So wird das Sicherheitstraining für Pedelec-Fahrer in Haltern ausgebaut

dzSteigende Unfallzahlen

Der Pedelec-Absatz steigt, die Zahl der Unfälle auch: Immer häufiger werden motorisierte Farradfahrer im Straßenverkehr verletzt. In Haltern wird dieser Entwicklung mit Konzepten begegnet.

Haltern

, 23.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Auto hat verloren“, sagt Michael Benthaus selbstbewusst. Die Nachfrage nach E-Bikes, speziell Pedelecs, boomt. Inzwischen konkurrierten die motorisierten Fahrräder ganz enorm mit Personenkraftwagen, meint der Inhaber des Zweirad-Fachgeschäfts Big Wheel. In Großstädten machten junge Leute oft schon keinen Führerschein mehr, „weil sie es nicht mehr für nötig halten“. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und vor allem mit dem Fahrrad sei man genauso schnell unterwegs. „Die Leute fahren mehr Rad“, hat Michael Benthaus grundsätzlich festgestellt.

Umweltschonender, hipper Fitmacher

Auf die Frage, wo genau der Vorteil der Pedelecs liege und warum der Absatz der E-Bikes seit einiger Zeit zunehme, gerät er ins Schwärmen: „E-Bikes sind trendiger, passen megagut in die Zeit, sind komfortabler, umweltschonender, hipper, cooler, machen außerdem extrem viel Spaß und halten fit“, sagt er. Denn das Vorurteil, E-Bikes seien nur etwas für Rentner und unsportliche Menschen, lasse sich schnell widerlegen. Benthaus: „Die Fitness- und Gesundheitswerte werden eindeutig besser.“

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Auch die Politik erkenne den Trend hin zu den motorisierten Fahrrädern und reagiere zunehmend darauf. Denn immer Rad-Schnellwege wie beispielsweise der Radschnellweg Ruhr würden gebaut.

Michael Benthaus engagiert sich beim Seniorenbeirat in Haltern, der sich angesichts steigender Unfallzahlen für ein Pedelec-Training für Senioren (siehe Info-Kasten) stark macht. Nachdem er im vergangenen Jahr bereits mit diesem Angebot auf große Resonanz gestoßen war, wird ein erneutes Training am 2. Juli stattfinden.

Spezifische Handlungsabläufe im Training einstudieren

Schwerpunkt dabei ist selbstverständlich das Thema Sicherheit. Auch der Einsatz des Fahrradhelms wird thematisiert. In Theorie und Praxis können sich maximal 15 Teilnehmer schulen lassen. Manfred Huckschlag von der Verkehrswacht Recklinghausen-Land leitet das dreieinhalbstündige Training.

Seniorenbeirat lädt ein

Pedelec-Training am 2. Juli in Haltern

In Kooperation mit der Verkehrswacht Recklinghausen-Land, den Stadtwerken Haltern sowie Michael Benthaus vom Zweirad-Fachgeschäft Big Wheel findet am 2. Juli von 13 bis 16.30 Uhr ein kostenloses Pedelec-Training des Halterner Seniorenbeirats statt. Teilnehmer, die bereits entsprechend ausgerüstet sind, sollten ihr Pedelec und ihren Helm mitbringen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen nimmt SBR-Mitglied Siegfried Lindemann unter Tel. (02364) 7417 oder per E-Mail unter siegfried.lindemann@seniorenbeirat-haltern.de entgegen.

Die Stadtwerke stellen Leihräder für Teilnehmer zur Verfügung, die kein Pedelec besitzen. Michael Benthaus wiederum informiert über aktuelle Entwicklungen rund ums Rad und hilft ebenfalls mit Leihrädern aus. Angesichts der Unfallzahlen sei es „sinnvoll, sich mit den Besonderheiten von Pedelecs auseinanderzusetzen und spezifische Handlungsabläufe zu trainieren“, sagt Seniorenbeirat-Mitglied Siegfried Lindemann.

E-Bike-Fahrsicherheitstrainig auch auf dem ADAC-Gelände

Michael Benthaus hat ein Konzept erarbeitet. Davon allerdings sollen mittelfristig betrachtet nicht nur Teilnehmer des Senioren-Trainings profitieren. „Menschen aller Altersstufen werden ein Fahrsicherheitstraining für motorisierte Fahrräder sicher gerne in Anspruch nehmen“, meint er. Ab Herbst plant er in Kooperation mit dem Fahrsicherheitszentrum Westfalen, auf dem ADAC-Übungsplatz in Haltern ein E-Bike-Sicherheitstraining anzubieten. Benthaus ist sicher, damit auf großes Interesse zu stoßen. Auch im Gespräch mit seinen Kunden habe er diese Erfahrung gemacht.

„Es geht darum, Unsicherheiten zu nehmen“, erklärt der Fahrrad-Fan das Trainingsziel. Das Fahren mit dem Pedelec werde durch verschiedene Übungen intuitiver. Abläufe sollen gewissermaßen automatisiert werden, indem man beispielsweise den richtigen Einsatz der Bremsen verstärkt übt. „Es geht darum, in einer konkreten Situation gar nicht erst groß überlegen zu müssen, wie man sich verhalten soll“, sagt Michael Benthaus. Auf sandigem Untergrund sei es zum Beispiel unbedingt zu vermeiden, die Vorderradbremse zu benutzen.

„Das Lastenrad ist das Zweirad der Zukunft“

Der Kundenkreis bei Big Wheel ist nach Benthaus‘ Aussage zwischen 31 und 60 Jahre alt. „Das Fahrrad ist das Fortbewegungsmittel der Zukunft“, ist er sich absolut sicher. Und ganz konkret werde sich das Lastenrad durchsetzen. Mit dem man sogar große Einkäufe erledigen und zudem noch Beifahrer mitnehmen könne.

Steigende Unfallzahlen auch in Haltern

Nicht nur der Absatz der Pedelecs, auch die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr, an denen Radfahrer beteiligt sind, steigt.
  • Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Recklinghausen verunglückten im vergangenen Jahr 682 Radfahrer, darunter 79 Pedelec-Fahrer. Das waren 47 mehr als 2017, als insgesamt 601 Radler verunglückt waren.
  • In Haltern gab es 2015 einen Unfall mit einem Pedelec. In den beiden Folgejahren waren es bereits jeweils 4, bevor die Zahl 2018 schließlich auf 9 hochschnellte.
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