„Rücksichtslos und menschenverachtend“: Diese Strafen drohen den „Pfarrhaus-Einbrechern“

dzLandgericht Bochum

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ fordert die Staatsanwaltschaft drastische Haftstrafen. Als Urteilstermin ist der 8. November 2019 vorgesehen.

Bochum/Haltern/Dortmund/Castrop-Rauxel

, 30.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder einer professionellen Einbrecherbande, die unter anderem auch in Pfarrhäusern in Haltern, Dortmund und Castrop-Rauxel auf Beutezug gegangen sein soll, hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag am Bochumer Landgericht empfindliche Gefängnisstrafen gefordert. Der Hauptangeklagte (44) soll zu zwölf Jahren Haft, sein mitangeklagter Sohn (28) zu zehn und seine Partnerin (48) zu insgesamt sechs Jahren und einem Monat Haft verurteilt werden. Bei dem Trio zeichneten die Strafanträge sichtbare Ernüchterung in die Gesichter.

Schon im Ausland massiv vorbestraft

Staatsanwältin Simone Klodt ging vor allem zum Schluss ihres Plädoyers mit den Angeklagten hart Gericht. Alle drei seien professionelle und abgebrühte Straftäter, zigfach vorbestraft und scheinbar durch Nichts und Niemanden von Straftaten abzuhalten. „Die gesamte Lebensführung ist seit Jahren auf die Begehung von Straftaten ausgerichtet“, sagte die Staatsanwältin. Vater und Sohn seien unter Alias-Namen auch bereits in den Niederlanden und Österreich wegen Einbruchstaten zu Haftstrafen verurteilt worden.

Seit September 2017 waren die drei Angeklagten und mehrere unbekannte Mittäter laut Anklägerin regelmäßig in Pfarrheime, Gemeindebüros beziehungsweise Häuser von älteren Damen in der Region eingebrochen.

„Rücksichtslose und menschenverachtende Gesinnung“

Trafen die Einbrecher in den Tatobjekten wider Erwarten doch auf Personen, reagierten sie teils überaus brutal. Eine durch Schläge bereits stark blutende, 74 Jahre alte Hausbesitzerin aus Wuppertal war an den Füßen ins Schlafzimmer geschleift, mit einem Stoffgürtel gefesselt und dann eingeschlossen worden. „So ein Verhalten zeigt eine besonders rücksichtslose und menschenverachtende Gesinnung“, so Staatsanwältin Simone Klodt.

Während die Staatsanwältin die Angeklagten auch bei Einbruchscoups in Pfarrhäusern in Dortmund und Castrop-Rauxel als überführt ansah, ließ sich der Tatnachweis im Fall des Überfalls auf Pater James in St. Sixtus in Haltern nicht hundertprozentig zweifelsfrei führen. Insoweit erfolgte eine Verfahrenseinstellung.

Urteile sollen am 8. November verkündet werden

Bei dem „Dortmunder Coup“ war ein Geistlicher am 29. Juli 2018 im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter am 15. Juli 2018 im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde einen Tresor aus der Verankerung gehebelt.

Einzig der Hauptangeklagte hatte zuletzt ein Teilgeständnis abgelegt, die zwei Mitangeklagten bis zuletzt geschwiegen.

Am 6. November sollen die Verteidiger ihre Schlussvorträge halten. Als Urteilstermin ist nach jetzigem Stand der 8. November vorgesehen.

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