Günter Hessing, Chef der Raiffeisen Warengenossenschaft Haltern, hatte viel Streusalz auf Lager. Aber jetzt nicht mehr. © Foto: Holger Steffe
Wintereinbruch

Streusalz: Die Halterner Satzung lässt ein kleines Schlupfloch

Bürgersteige und Einfahrten von Schnee und Eis zu räumen, ist kräftezehrend. In hartnäckigen Fällen hilft Salz. Das ist in Haltern nur bedingt erlaubt - und fast ausverkauft ist es auch.

Die Straßenreinigungssatzung in Haltern regelt ganz klar: Gehwege sind in einer für den Fußgänger erforderlichen Breite von Schnee freizuhalten und bei Eis- und Schneeglätte zu streuen. Die Verwendung von Salz soll dabei möglichst vermieden werden. Es darf nur in besonderen klimatischen Ausnahmefällen – zum Beispiel bei Eisregen – oder für gefährliche Stellen an Gehwegen gestreut werden.

„Private Hauseigentümer kaufen tatsächlich mittlerweile seltener Streusalz“, sagt Günter Hessing, Geschäftsführer der Raiffeisen Warengenossenschaft Haltern. Aber dennoch ist im Raiffeisen-Markt das Salz seit Montagmittag ausverkauft. Abnehmer waren vor allem Gewerbetreibende und Hausverwaltungen. Das Streusalz gehörte noch zum Alt-Warenbestand.

Raiffeisen verkauft über 100 Schneeschieber

Die letzten Winter waren mild, die Nachfrage daher gering. Nachschub gebe es jetzt allerdings nicht mehr, so Günter Hessing, denn die nächste Lieferung käme erst in frühestens zehn Tagen. Bis dahin soll sich das Winter-Wetter relativ entspannt haben. Diese Prognosen sowie steigende Einkaufspreise würden einen Kauf jetzt nicht mehr rechtfertigen, sagt Günter Hessing.

Genauso gefragt wie das Salz waren die Schneeschieber. In den letzten Tagen hat die Raiffeisen-Warengenossenschaft über 100 verkauft, so Günter Hessing.

Der Baumarkt Hagebau Frieling, Krumme Meer, hat noch Salz. Das muss wegen des Lockdowns allerdings von Privatkunden vorbestellt werden. „Lassen Sie sich damit aber nicht allzu viel Zeit“, heißt es dort. Die Vorräte schwinden.

Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Januar 2013 hatte bei der Stadt den Anlass geliefert, die Vorgaben in der Satzung zum Winterdienst auf deren Alltagstauglichkeit zu überdenken. Damals betonte der Baubetriebshofleiter Gerd Becker in den Fachausschüssen, die verkehrliche Situation und Sicherheit müsse immer an erster Stelle stehen. Die Stadt könne nicht komplett auf die Verwendung von Salz verzichten.

Soleaufbereitungsanlage verringert Salz-Einsatz

Durch die Anschaffung der Soleaufbereitungsanlage im Jahre 2012 konnte der Salzverbrauch um rund 30 Prozent gesenkt werden. Im Einsatz sind drei Lkw, die jeweils mit Salz im Umfang von 1,2 Kubikmeter unterwegs sind, hinzu kommt ein Lkw, der 3,5 Kubikmeter Salz fährt und ein Lkw mit 4,5 Kubikmeter Salz. Hierbei kommt dann immer etwa ein Drittel des Salzvolumens als Sole dazu, d. h. bei dem Lkw mit 4,5 Kubikmeter Inhalt sind Soletanks mit etwa 1500 Liter Inhalt verbaut. Zum Fahrzeugpark zählen außerdem zwei Traktoren, die nur Salz ausbringen können, einmal 600, einmal 700 Liter.

Einsatzkräfte kontrollieren die Zustände der Straßen in Haltern.
Einsatzkräfte kontrollieren die Zustände der Straßen in Haltern. © Foto:Ingrid Wielens © Foto:Ingrid Wielens

Stadtsprecher Georg Bockey sagt dazu: „Grundsätzlich kann man sagen, dass wir durch die Verwendung der Sole etwa 30 Prozet des Salzes reduzieren. Das wiederum ist natürlich abhängig von den konkreten Verhältnissen im Winter. Beispiel: Heute fahren die Fahrzeuge, um 25 Gramm pro Quadratmeter Salz zu streuen, bei reiner Reifglätte sind es nur 2,5 bis 5 Gramm.“

Ebenso müsse berücksichtigt werden, dass Sole nur bis minus 5 Grad wirkt, Salz dagegen bis minus 15 Grad. Insofern sei klar, dass die Stadt auf Salz nicht verzichten könne. Georg Bockey: „Da hätten wir derzeit ein großes Problem.“

Die strengen Vorgaben der Straßenreinigungsatzung wurden 2013 auf Antrag der CDU durch die Formulierung „…wobei die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen möglichst vermieden werden sollte“ entschärft. Die Grünen waren gar nicht einverstanden. Durch die Einbringung des Wortes „möglichst“ werde alles und nichts möglich gemacht.

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Elisabeth Schrief

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