Schützengilde Haltern: Darum dankt Präsident Axel Schmäing nach 16 Jahren ab

dzInterview

Axel Schmäing hat sein letztes Schützenfest als Präsident der Schützengilde gefeiert. Auf der Jahreshauptversammlung Anfang 2020 stellt er sich nicht mehr zur Wahl. Dafür hat er Gründe.

Haltern

, 12.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Im März 2004 wählte die Schützengilde Axel Schmäing einstimmig zum Nachfolger von Helmut Schwering, der damals den Weg für die jüngere Generation freimachen wollte. Nach 15 Jahren dankt der 58-Jährige nun ab. In einem Interview nennt er seine Beweggründe und lässt die schöne, aber nicht immer nur leichte Zeit Revue passieren. Und er erklärt, wie er überhaupt zur Gilde kam.

? Wie haben Sie vor dem Hintergrund ihres Abschiedes in diesem Jahr Schützenfest gefeiert?

Diesmal war das Schützenfest für mich mit großen Emotionen verbunden. Ich konnte natürlich den Abschied nicht ausblenden. Schon im Vorfeld hatte ich mir vorgenommen, das Fest so viel wie möglich zu genießen. Das mit dem Genießen hat auch tatsächlich geklappt. Besonders überrascht war ich von den Reaktionen der auswärtigen Vereine, die meinen Abschied bedauert haben. Das hat mich schon beeindruckt.

? Wenn doch alles so gut läuft, warum geben Sie Ihr Amt dann auf?

Die Aufgabe hat mir jahrelang sehr viel Spaß gemacht, ich weiß nicht, ob mein Schwung noch weitere vier Jahre gehalten hätte. Halbherzigkeit ist für mich keine Option. Außerdem sehe ich viele junge ambitionierte Schützen in der Gilde. Wenn Ältere Positionen ewig blockieren, verlieren die Jüngeren möglicherweise die Lust am Schützenwesen. Das möchte ich auf keinen Fall.

? Also aufhören, wenn es am schönsten ist?

Definitiv. Es wäre doch nicht schön, wenn die Gilde eines Tages mit dem Präsidenten unzufrieden ist und sich nur noch seinen Abgang wünscht.

? Mit Ihnen hört auch Jürgen Rensinghoff als Hauptmann der Sappeure auf. Zeichnet sich ein Umbruch ab?

In der Tat hören mit mir einige Offiziere auf. Zum Beispiel haben wir die Adjutanten Bernd Mersmann, Manfred Schiwek, Uli Scheipers und Engelbert Peters im Zelt verabschiedet oder auch Fahnenoffizier Frank Lietz. Personell gibt es einen Umbruch.

? Ambitionierte Schützen stehen für die Nachfolge bereit, auch für das Amt des Präsidenten?

Ich sehe viele Schützenkameraden, die den Verein in die Zukunft führen können und so engagiert sind, dass wir auch noch in 20 Jahren Schützenfest feiern. Dazu müssen wir uns natürlich erneuern und Traditionen überdenken. Da traue ich der jungen Generation viel zu. Mein Wunschkandidat für das Präsidentenamt ist Frank Leopold, er stellt sich auf der Jahreshauptversammlung auch zur Wahl.

? Wo wird in Zukunft Ihre Rolle sein?

28 Jahre war ich Vorstandsmitglied, davon 16 Jahre als Präsident. Ab dem nächsten Schützenfest werde ich mich als Offizier außer Dienst mit grüner Jacke wieder in meine 5. Kompanie einreihen und das Spiel von der anderen Seite betrachten. Was ich auf keinen Fall tun werde: meckern, dass wir vorher alles besser gemacht haben.

? Welche bleibenden Eindrücke nehmen Sie mit aus Ihrer Amtszeit?

In all den Jahren habe ich vor allem schöne Momente erlebt, als Präsident, als König der Gilde und als Kaiser der Halterner Schützenvereine. Ich habe unzählige Menschen kennengelernt. Stark gemacht haben mich die Kameradschaft, die Herzlichkeit und das ausgeprägte Miteinander innerhalb der Gilde und der Gemeinschaft aller Halterner Schützenvereine.

? Erinnern Sie sich an Augenblicke, die Sie viel Kraft gekostet haben?

Die jahrelangen Diskussionen über den Neubau eines Gildehauses waren nicht immer einfach, sie haben mir auch manches Mal schlaflose Nächte bereitet. Wir als Vorstand mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. Aber heute erkennen selbst die Gegner, dass das Haus Verbindungen schafft und als zentraler Punkt die Gilde mit ihren acht Kompanien wunderbar zusammenführt. Um Fakten zu schaffen, hat der Vorstand vor Jahren das Grundstück an der Wasserwerkstraße einfach gekauft. Wir haben uns weit aus dem Fenster gelehnt, möglich war das durch eine Lücke in der Satzung. Aber heute ist das Haus ein Gewinn für alle.

? 2015 musste die Gilde viel Kritik einstecken, weil sie nach dem Flugzeugabsturz mit 16 Toten aus Haltern Schützenfest gefeiert hat. Wie sind Sie damit umgegangen?

Das Schützenfest 2015 war für mich das schwerste Schützenfest, das die Gilde in der Neuzeit gefeiert hat. Wir haben sehr mit uns gerungen, ob das Fest stattfinden sollte oder nicht. Wir befanden uns in einem großen Zwiespalt, aber ich glaube, uns ist letztlich durch den größtmöglichen Rückzug aus der Innenstadt die Balance zwischen Trauer und Freude gut gelungen. In dieser Zeit gab es Kritik bis hin zu ganz persönlichen Anfeindungen gegen mich.

? Wer hat Ihnen Rückhalt gegeben, wenn das Amt schwer wurde?

Ich hatte das große Glück, dass der Vorstand eine homogene Truppe ist und wir völlig reibungslos miteinander arbeiten. Wichtig war für mich in den Jahren auch immer der Rückhalt in der Familie. Meine Frau Angelika hat mich stets unterstützt. Dazu muss man ja auch sagen, dass für andere Hobbys aufgrund der Fülle an Aufgaben keine Zeit blieb.

? Gab es auch mal ein Leben ohne Gilde?

Allerdings. Ich konnte mir früher nie vorstellen, als Schütze mit einem Holzgewehr durch die Straßen zu laufen. Als mein Schwiegervater Bernhard Frentrop 50 wurde, legte er mir einen Zettel mit der Aufnahmeerklärung hin. Die ganze Familie machte freundlich Druck, was sollte ich anderes tun, als zu unterschreiben?

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