Im Sommer 2018 ist der Kreißsaal geschlossen worden, es gab zu wenig Geburten. Der NRW-Gesundheitsminister fordert Zusammenlegungen von Kliniken. Wie gesund ist das Halterner Krankenhaus?

Haltern

, 06.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Nicht einmal jedes zweite Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen schreibt schwarze Zahlen. Nur rund 40 Prozent der Geschäftsführungen erwarten für das abgelaufene Jahr 2018 ein positives Gesamtergebnis. Im Vorjahr hatten immerhin noch 84 Prozent ein Plus auf dem Konto. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung KPMG hervor, für die 300 Geschäftsführer von NRW-Krankenhäusern befragt wurden. 2018 wird als wirtschaftliches Fiasko beschrieben.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat bereits öffentlich erklärt, dass es in NRW zu viele Krankenhäuser gibt. Er plant eine grundlegende Reform. Experten sollen mit einem Gutachten den Weg für neue Zentralkliniken ebnen, in denen mehrere Häuser ihre Kompetenzen bündeln. Außerdem sollen die Berater gezielt Überangebote in der NRW-Krankenhauslandschaft identifizieren und Potenziale für regionale Krankenhaus-Kooperationen aufzeigen.

Seit zehn Jahren besteht der Klinikverbund KKRN

Seit genau zehn Jahren ist das Halterner Sixtus-Hospital bereits Teil der KKRN (Katholische Kliniken Ruhrgebiet-Nord). Der Klinikverbund umfasst außerdem Standorte in Marl, Dorsten und Herten-Westerholt.

Die Krankenhäuser bekommen Gelder aus zwei Quellen, für den direkten Betrieb rund um den Patienten durch die Krankenkassen, für bauliche Investitionen und Dinge wie Möbel oder Geräte durch das Land NRW. „Wir bekommen Geld vom Land, das reicht aber bei Weitem nicht aus. Unser Betriebsergebnis ist positiv, aber das wird aufgefressen durch den Bedarf für Investitionen“, sagt KKRN-Geschäftsführer Andreas Hauke.

„Wir haben KKRN-weit knapp 1000 Betten und ein Budget von rund 125 Millionen Euro für Behandlungskosten.“ Jedes Krankenhaus in NRW bekomme für dieselbe Operation dasselbe Geld. „Investitionen sind in dieser Summe nicht enthalten“, erklärt Hauke. „Wie wir für 2018 im Endeffekt liegen werden, weiß ich noch nicht. Wir gehen aber davon aus, dass es eine schwarze Null wird.“

„Positives Ergebnis wird von Investitionen aufgefressen“

Die Zahl der behandelten Patienten stagniere in ganz Deutschland, „auch bei uns“, so Hauke: „Wir haben keine starken Zuwächse und keine starken Verluste, das war auch im letzten Jahr schon so.“ Das Statistische Bundesamt gibt für 2017 einen leichten Rückgang der Patientenzahlen an. Pro 1000 Versicherte haben sich 214 Menschen im Laufe des Jahres im Krankenhaus behandelt lassen. Zuvor waren es 217.

Die blanken Zahlen werden regelmäßig im Bundesanzeiger veröffentlicht, der Plattform für amtliche Bekanntmachungen. Die aktuellsten Werte der KKRN GmbH stammen dort vom Jahresende 2016. Da stand ein Jahresüberschuss von 1,7 Millionen Euro zubuche, im Vorjahr war es ein Plus von 1,2 Millionen. 2014 lag das Plus noch bei 150.000 Euro, davor allerdings stand ein Minus von 890.000 Euro.

„Wir haben das Halterner Krankenhaus vor Kurzem für 12 Millionen Euro saniert“, sagt der Geschäftsführer: „Die Baupauschale des Landes reicht vielleicht dafür aus, die Zinsen für die Fremdfinanzierung zu tragen. Unser positives Betriebsergebnis, das wir haben, wird aber weitestgehend durch die Fördermittel aufgefressen.“ Das dürfe nicht sein: „Und da kommt das Land seiner Verpflichtung nicht nach. Milliarden fehlen.“

Hätte man nur mit den Landesgeldern geplant, müsse man bestimmt 25 Jahre für so eine Sanierung wie in Haltern sparen. Das Sixtus-Hospital bekomme jährlich etwa eine halbe Million Euro vom Land. So viel koste ein einziger Computertomograph, den man alle sechs bis sieben Jahre erneuern müsse. Möglich wurde die Sanierung dennoch durch viel Kalkulation. Unter anderem ermögliche der moderne OP-Trakt jetzt mehr Behandlungen in derselben Zeit. So könne man die Investition refinanzieren.

„Wir wollen das Sixtus-Hospital weiter betreiben“

Andreas Hauke bekennt sich klar zum Halterner Sixtus-Hospital. Die Halterner müssten sich keine Sorgen um den Bestand machen, schließlich wurde vor wenigen Jahren erst sehr viel Geld investiert. „Wenn wir das Geld nicht in die Hand genommen hätten, wäre das Risiko groß gewesen, dass wir das Krankenhaus nicht mehr weiterbetreiben könnten.“

Damals habe es aber die strategische Entscheidung gegeben: „Wir wollen das Sixtus-Hospital weiter betreiben. Und ich muss sagen, das Invest und die Umstrukturierung hat sich ja auch gelohnt.“ Dennoch sei die Akzeptanz der Bevölkerung wichtig. Der Betrieb könne nur gut laufen, wenn die Halterner das Krankenhaus auch nutzen und nicht in andere Städte fahren.

„Wir sind keine Uni-Klinik, eine Herz-Operation soll da gemacht werden, wo man es am besten kann. Aber den Herzinfarkt versorgen, dafür haben wir gute Leute.“ Durch die Arbeit im Verbund würden inzwischen auch die Krankenwagenfahrer gut wissen, mit welchem Leiden ein Patient zu welcher Klinik gebracht werden sollte, so Hauke.

So steht‘s um die Finanzen des Halterner Sixtus-Hospitals

Im Halterner Sixtus-Hospital stehen etwa 180 Betten zur Verfügung. © Kevin Kindel

„Unser Auftrag ist die allgemeine Notfallversorgung in jeder der vier Städte zu gewährleisten“, sagt Hauke. In jedem der Häuser gibt es jeweils Notfall-Ambulanz, Chirurgie, OP-Bereitschaft und ähnliche Dinge. „Das an einem zentralen Standort zu betreiben, wäre natürlich viel wirtschaftlicher“, sagt Hauke: „Andererseits würden wir unseren Versorgungsauftrag in den Städten nicht mehr erfüllen.“

In dem katholischen Krankenhaus arbeiten drei Seelsorger, die sich um die Patienten kümmern. „Wir wollen ‚Medizin mit Menschlichkeit‘ nicht nur so dahersagen, sondern mit Leben füllen“, sagt Hauke. Bei der ganzen Diskussion über Geld und Zentralisierung werde vergessen, dass der Patient mit seinen Sorgen im Mittelpunkt steht. Damit könne das Sixtus-Hospital als kleines Haus punkten.

Viel Kritik aus der Bevölkerung

Das wirtschaftliche Handeln der Krankenhäuser stößt auf viel Kritik in der Bevölkerung: „Es ist schade, dass unser Gesundheitssystem schon so tief gesunken ist“, schrieb im vergangenen Jahr etwa eine Facebook-Nutzerin zur Schließung des Halterner Kreißsaals: „Alles wahre Wirtschaftsunternehmen - so ist es leider.“ Andere Nutzer schrieben: „Nicht katholische Klinik, sondern kaufmännische Klinik“ oder: „Wie weit soll das noch führen? Wir sparen uns kaputt.“

Durch die Zentralisierung der Geburtshilfe in Dorsten seien sicherlich Kosten eingespart worden. Das größere Argument dafür sei aber gewesen, dass man kein Personal mehr für die Abteilung finden konnte, sagt Andreas Hauke. Der Fachkräftemangel schränke das Sixtus-Hospital insgesamt sicherlich in der Leistungsfähigkeit ein. „Anfangs konnten wir die Intensivstation in Haltern gar nicht voll in Betrieb nehmen, weil uns Leute gefehlt haben. Das kostet uns auch Geld“, sagt Hauke.

In Dorsten und Marl hat die KKRN etwa 400 Ausbildungsplätze, es dauert aber drei Jahre bis Krankenpfleger ausgebildet sind. „Und wir stehen als Arbeitgeber stark in der Konkurrenz zu Münster und dem Ruhrgebiet, sodass das Personal, was wir ausbilden, einfach nicht ausreicht.“ Um den Bestand des Sixtus-Hospitals müsse man sich keine Sorgen machen: „Aber es ist ein täglicher Kampf.“

Lesen Sie jetzt