Stadtmühle: DJs aus ganz Deutschland legten für Online-Publikum auf

dzLake Stream Festival

Für das Lake Stream Festival am Halterner Stausee haben DJs drei Tage lang in der Stadtmühle aufgelegt. Das Publikum konnte nur online zuschauen, aber dabei einen guten Zweck unterstützen.

Haltern

, 07.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Tage lang wummernde Bässe von 22 DJs aus ganz Deutschland vor der Kulisse des Halterner Stausees – ein Szenario, dass wegen der Coronapandemie zurzeit eigentlich unvorstellbar ist. Eigentlich. Denn unvorstellbar ist nur, dass dazu hunderte oder tausende Menschen vor Ort tanzen. Die DJs Jan Ribicki und Jan Schmeling haben am Wochenende gezeigt, dass der Rest funktionieren kann.

Zusammen haben sie von Freitagnachmittag bis Sonntagabend in der Halterner Stadtmühle das Lake Stream Festival veranstaltet. Das Prinzip: Ihr Publikum feiert zu Hause vor dem Bildschirm oder Webradio mit, während nur die Musiker und Techniker vor Ort sind und mit vier Kameras und einem großen Repertoire an Computern und Mischpulten für die Live-Übertragung sorgen.

Stimmung zu Hause lässt sich nur erahnen

„Das Problem ist natürlich, dass man die Reaktionen vom Publikum nicht sieht. Man weiß nicht, in welcher Stimmung sie sind und ob sie gerade in ihrem Wohnzimmer tanzen oder nur rumsitzen und trinken“, sagte der 20-jährige Halterner Jan Schmeling, der das Festival am Freitagnachmittag eröffnet hat. Einen Überblick zu bekommen, wie viele Menschen das Festival von ihrem Bildschirm aus mitverfolgen, sei schwierig, da die Zuschauer immer wieder wechselten. Zu Beginn seien es etwa 40 bis 150 gleichzeitig gewesen.

Jan Ribicki hat während der Corona-Kontaktbeschränkungen schon Erfahrungen gesammelt, wie er seine DJ-Auftritte in anderen Städten im Ruhrgebiet online an seine Zuschauer bringen kann. „Auch wenn es ohne direktes Publikum natürlich komisch ist, mache ich es gerne, auch um die Leute vielleicht aufzumuntern.“

Party für die mentale Gesundheit

Ribicki hat während der Pandemie die Kampagne „saveourmind – saveourculture“ (etwa: Rettet unsere Gedanken – rettet unsere Kultur) gestartet, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Wegfall der Kneipen- und Kulturangebote gerade für depressive Menschen problematisch sein kann. Ribicki hat nach eigener Aussage vor einiger Zeit selbst an Depressionen gelitten. „Wenn man dann an dem Punkt ist, dass man mal rausgehen will, aber es nicht kann, dass kann einen dann noch tiefer runterziehen.“

Deswegen verknüpfte er mit dem Lake Stream Festival einen Spendenaufruf an die Deutsche Depressionshilfe. Am Sonntagmorgen waren etwa 700 Euro zusammengekommen, weit entfernt von seinem Spendenziel von 8.000 Euro. Doch die Kampagne möchte er auch nach den drei Festivaltagen über die Webseite www.betterplace.me/saveourmindsaveourculture weiterführen. „Unsere Gedanken sind unser größtes Kulturgut und das darf nicht kaputt gehen“, erklärte er.

Lokale Clubs am Leben halten

Jan Schmeling betonte, dass es bei der Aktion auch darum gehe, die lokalen Clubs, in diesem Fall die Stadtmühle, am Leben zu halten. „Ohne die Stadtmühle wäre das alles hier auch gar nicht möglich gewesen“, sagte er.

Für den jungen Halterner ist es das erste Mal, dass er ein solches Festival mitorganisiert. „Es war schon viel Aufwand und eine große Herausforderung“, meinte er, „aber es hat auch auf jeden Fall Spaß gemacht. Man kann sich ja vorstellen, wie die Leute das zu Hause anschauen.“ Und immerhin einen Vorteil habe es, ohne direktes Publikum am DJ-Pult zu stehen, gab Schmeling lachend zu: „Man kriegt nicht ständig die gleichen nervigen Musikwünsche, die überhaupt nicht zueinander passen.“

Lesen Sie jetzt