Schacht AV 8 in Lippramsdorf ist Ziel von Einbrechern und Vandalen

dzSchacht AV 8

Das Kohlezeitalter ging in Lippramsdorf im Dezember 2015 mit der Schließung des Schachtes Auguste Victoria 8 zu Ende. Die Zechengebäude stehen noch, hier kommt es jetzt zu Vandalismus.

Haltern, Lippramsdorf

, 26.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lippramsdorf ist auf Kohle reichem Untergrund gebaut. Deshalb wurde hier bis 2015 in einer Tiefe von 1350 Metern „schwarzes Gold“ abgebaut. Dass der Ort ein Teil der Bergwerksgeschichte ist, dokumentierte die 1982 eröffnete Schachtanlage Auguste Victoria 8 an der Lippe. Hier fuhren die Bergleute ein, um vor Ort zu kommen, hier wurde Material zu den Arbeitsstätten in die Tiefe gefahren. Seit 2015 ist das Geschichte. Noch ist diese sichtbar, denn die Schachtgebäude sind bislang nicht abgerissen. Mittlerweile sind sie Ziel von Zerstörungswut.

Auf der Rückseite im Gebüsch sind die Zäune durchtrennt. Unbefugte schlüpfen immer wieder durch die Löcher, um aufs Zechengelände zu kommen und in die Gebäude einzusteigen. Fenster sind eingeschlagen, Türen eingetreten, Bergwerksrelikte abhanden gekommen. „Leider stellen wir immer wieder Einbrüche und Vandalismus fest“, bedauert Stephan Conrad, Sprecher von RAG Montan Immobilien.

Zutritt ist nur mit Genehmigung und in Begleitung erlaubt

Das ist ganz klar Hausfriedensbruch, denn Schilder weisen eindeutig darauf hin, dass für Unbefugte der Zutritt verboten ist. Der Standort stehe unter Bergaufsicht, so Stephan Conrad. Wer aufs Gelände möchte, darf das nur in Begleitung und mit Genehmigung tun.

Die ehemalige Pförtner-Loge am Eingang des Zechengeländes. Früher kam am Pförtner niemand ohne Kontrolle vorbei, heute schleichen ungebetene Gäste durch zerschnittene Zäune aufs Gelände.

Die ehemalige Pförtner-Loge am Eingang des Zechengeländes. Früher kam am Pförtner niemand ohne Kontrolle vorbei, heute schleichen ungebetene Gäste durch zerschnittene Zäune aufs Gelände. © Elisabeth Schrief

Die Fläche und die Gebäude werden regelmäßig durch Kollegen kontrolliert, erklärt Stephan Conrad. „Allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Vor allem dann, wenn Gefahr in Verzug ist, sichern wir den Standort und die dort stehenden Gebäude mit stählernen Zugangssperren an Türen und Fenstern und befahren den Standort häufiger.“

Die Schäden durch Einbrüche und Vandalismus werden von der RAG Montan Immobilien jeweils kurzfristig wieder beseitigt, Unrat und Abfälle je nach Bedarf aufgenommen und entsorgt. Stephan Conrad: „Wir erstatten sogar häufig Anzeigen. Erfolg und Aufwand steht da allerdings in keinem vernünftigen Verhältnis.“

Rückbau ist nach einem Verfahren für Anfang 2023 geplant

Anfangs wurde der Schacht noch als Materialumschlagsplatz für das Verfüllen von Schächten offen gehalten. Doch die Arbeiten sind abgeschlossen. Seither verwildern die Außenanlagen. Doch die Immobiliengesellschaft der RAG hat ein klares Ziel vor Augen: den Rückbau des Schachtgeländes.

Die Bänke an der ehemaligen Imbissstube laden nach wie vor zum Verweilen ein. Leider wird der Müll hier wie überall rund um das Gelände achtlos zurückgelassen.

Die Bänke an der ehemaligen Imbissstube laden nach wie vor zum Verweilen ein. Leider wird der Müll hier wie überall rund um das Gelände achtlos zurückgelassen. © Elisabeth Schrief

Die Abschlussbetriebsplan-Maßnahmen (ABP) für AV 8 werden ab Anfang 2022 fortgesetzt. Sie sind jetzt initiiert worden, das heißt RAG Montan Immobilien hat erste Recherchen durchgeführt, die dann Basis für das ABP-Verfahren sind.

Dabei geht es zum Beispiel um die Fragen, was war wo wann am Standort, welche Gebäude gehören zum Schacht dazu, welche Fundamente wurden eingebracht, wie ist der Boden beschaffen? Danach wird der detaillierte Sanierungs- und Rückbauplan erstellt, der von der Bezirksregierung genehmigt werden muss. Mit dem Rückbau soll voraussichtlich Anfang 2023 begonnen werden.

Ein Blick in die frühere Imbissstube: Hier stehen noch die Eimer, in denen einmal die Woche Pferdeklopse angeliefert wurden.

Ein Blick in die frühere Imbissstube: Hier stehen noch die Eimer, in denen einmal die Woche Pferdeklopse angeliefert wurden. © Elisabeth Schrief

Die Renaturierung steht politischen und unternehmerischen Zielen gegenüber. Denn Bestreben Halterns ist, hier an der Lippe dringend benötigte Gewerbeflächen im Konsens mit Marl (ein Teil des Geländes gehört zur Stadt jenseits der Lippe) auszuweisen. Fruchtbar waren die Gespräche noch nicht.

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