Duo eröffnet Sythener Gitarrentage mit mitreißender Musikalität im Schloss Sythen

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Das hochkarätige Gitarrenduo Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff spannten im Sythener Schloss einen weiten Bogen vom Barock bis in die Moderne.

Sythen

von Heidi Siegel

, 12.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Duo eröffnet Sythener Gitarrentage mit mitreißender Musikalität im Schloss Sythen

Das Amadeus Guitar Duo (Thomas Kirchhoff und Dale Kavanagh) eröffnete die Sythener Gitarrentage. © Jürgen Wolter

Wenn an einem sonnigen Sonntag, dem 11. um 11 Uhr während der zum 11. Male stattfindenden Sythener Gitarrentage ein so hochkarätiges Gitarrenduo wie das Amadeus Guitar Duo zu Gast ist, weiß das treue Publikum, dass es Außerordentliches zu hören bekommen wird. Eingeladen dazu hatte die Kulturstiftung von Dr. Horstfried und Eva Masthoff.

Unter dem Motto „Inspiration-Kontraste-Fantasie“ spannten die an der Musikhochschule Detmold lehrenden Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff einen weiten Bogen vom Barock bis in die Moderne, vom teils überaus Vertrauten im durch die Bearbeitung für zwei Gitarren interessant verfremdeten Kleid bis zu improvisiert klingenden Eigenkompositionen.

Zusammenspiel und der mitreißenden Musikalität

So bildeten zwei Barockwerke, einmal Teile aus der Suite Nr. 7 in G-Moll von Georg Friedrich Händel sowie eine ursprünglich als Triosonate für Mandoline und Basso Continuo komponiertes Konzert in D-Dur von Antonio Vivaldi, gewissermaßen den Rahmen für die übrigen Stücke. Wie Prof. Kirchhoff erläuterte, eignen sich Barockwerke besonders für die Bearbeitung, wurden sie nicht zuletzt von den Komponisten selbst in oft unübersehbarer Zahl für die verschiedensten Besetzungen eingerichtet.

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Gitarrentage am Schloß Sythen

Ungewöhnlicher dagegen die Bearbeitung eines Streichquartettsatzes des russischen Komponisten Alexander Borodin (1833-1887), nach Aussage von Thomas Kirchhoff „acht Minuten schöner Musik, in der nichts passiert.“ Bis dahin hatten die Zuhörer sich jedoch schon ein Bild verschaffen können von dem außergewöhnlichen technischen Können, dem perfekt aufeinander abgestimmten Zusammenspiel und der mitreißenden Musikalität der beiden Interpreten. Abweichend vom gedruckten Programm erklang nach dem Ausflug nach Russland ein Werk des Spaniers Joaquin Rodrigo (1901-199), eine Bearbeitung seines Konzertes für Zwei Gitarren und Orchester, in dem Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff nun ihre stupende Virtuosität, gepaart mit sichtlicher Spielfreude präsentieren konnten.

Jazzig-Modernes, wie in einer Bar

Beim letzten Stück vor der Pause, „Espanoletta &Canarios“ von Gaspar Sanz (1640-1710) glaubte man im ersten Teil würdig schreitende Tänzer den Schlosssaal durchmessen zu sehen, während der zweite Teil mit raschen Passagen und mitunter fast aggressiv klingenden Akkorden und seinem sehr überraschenden Schluss fast nach Neuer Musik klang. Nach der Pause präsentierte Dale Kavanagh eigene Stücke „just for fun“ wie sie sagte – Jazzig-Modernes, das man sich gut in einer Bar erklingend vorstellen konnte.

Im folgenden Werk des bolivianischen Komponisten Jaime M. Zenamon (* 1953) dem Amadeus Guitar Duo gewidmet, erklangen nach träumerisch-melancholischem Beginn betont rhythmische Passagen. Auch der Beginn des zweiten Teils wirkte minimalistisch-perkusssiv, um dann melodisch weitergeführt zu werden, durchaus das „Caprichoso“ des Titels verkörpernd. Mit dem bereits erwähnten Mandolinenkonzert von Vivaldi schloss sich dann der Kreis, dem nach begeistertem Applaus noch eine Zugabe folgte.

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