Ruhestätte Natur ist seit fast 15 Wochen in Betrieb - Graf von Westerholt zieht Bilanz

dzBestattungswald Sythen

Vor mehr als drei Monaten wurde die Ruhestätte Natur eröffnet. Zeit für eine erste Bilanz. Das sagen Carl Otto Graf von Westerholt, Halterner Bestatter und der Förderverein Schloss Sythen.

Sythen

, 06.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 23. Februar 2019 eröffnete Carl Otto Graf von Westerholt die Ruhestätte Natur in Sythen. Der Festakt war von mehr als 200 interessierten Bürgern besucht worden. Seit mehr als drei Monaten nun können Urnen im Bestattungswald beigesetzt werden. Zwar geht der Eigentümer des Areals und Betreiber der Ruhestätte noch immer davon aus, dass insgesamt noch „eine gewisse Routine“ in den alltäglichen Betrieb kommen muss. Grundsätzlich zeigt sich Otto Graf von Westerholt aber zufrieden mit der Entwicklung der Ruhestätte.

Beisetzungen freitags und samstags bevorzugt

Die ersten Beisetzungen hätten direkt in der Woche nach der Eröffnung stattgefunden, war auf Anfrage zu erfahren. Inzwischen seien 28 Urnen auf dem Sythener Gelände beigesetzt worden. Dabei bevorzugten die Angehörigen einen Beisetzungstermin an einem Freitag oder Samstag. „Hier liegt ein klarer Fokus“, berichtet Carl Otto Graf von Westerholt.

Ruhestätte Natur ist seit fast 15 Wochen in Betrieb - Graf von Westerholt zieht Bilanz

Schlicht und weitestgehend naturbelassen: der Andachtsplatz im Sythener Bestattungswald. © Ingrid Wielens

Die Verstorbenen, die auf dem insgesamt 2,5 Hektar großen Areal im Linnert zwischen Reiherhorst, Sythener Straße und dem Schloss Sythen ihre letzte Ruhe finden, stammten demnach überwiegend aus Sythen, Haltern und der näheren Umgebung. In einer ersten Bilanz sagte von Westerholt: „Die Ruhestätte Natur wird von der Bevölkerung angenommen. Das zeigen die durchschnittlich zwei Beisetzungen pro Woche.“

„Die Reaktionen auf den Bestattungswald sind positiv“

Das meinen auch die Halterner Bestatter. Denn immer wieder gebe es Anfragen zur Ruhestätte, heißt es unisono. Das Bestattungshaus Loos hat bislang eine Beisetzung auf dem Sythener Areal begleitet. Wie Bestatterin Sabine Loos erklärt, sei sie auch schon mehrmals beruflich im Westerholter Wald in Herten, wo der Graf bereits seit 2015 eine Ruhestätte Natur betreibt, gewesen. Ihr Fazit: „Die Reaktionen auf den Bestattungswald sind positiv.“

Eine besonders friedliche Begegnungsstätte

Auch Ingo Richter und Stefan Gazza vom Bestattungsinstitut Richter sammeln bisher nur „sehr positive Erfahrungen“. Immer mehr Menschen erkundigten sich nach dem Bestattungswald, sagt Ingo Richter.

Ruhestätte Natur ist seit fast 15 Wochen in Betrieb - Graf von Westerholt zieht Bilanz

Ingo Richter und Stefan Gazza betreiben das Bestattungsinstitut Richter in Haltern seit dem 1. Juli 2018. Viele Urnen - auch das hier vorgeführte Modell - sind biologisch abbaubar. Für eine Beisetzung in der Ruhestätte ist das Voraussetzung. © Ingrid Wielens

Während die Zahl der Kunden, die Vorsorgeverträge für ihren eigenen Tod abschließen, steige, hätten einige sich bei der Wahl des Bestattungsorts bereits für die Sythener Ruhestätte entschieden. Das Gelände werde von vielen Menschen als besonders friedlich wahrgenommen. „Es ist aber auch eine Begegnungsstätte“, meint Ingo Richter. Denn außer den trauernden Angehörigen hielten sich Spaziergänger und Radfahrer dort auf. Andere wiederum schätzten die Ruhestätte, weil sie „einfach etwas anderes“ sei.

Kapelle bisher nur selten angemietet

Die Kapelle des Schlosses Sythen wurde bisher allerdings nur fünfmal für eine Trauerfeier gebucht. Das teilt Stefanie Assmann vom für die Vermietung zuständigen Förderverein Schloss Sythen mit. „Die Nachfrage hält sich noch in Grenzen“, sagt sie. Das hat triftige Gründe. Denn die ursprünglich von der Stadt für 2018 angekündigte Eröffnung der Sythener Ruhestätte hatte sich um einige Monate verzögert. Rund 20 Urnen mussten daher mitunter monatelang bei den Halterner Bestattungsunternehmen aufbewahrt werden. Als die Ruhestätte dann eröffnet wurde, waren in diesen Fällen die Trauerfeiern längst erfolgt.

„Jetzt läuft es ja“

„Für die Angehörigen war das eine sehr schlimme Zeit“, erinnert sich Bestatterin Birgit Mertens. „Sie mussten lange warten, bis sie endlich mit ihrer Trauer abschließen konnten.“ In einem Fall hätten die Angehörigen sogar seit April 2018 ausharren müssen. „Aber jetzt läuft es ja“, sagt Birgit Mertens. Und meint damit den Betrieb in der Ruhestätte. Auch für sie war die Ausnahmesituation im Bestattungsinstitut sehr befremdlich. Ingo Richter kann sich ebenfalls sehr gut an diese Zeit erinnern - fünf Urnen wurden auch in seinem Bestattungshaus aufbewahrt. Das Bestattungsgesetz gibt vor, Beerdigungen innerhalb von sechs Wochen durchzuführen. Eine Verlängerung muss beim Ordnungsamt beantragt werden.

Brücke über den Mühlenbach erwünscht

Für die Ruhestätte indes wünscht sich Carl Otto Graf von Westerholt noch eine kleine Brücke, sodass Trauergruppen vom Linnert aus über den Mühlenbach auf das Schlossgelände gelangen könnten. „Das wäre der direkte Weg“, sagt er. Auch die Bestatter würden diese Lösung bevorzugen, weil der Weg über den Stockwieser Damm aufgrund des Straßenverkehrs schließlich auch gefährlicher sei. Eine behördliche Zusage für die Bach-Überquerung gibt es aber noch nicht.

Trauerfeier im Schloss

Kapelle ist nicht geweiht

  • Die Schlosskapelle ist nicht geweiht. Für gläubige Angehörige kann dies ein Hinderungsgrund sein, dort die Trauerfeier abzuhalten. Weil in der kleinen Kapelle zudem kaum mehr als 40 Personen Platz finden, eignet sie sich nicht für größere Trauergemeinden.
  • Grundsätzlich können auch die Räume im Schloss für ein Kaffeetrinken nach der Beerdigung gemietet werden. Für die Verpflegung der Gäste ist allerdings selbst zu sorgen. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Fördervereins unter www.schloss-sythen.de
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