Sportler nehmen's sportlich

HALTERN Findet in Vereinsheimen eine Bewirtung (Schank- oder Speisewirtschaft) statt, sind diese rechtlich wie Gaststätten zu behandeln. Das besagt das vom Land NRW verhängte Rauchverbot, das zum 1. Juli in Kraft trat.

von Von Ellen Adam

, 07.07.2008, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die "Halterner Ess-Ecke" in der Lavesumer Str. hat beim Umbau Anfang des Jahres gleich einen freundlichen und lichtdurchfluteten Raucherraum eingerichtet.

Die "Halterner Ess-Ecke" in der Lavesumer Str. hat beim Umbau Anfang des Jahres gleich einen freundlichen und lichtdurchfluteten Raucherraum eingerichtet.

Der Vorsitzende des Stadtsportverbands Heinz Schriewer sieht kein Problem. „Eine Frage dazu ist an mich noch nicht herangetragen worden“. Unter den Sportlern in Haltern sei die Quote der Raucher sehr gering. Clubräume oder Sozialräume der einzelnen Vereine seien meist auch für Schulungen konzipiert. „Da wird dann nicht geraucht“. Private Gesellschaften entscheiden sowieso selbst. Schriewer ist Nichtraucher, empfindet die Reglementierung aber wie ein Überstülpen. „Raucher werden einseitig zensiert. Das ist vom Prinzip her nicht gut“, meint er. Und: „Wenn mir eine verräucherte Kneipe nicht passt, geh ich eben nicht rein!“.

Kein Verbot

Der TUS Haltern vertraut darauf, dass in seinen Vereinsräumen nicht geraucht wird. „Ein Verbot gibt es nicht“, erklärt Wolfgang Radas, da die Räume überwiegend für Mitglieder- und Mannschaftsfeiern genutzt werden. Albert Gerding der DJK Blau/Weiß Lavesum ist da strikter: „Im Vereinsheim der Tennisanlage wird schon Monate nicht mehr geraucht“. – Das allerdings habe mit der Renovierung und dem nagelneuen Bodenbelag zu tun. In den Räumen auf der Sportanlage Hohe Mark gilt das absolute Rauchverbot. „Unsere Mitglieder akzeptieren das und rauchen draußen“, so der Vereinsvorsitzende.

Nur einer ist gegangen

Auch Raucher wollen's rauchfrei: Der Kegelclub „Der zerbrochene Kegel“ hat bereits auf der Jahresversammlung im letzten Jahr ein Rauchverbot auf der Kegelbahn beschlossen. Wolfgang Feldmann – selbst meist Freiluft-Raucher – findet`s gut: „Nur einem passte das nicht, der ist gegangen“.

Nichtraucher sind tolerant

Nichtraucher sind anscheinend toleranter als vermutet. Den meisten jedenfalls stinkt das Rauchverbot, weil es Raucher zu sehr beschneide. „Ich entscheide doch, ob ich in eine Kneipe gehe – und wenn, dann weiß ich, dass dort geraucht wird“. Jörg Stinker (49) aus Haltern bezeichnet die Politiker als weltfremd: „Die Zigarette gehört zum Bier und zur Kneipe“, sagt der Nichtraucher. Claudia Möllmann (52) sieht das genauso. „Nur beim Essen möchte ich nicht den Qualm vom Nebentisch unter der Nase haben“. Dieter Rösner (63) raucht nicht. Seine Frau greift hin und wieder zur Zigarette. „Ich bin tolerant. Wenn in einer Lokalität zu viel gequalmt wird, mache ich kehrt“.

Gesetz "nicht nötig"

Marion Zentarra aus Lavesum achtet mit ihren drei kleinen Kindern auf eine rauchfreie Umgebung. Dennoch spricht sie sich gegen das Verbot aus: „Leben und leben lassen – nötig ist ein solches Gesetz nicht“. Heike Vogel hat viele Jahre geraucht. „Aber immer draußen“. Heute schätzt sie, dass Lokale wie das Stadtcafé rauchfrei sind. „Aber die Entscheidung sollte den Betreibern überlassen bleiben“. Vehemente Befürworter des neuen Gesetzes gibt es unter den Nichtrauchern auch. Nur die wollten weder zitiert, noch genannt werden.

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