Pastoralreferentin Susanne Schumann ist Seelsorgerin im Sixtus-Hospital. © Wiethoff
Corona-Impfung

Seelsorger im Krankenhaus und in Altenheimen werden schneller geimpft

Betreuende Geistliche gehören laut neuester NRW-Impfverordnung zur höchsten Kategorie. Susanne Schumann und Gert Hofmann gehen ins Sixtus-Hospital und in Altenheime. Sie werden nun geimpft.

Susanne Schumann ist Krankenhaus-Seelsorgerin im Sixtus-Hospital. Sie geht auf Zuruf zu Patienten und zu Sterbenden. „Viele haben aufgrund der besonderen Situation Angst, sind einsam, möchten über Belastendes wie schwere Diagnosen oder auch schöne Dinge aus ihrem Leben reden, sie möchten Nähe spüren“, erzählt die Seelsorgerin. Sie hat Zeit, mal sitzen zu bleiben und zuzuhören.

„Die Patienten sind dankbar für jede Zeit und jedes Wort.“ Ein hohes Gut jetzt, da Besuche im Krankenhaus aufs Notwendigste beschränkt sind. „Es macht mich zufrieden, zu sehen, dass meine Aufgabe anderen gut tut und ich sie trotz Corona erfüllen kann.“ Sie ist ebenso gerne für die Angehörigen und das Pflegepersonal da, um ihnen in extrem belastenden Situationen beizustehen.

Warten und testen, bis sie an der Reihe sind

Aber auch im Krankenhaus heißt das: Nähe auf Distanz und unter Wahrung aller Regeln. Susanne Schumann hat auch schon Covid-19-Patienten Beistand gegeben. Dafür trägt sie Schutzkleidung wie das Pflegepersonal. Geimpft ist sie noch nicht. Die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen lehnen eine Vorzugsbehandlung ab. Doch die neue Impfverordnung vom 17. Februar bezieht auch geistlichen Beistand und Pfarrer als betreuende Personen in die Kategorie 1 mit ein (wie übrigens u.a. auch Fußpfleger, Friseure, Betreuungsrichter). Der Kreis hat Freitagmorgen eigens für sie ein Online-Anmeldeportal eingerichtet.

Susanne Schumann hatte bislang noch keinen Impftermin. Ohne neue Verordnung hätte sie gewartet, bis sie an der Reihe wäre. Die Seelsorgerin macht regelmäßig Schnelltests, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen.

Seelsorge hauptsächlich auf Zuruf und in Notfällen

Diese Vorsicht lässt auch Pfarrer Gert Hofmann, evangelischer Seelsorger für das Sixtus-Hospital und die Altenheime, walten. Die Angst vor Mutationen ist groß, deshalb geht der Seelsorger hauptsächlich auf Zuruf und in Notfällen in die Altenheime St. Sixtus und St. Anna. Zu den anderen Häusern hat er, der seit August 2020 („als Corona schon wütend unterwegs war“) schwerpunktmäßig in diesen Bereichen arbeitet, derzeit noch wenig Kontakte. Das könnte sich aber bald ändern. Gert Hofmann bietet Gespräche am Telefon an, Gesprächskreise oder Gottesdienste in den Altenheimen – immer in Absprache mit dem Pflegepersonal und unter den geforderten Bedingungen.

Gert Hofmann lässt sich regelmäßig testen, geimpft ist aber auch er noch nicht. „Ich drängele mich nicht vor“, betont er seine Rücksichtnahme auf die, die viel wichtiger seien als er: die Pflegerinnen und Pfleger im Intensivbereich. „Das sind so tolle Menschen, sie kümmern sich fürsorglich um ihre Patienten“, zieht er den Hut. Für die Altenheime nennt er neben dem Personal den sozialen Dienst, der versuche, für alle da zu sein.

Was Gert Hofmann selbst mitbringt ins Krankenhaus und in die Altenheime? „Zeit, das ist dort gerade eine rare Währung.“

Dr. Lars Heining, Chefarzt der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord und Koordinator des Impfzentrums im Halterner Krankenhaus, bestätigte, dass die Seelsorger zur nächsten Impfgruppe gehören. „Neben der Akut-Versorgung sind sie in unseren Häusern wichtige Bausteine des Handels. Dass sie geimpft werden, gehört sich einfach.“ Allerdings wisse er noch nicht, wann die Impfdosen kommen.

So funktioniert die Anmeldung

Das Gesundheitsministerium hat entschieden, dass einige Berufsgruppen mit höchster Priorität geimpft werden sollen. Dazu gehören neben den Beschäftigten von Rettungsdiensten und Pflegeeinrichtungen beispielsweise auch Ärzte oder Physiotherapeuten mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko aufgrund ihrer Tätigkeit, die also häufig in Altenheimen tätig sind oder verstärkt Corona-Infizierte behandeln. Die Anmeldung zur Impfung für diese Berufsgruppen ist über ein Online-Portal möglich.

Sie bekommen kurzfristig eine Mail mit einem Link und Zugangsdaten, um sich über das Portal für die Impfung anmelden zu können. Dieses Anmeldeverfahren ist ausschließlich den vom Ministerium vorgesehenen Personengruppen vorbehalten, es gilt nicht für die gesamten Berufsgruppen.

Wer keine Mail vom Impfzentrum bekommt, kann sie sich unter der Mailadresse iz01@kreis-re.de melden. In solchen Fällen muss allerdings eine Bescheinigung der Pflegeeinrichtung, in der die Beschäftigten regelmäßig tätig sind, vorgelegt werden.

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Elisabeth Schrief

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