Symptome und positiver Test: Sorgen um Halterns Kult-Wirt „Günni“

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Günter Hildebrandt, Wirt der Halterner Szenekneipe „Schänke“, ist an Covid-19 erkrankt. Er selbst hat seine Diagnose öffentlich gemacht. Wir haben mit dem 63-Jährigen gesprochen.

Haltern

, 09.10.2020, 14:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es geht mir nicht gut. Und ich fühle mich einsam, weil ich keinen Besuch empfangen darf“, sagt Günter Hildebrandt. Aktuell, so erzählt er, liege er in einem Zimmer auf der Isolierstation im Halterner Krankenhaus. Mittlerweile bekomme er per Tropf Infusionen verabreicht. „Es handelt sich um ein Mittel, das eigentlich gegen Ebola eingesetzt wird. Ich hoffe, dass es mir hilft.“

Am Freitag hatte sich Halterns Kult-Wirt mit einem emotionalen Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook an seine vielen Freunde und Stammgäste gewandt. „In der Stadt wären sicher schnell Gerüchte rumgegangen. Ich wollte die Leute aber lieber selber informieren“, erklärt er. Deshalb habe er sich dazu entschieden, seine Erkrankung öffentlich zu machen. Dazu postete „Günni“ ein Symbolfoto mit der Aufschrift: „Ja ich bin stark... Aber es gibt Momente, in denen ich einfach nur in den Arm genommen werden möchte.“

Wie und wo er sich mit dem Virus angesteckt hat, ist noch unklar. „Ich kann es mir nicht erklären.“ Am Mittwoch habe er erstmals über Symptome geklagt. „Ich hatte plötzlich hohes Fieber und mir war schwindelig. Daraufhin bin ich ins Krankenhaus gegangen.“ Sein positives Testergebnis habe er dann einen Tag später, am Donnerstag, erhalten. „Das war ein Schock. Ich bin ja aufgrund meiner Vorerkrankung sehr geschwächt und gefährdet.“

Schwere Vorerkrankung

Im Frühjahr, so erzählt er, habe er sich nach einer Krebsdiagnose einer schweren Operation unterziehen müssen. „Die Ärzte hatten damals wenig Hoffnung, aber ich habe mich zurück ins Leben gekämpft. Zuletzt ging es mir auch wieder besser.“ In den vergangenen Monaten habe er sich stets sehr umsichtig verhalten. „Ich weiß ja, dass ich aufgrund meines Alters und meiner Vorerkrankung zur Risikogruppe gehöre.“ Daher sei er zuletzt schweren Herzens auch nicht mehr unten in seiner Gaststätte gewesen, sondern oben in der Wohnung geblieben.

„Wir haben immer Kontaktlisten geführt und äußerst viel Wert auf die Hygieneregeln gelegt. Sogar teilweise mehr als nötig. Dafür wurden wir mitunter auch belächelt.“ Bis auf weiteres müsse die Szenekneipe an der Lippstraße nun geschlossen bleiben. „Das Kreisgesundheitsamt ist informiert. Vorsichtshalber werden nun auch meine Frau und andere mögliche Kontaktpersonen getestet.“ Verärgert sei er über die Menschen, die so tun, als ob Covid 19 eine Erfindung sei. „Dafür habe ich einfach kein Verständnis.“

Kein Verständnis für Corona-Leugner

Im Krankenhaus, so erzählt Wirt „Günni“ weiter, habe er derzeit „zu viel Zeit zum Grübeln.“ Er denke häufig an seine Familie und seine Kneipe. „Die Schänke ist ja seit 17 Jahren mein Lebenswerk.“ Äußerst glücklich ist er über die zahlreichen Genesungswünsche und aufmunternden Worte, die ihn bereits erreicht haben. „Das freut mich total und gibt mir zusätzliche Kraft.“.

Die Ärzte hielten es nicht für ausgeschlossen, dass er die Krankheit überstehen kann. „Man hat mir gesagt, dass es ältere Menschen gibt, die es auch geschafft haben, aber leider auch jüngere Patienten, die es nicht geschafft haben.“ Angst habe er davor, weiter alleine sein zu müssen. „Mir fehlt Halt, zum Beispiel mal ein Händedruck, aber ich werde kämpfen. Sei dir sicher, ich werde nicht so einfach aufgeben“, sagt er am Ende eines emotionalen Telefongesprächs.

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