Straßenname mit Nazi-Vergangenheit: Ausschuss findet Kompromiss für Saarlauternstraße

Bürgerantrag

Zum zweiten Mal stellen Halterner einen Antrag, die Saarlauternstraße in Saarlouisstraße umzubenennen. Doch die Politiker entscheiden sich für einen anderen Weg.

Haltern

, 23.11.2019, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Straßenname mit Nazi-Vergangenheit: Ausschuss findet Kompromiss für Saarlauternstraße

Die Saarlauternstraße behält ihren Namen, erhält aber einen Zusatz. © Elisabeth Schrief

Wolfgang Müller stellte im September den Antrag, die Saarlauternstraße in Saarlouisstraße umzubenennen. Mit einem solchen Antrag beschäftigte sich die Halterner Politik zum zweiten Mal: 2003 hatte Pfarrer Martin Ahls die Initiative gestartet. In der aktuellen Debatte am Dienstagabend im Ausschuss Schule und Kultur zog Wolfgang Müller den Antrag zurück, die Politiker boten ihm einen Kompromiss an.

1936 waren die Straßennamen in der Stadtrandsiedlung nach Städten aus dem Saargebiet vergeben worden. Ratsmitglieder schlugen unter anderem auch „Saarlauternstraße“ vor. Mit Blick auf die Geschichte mag das unsensibel gewesen sein.

Vor und nach dem Krieg

1936, mit der Rückkehr des Saargebietes in das Deutsche Reich, erfolgte die Umbenennung der Stadt Saarlouis in Saarlautern. Die Rückkehr wurde zu jener Zeit von den Nationalsozialisten propagandistisch aktiv ausgeschlachtet. Das führte dazu, dass in etlichen deutschen Städten Straßen den Namen Saarlauternstraße erhielten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges änderten die Franzosen den Stadtnamen wieder in Saarlouis und eine Reihe von Städten nannten ihre Saarlauternstraßen in Saarlouisstraßen um. Aber es gibt auch Fälle, wo durch ein Zusatzschild eine Erläuterung zum Namen Saarlauternstraße gegeben wird.

Antrag zurückgezogen

So soll es künftig auch in Haltern sein. Die Umbenennung der Straße wäre für die Anwohner mit lästigen Behördengängen und zusätzlichen Kosten verbunden gewesen. Als Text der Zusatztafeln wird „Eigentlich Saarlouisstraße, Stadt im

Saarland, 1936 – 1945 in Saarlautern umbenannt“ vorgeschlagen.

Wolfgang Müller zog seinen Antrag zurück, weil er im Ausschuss wahrnahm, dass die große Mehrheit der Politik dem Verwaltungsvorschlag folgen wollte. Dieser sah vor, dass die Straße nur dann wieder in Saarlouisstraße umbenannt werden soll, wenn sich zuvor in einer Umfrage unter den Anwohnern die Mehrheit dafür aussprechen würde.

Aufwand sparen

Denn diese müsste ihre dann neue Adresse an zahlreichen verschiedenen Stellen bekannt machen, der Aufwand wird als eher groß eingeschätzt. Die Politik wollte nicht über die Köpfe der Anwohner entscheiden. Müller selbst ging, so seine Worte, davon aus, dass sich die Mehrheit der Anwohner gegen eine Umbenennung aussprechen würde. „Dann können wir uns diesen Aufwand der Umfrage auch sparen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt