Zurzeit wird ein Parkplatz mit Stellflächen für 230 Fahrzeuge am Hof Hagedorn angelegt. © Silvia Wiethoff
Hof Hagedorn

Rückschlag für die Erweiterungspläne des Hofs Hagedorn in Lavesum

Die Familie Schulte/Hagedorn möchte ihren Direktvermarkterbetrieb in Lavesum erweitern. Dafür hat der Rat der Stadt Haltern eine Satzung verabschiedet. Die ist aber wohl rechtswidrig.

Seit Jahren plant die Lavesumer Familie Schulte/Hagedorn die Erweiterung ihres Betriebes an der Rekener Straße, doch dieses Vorhaben ist nicht unumstritten. Anwohner des Ortsteils haben Einwände erhoben und sich auch an den Petitionsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen gewendet, um die Ausbaupläne zu verhindern.

Der Ausschuss in Düsseldorf hat am 13. April über die Sach- und Rechtslage beraten und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Außenbereichssatzung der Stadt Haltern als Grundlage für die Erweiterung rechtswidrig ist. Vorausgegangen sind Monate behördlicher Überprüfung – anfangs durch den Kreis Recklinghausen als Untere Kommunalaufsicht, zuletzt durch den Innenminister. Nach nun insgesamt 37 Monaten hat der Petitionsausschuss eine Entscheidung gefällt.

Eine gütliche Einigung konnte nicht erreicht werden

Wie Recherchen der Halterner Zeitung ergaben, habe das Prüfverfahren so lange gedauert, weil das Bemühen um eine gütliche Einigung im Vordergrund gestanden habe. Es dürfe aber in Haltern kein Präzedenzfall geschaffen werden, der Nachahmer in anderen Landesteilen ermuntern könnte. Vor allem solle verhindert werden, eine Splittersiedlung in Lavesum-Lochtrup entstehen zu lassen.

Der Rat der Stadt Haltern hatte Ende 2018 den Weg für Familie Schulte/Hagedorn freigemacht, ihren Betrieb zu vergrößern. Geplant ist in mehreren Bauabschnitten ein Wirtschafts- und Lagergebäude, zwei Wohnhäuser und ein Bauerncafé neu zu bauen sowie einen Parkplatz auf der benachbarten Wiese für 230 Autos anzulegen und die Zufahrt zur Rekener Straße zu optimieren.

Den Ausbau des Parkplatzes hat die Stadt Haltern offensichtlich bereits genehmigt, denn er wird aktuell ausgeführt.

Die Betriebsfläche soll sich verdoppeln

Bisher erstreckte sich der Betrieb auf 13.500 Quadratmetern, künftig sollten es 29.500 Quadratmeter sein, um die Wirtschaftlichkeit für die nachfolgende Generation zu sichern. Die Pläne der Lavesumer Unternehmer wurden von der Mehrheit der Fraktionen im Halterner Rat unterstützt. Ausschlaggebend waren die Argumente der Betriebssicherung für die Nachkommen und die Bedeutung als Arbeitgeber in Haltern.

Lediglich die Grünen stimmten der Erweiterung nicht zu. Sie sahen besonders den geplanten Neubau eines Hofcafés mit 1050 Quadratmetern kritisch. Außerdem passe die Verdoppelung des Betriebsgeländes nicht zum dörflichen Umfeld in Lavesum. Gespalten war auch die Meinung verschiedener Interessenvertretungen, die zu dem Thema angehört wurden. So begrüßte die Landwirtschaftskammer das Vorhaben in Lavesum, während die IHK ihre Bedenken äußerte.

Die Stadt Haltern will nun ihre rechtswidrige Außenbereichssatzung durch eine Bauleitplanung in Form eines Bebauungsplanes ersetzen. Das ist einem Schreiben des Präsidenten des Landtags Nordrhein-Westfalen zu entnehmen, in dem über den Ausgang des Petitionsverfahrens berichtet wird.

Die Stadt Haltern steht jetzt unter Kontrolle

Eine Anfrage der Redaktion beantwortete die Stadt Haltern am Donnerstagnachmittag allerdings wie folgt: „Die Außenbereichssatzung Hof Hagedorn ist im Jahr 2018 beschlossen und damit Grundlage für die Zulässigkeit von Vorhaben für den Direktvermarktungsbetrieb geworden.“

Der sich zurzeit im Bau befindliche Parkplatz sei im Oktober 2020 genehmigt worden und könne selbstverständlich auch zu Ende gebaut werden. „Schließlich ist die Satzung nach wie vor noch rechtswirksam“, teilte die Stadt mit. Sie werde sich allerdings nunmehr mit dem Hof Hagedorn verständigen, „auf welcher planerischen Grundlage den Bedenken des Petitionsausschusses am besten Rechnung getragen werden kann.“

Der Petitionsausschuss wiederum hat die Landesregierung gebeten, sich von der Stadt Haltern regelmäßig über „den Fortgang der bauplanerischen Bemühungen“ in Haltern berichten zu lassen. Sollte die Neuplanung nicht umsetzbar sein, hier müssen unter anderem die Vorgaben des Flächennutzungsplanes für einen schützenwerten Landschaftsraum berücksichtigt werden, sollen „kommunalaufsichtlich gebotene Schritte“ eingeleitet werden.

Nach den bisherigen Erfahrungen kann es einige Jahre in Anspruch nehmen, bis ein Bebauungsplanverfahren abgeschlossen werden kann.

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Redaktion Haltern
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Silvia Wiethoff
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