habe ich das dann gemacht“, so die Halternerin.

„Wollte ihn nicht verlieren“

Mehr als zehn solcher Treffen muss es schließlich gegeben haben. Mal in der Wohnung der Frau in Haltern. Mal auf einer öffentlichen Toilette und immer wieder auch im Vereinsheim eines Dorstener Tennisvereins. Die Jungen saßen dann in dem winzigen Büro herum, spielten mit Tennisbällen oder bestaunten die glänzenden Pokale, während sich ihre Mutter mit dem Tennislehrer vergnügte.

Der Frau war klar, dass sie dabei alles mitbekamen. „Ich möchte nicht, dass sie einen Hau davon bekommen“, schrieb die Angeklagte dem Tennislehrer einmal in einer Kurznachricht.

Ob der 39-Jährige in diesem Prozess als Zeuge gehört werden wird, steht noch nicht ganz fest. Immerhin müsste er gar nicht aussagen, weil diese Fälle in seinem eigenen Prozess im Frühjahr noch keine Rolle spielten. Unterdessen wird gegen den Tennislehrer weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft ist immer noch dabei, die Telefone des Mannes auszuwerten und in den Chats mit seinen anderen Geliebten weitere mögliche Missbrauchsfälle aufzudecken.

Weitere Ermittlungen

„Es wird sicherlich noch einmal einen Nachschlag geben“, erklärte der Staatsanwalt am Mittwoch. Die erste Strafe von vier Jahren und neun Monaten Haft hat der Tennislehrer sofort akzeptiert. Aktuell habe die Ermittlungsbehörde 86 Fallakten angelegt. „Wohlgemerkt: Nicht 86 Fälle, sondern 86 Frauen, zu denen es Kontakte gab“, sagte der Staatsanwalt.

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