Sexueller Missbrauch: Katholische Kirche will mit neuem Leitfaden Kinder schützen

dzPfarrei St. Sixtus

Debatten um sexuellen Missbrauch und sexualisierte Gewalt in der Kinder- und Jugendbetreuung haben für viel Verunsicherung gesorgt. Die Sixtus-Pfarrei hat dazu ein Schutzkonzept erarbeitet.

Haltern

, 12.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darf ich als Erzieher ein Kind auf den Schoß nehmen, um es zu trösten? Welche Spiele kann ich als Begleiter einer Jugendfreizeit mit den Kindern spielen und welche nicht? Die Debatten um sexuellen Missbrauch und sexualisierte Gewalt in der Kinder- und Jugendbetreuung haben für große Verunsicherung gesorgt.

Die katholische Pfarrei St. Sixtus gibt jetzt ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern ein Schutzkonzept an die Hand, das das Handeln in übergeordnete Zusammenhänge stellt und als praxisorientierter Leitfaden für viele Situationen des Umgangs mit Kindern, Jugendlichen und hilfsbedürftigen Erwachsenen angelegt ist. Unter dem Titel: „Voller Schutz voraus!“ liegt das institutionelle Schutzkonzept der Pfarrei jetzt vor.

Antworten auf ganz konkrete Fragestellungen

„Alle Pfarreien des Bistums Münster sind verpflichtet, ein solches Schutzkonzept zu erstellen“, so Pfarrer Michael Ostholthoff bei der Vorstellung der 42-seitigen Broschüre, die von den Designern „Gute Botschafter“ aus Haltern ansprechend gestaltet wurde und Antworten auf ganz konkrete Fragestellungen bietet, etwa:

  • „Was tue ich, wenn ein Kind mir von sexueller Gewalt berichtet?“,
  • „wenn eine Grenzverletzung zwischen Teilnehmern stattfindet?“,
  • „wenn ich den Verdacht habe, dass sich im eigenen Umfeld ein Täter befinden könnte?“

In dem Schutzkonzept steckt jahrelange Arbeit: 2016 hat sich in der Pfarrei St. Sixtus eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich die Erstellung des Konzepts nicht leicht gemacht hat. Ihr gehören Kindergarten-Verbundleitung Cordula Borgsmüller, Pastoralreferent Gregor Coerdt, der Vorsitzende der Holytainment-Ferienlager Patrick Dülge, die Präventionsfachkräfte der Pfarrei Ruth Gerdes und Mechthild Heimann sowie Yvonne Rutz, regionale Präventionsfachkraft des Bistums Münster, an.

Verhaltenskodex und Handlungsleitfaden

„Das Konzept umfasst einen Verhaltenskodex und einen Handlungsleitfaden“, so Ruth Gerdes bei der Vorstellung. „Unser Ziel ist es, damit den Kindern maximalen Schutz zu gewährleisten bei einem Thema, das äußerst sensibel ist. Wir stellen uns auf die Seite der möglichen Opfer und im Idealfall sollte das Konzept dazu führen, dass Kinder wissen, dass sie jederzeit vertrauenswürdige Ansprechpartner finden, zu denen sie mit ihren Sorgen kommen können.“

In zehn Kindergärten und neun Gemeindeausschüssen wurde das Konzept inzwischen vorgestellt. Es enthält eine Verpflichtungserklärung, die alle Mitarbeitenden unterschreiben müssen. „Das Konzept soll dabei helfen, bei jedem Einzelnen eine Haltung hervorzubringen, die Fälle sexualisierter Gewalt gar nicht erst entstehen lässt oder Schutzbefohlenen schnellstmöglichen Schutz gewährleistet“, ergänzt Pastoralreferentin Mechthild Heimann.

Konzept wird alle fünf Jahre überprüft

Im Fünfjahresrhythmus wird das Konzept überprüft und gegebenenfalls angepasst. „Wenn es sich als notwendig erweist, dann auch früher“, so Ruth Gerdes.

Das institutionelle Schutzkonzept der Pfarrei St. Sixtus ist in einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt worden. Es liegt in allen Einrichtungen der Pfarrei aus und wird allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgehändigt.

Weitere Informationen erteilen Ruth Gerdes (ruth-gerdes@gmx.de) und Mechthild Heimann (mechthild.heimann@st-sixtus.de). Das Konzept wird außerdem in allen kirchlichen Vereinen und Verbänden vorgestellt. Auf der Homepage der Pfarrei St. Sixtus (www.st-sixtus.de) besteht außerdem eine Downloadmöglichkeit.

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