Stefan Drecks Einsatz in Ruanda lief ganz anders als geplant

dzInternationaler Handwerksmeister

Vor allem seine Improvisationsfähigkeit war gefragt: Stefan Dreck wurde zum Internationale Handwerksmeister ausgebildet. Sein Einsatz in Ruanda war voller Überraschungen.

Haltern

, 08.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es läuft nicht immer alles wie geplant: Das ist die wichtigste Erfahrung, die Stefan Dreck aus Kigali, der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staates Ruanda, mitbringt. Zwei Mal war er in diesem Jahr im Rahmen seiner Ausbildung zum Internationalen Handwerksmeister dort.

Der 46-jährige Sythener arbeitet bei Evonik Industries im Marler Chemiepark. Seit 20 Jahren ist er dort in der Ausbildung im metalltechnischen Bereich tätig. „Ich habe noch bei der damaligen Hüls-AG meine Ausbildung begonnen“, so Stefan Dreck. Er machte dort seinen Feinwerkmechaniker-Meister und bildete sich zum Internationalen Schweißfachmann weiter. Als er vor einem Jahr die Möglichkeit erhielt, sich zum Internationalen Handwerksmeister weiter zu bilden, griff er zu.

Eine neue Herausforderung

„Es war für mich mit Mitte 40 noch einmal eine neue Herausforderung“, so Stefan Dreck. „Meine Kinder sind jetzt 15 und 17, ich habe das mit der Familie abgesprochen und alle waren einverstanden.“ Ein Jahr lang reiste er dann an den Wochenenden zu Schulungen und Lehrgängen nach Frankfurt. Zur Ausbildung gehört auch, ein Weiterbildungsprojekt im Ausland eigenverantwortlich durchzuführen.

Stefan Drecks Einsatz in Ruanda lief ganz anders als geplant

Stefan Dreck schulte die Mitarbeiter in Ruanda im „Lichtbogenhandschweißen“. © Privat

Nachdem Stefan Dreck bereits im Januar einmal eine Woche in Ruanda verbracht hatte, um die Arbeitsstrukturen kennenzulernen, folgte im März der zweite Einsatz. Der lief allerdings nicht ganz so wie geplant.

Einsatzort war ein Start-Up-Haus in Kigali, in dem sich junge Unternehmen ansiedeln. Es befindet sich in Trägerschaft der Westerwelle Foundation und wird gefördert von der Evonik Stiftung. Das Start-Up-Haus kooperiert mit weiteren Unternehmen.

Maschine war nicht einsatzbereit

Eins davon ist die Firma Manumetal, die Holz- und Metalleinrichtungsgegenstände unter anderem für Schulen und Krankenhäuser herstellt. Hier wollte Stefan Dreck Schulungen zu Grundlagen der Drehtechnik durchführen. „Darauf hatte ich mich vorbereitet, viel Material zusammengestellt, Werkzeuge verschickt und auch zum Teil Material selbst mitgenommen“, sagt er.

Vor Ort musste er aber feststellen, dass die Drehmaschine wegen Wartungsarbeiten zerlegt worden war und in den nächsten Wochen nicht einsatzfähig sein würde.

Stefan Drecks Einsatz in Ruanda lief ganz anders als geplant

Die Praktikanten wendeten die neuen Schweißtechniken an. © privat

„Ich stand trotz aller Vorbereitung bei Null“, sagt der Sythener. Auch das Material, das er verschickt hatte, kam nicht rechtzeitig an, außerdem ging sein Koffer mit Unterlagen und Zubehör verloren und kam erst vier Tage später an.

Für Stefan Dreck lautete die Devise deshalb: improvisieren. Bei einem Rundgang durch die Firma Manumetal stellte er dann fest, dass dort viele Schweißarbeiten durchgeführt wurden, aber nicht nach den bekannten Qualitätsstandards. Kurzerhand bot er der Firmenleitung an, einen Schweißtisch zu bauen und ein Grundlagentraining für Lichtbogenhandschweißen durchzuführen. Auch beim Bau des Schweißtisches war viel Improvisationstalent gefragt, aber schließlich konnte Stefan Dreck seine Schulung doch durchführen.

„Man bewertet sein eigenes Handeln neu“

Die völlig andere Kultur und Arbeitswelt beeindruckte den Sythener stark. “Es ist schon allein eine spannende Erfahrung, diese ganz andere Welt kennenzulernen“, sagt er. „Man bewertet auch sein eigenes Handeln noch einmal ganz neu.“

Das Land Ruanda, das durch den schrecklichen Völkermord an ganzen Bevölkerungsgruppen geprägt wurde, bemüht sich unter anderem durch wirtschaftliche Förderung gezielt, eine demokratische Entwicklung zu festigen.

Stefan Drecks Einsatz in Ruanda lief ganz anders als geplant

Zunächst baute Stefan Dreck einen neuen Schweißtisch mit den Mitarbeitern und Praktikanten. © privat

„Kigali ist eine sehr saubere Stadt, es gibt viele Grünflächen, ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte“, sagt Stefan Dreck.

Nach Abschluss der Ausbildung ist er einer der ersten drei Internationalen Meister in Nordrhein-Westfalen. Zurzeit sind zwar zunächst keine weiteren Auslandseinsätze geplant. Aber sie könnten auf Stefan Dreck wieder zukommen. „Das muss dann natürlich mit meiner Arbeit hier vereinbar sein“, sagt er.

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