Rückbau der sprengstoffbelasteten Wasag-Gebäude dauert länger als erwartet

dzSchuppen-Brände

Der Rückbau der Wasag zieht sich hin. Grund sind mit Sprengstoffen belastete Gebäude, die mit großem Aufwand entsorgt werden müssen. Der Kreis Recklinghausen übernimmt das Gelände später.

Sythen

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum symbolischen Preis von einem Euro hatte der Kreis Recklinghausen den Großteil des Geländes der ehemaligen Wasag (Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft) in Sythen gekauft. Zum 1. Januar 2019 sollte er das 209 Hektar große Gelände übernehmen. Doch daraus ist nichts geworden. Grund sind Verzögerungen bei den Rückbau-Arbeiten der ehemaligen Sprengstofffabrik. Die Übergabe an den neuen Eigentümer wurde nun auf den 1. Juni 2019 verlegt.

Arbeiten deutlich umfangreicher als erwartet

Wie Ulla Lütkehermölle, Sprecherin der Bezirksregierung als zuständige Überwachungsbehörde, jetzt auf Anfrage erklärte, seien die erforderlichen Arbeiten zum Rückbau des Unternehmens deutlich umfangreicher als zunächst erwartet. „Es gibt eine Fülle von Gebäuden, die hinsichtlich ihrer Sprengstoffbelastung überprüft werden müssen“, so Lütkehermölle.

Auch der Geschäftsführer der Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern mbH, Dr. Rolf Niepmann, verwies auf den Stilllegungsprozess der riesigen Firma, der „zeitaufwendiger“ sei als geplant. Demnach sorgen insbesondere zwei Holzgebäude, die im Innern mit Sprengstoffstäuben belastet sind, für die Verzögerungen.

Hohe Arbeitssicherheitsvorschriften

Wie bereits berichtet, war einer der beiden Holzschuppen bereits am vergangenen Samstag kontrolliert abgebrannt worden. Die Feuerwehr hatte den Brand bewacht. Schon in wenigen Tagen soll nach Auskunft des Kreises Recklinghausen auch der zweite Schuppen auf diese Weise zerstört werden. Für die Bevölkerung bestehe dabei nach Angaben des Kreises keine Gesundheitsgefahr. Die Rückbau-Maßnahme wird nicht etwa bevorzugt, weil sie einfach und schnell ist. Vielmehr verlangten die Arbeitssicherheitsvorschriften für Sprengstofffabriken nach Aussage des Geschäftsführers, „dass alle Bauteile, die mit Sprengstoff in Berührung gekommen sind, auf dem Gelände verbrannt werden müssen“. Daher müssten im Rahmen des Rückbaus der Sprengstofffabrik alle diese Bauteile auf der Brandstelle ausgeglüht oder verbrannt werden. Niepmann: „Im Falle der beiden Gebäude ist ein Abbruch und ein Transport zur Brandstelle aufgrund des Risikos der Verschleppung der staubförmigen Belastungen aus Gründen der Umweltbelastung und des Arbeitsschutzes ungünstig.“ Daher sei beschlossen worden, die Gebäude direkt vor Ort abzubrennen. Sämtliche Genehmigungen mit strengen Auflagen im Hinblick auf Brand- und Emissionsschutz lägen entsprechend vor, hieß es.

Weniger Schadstoffe in die Luft bringen

Das bestätigt Ulla Lütkehermölle von der Bezirksregierung Münster. Die Behörde begleite den Rückbau der ehemaligen Wasag „intensiv“. Um weniger Schadstoffe in die Luft zu bringen, habe man sich für das Abbrennen der Schuppen entschieden, so die Sprecherin.

Der Kreis Recklinghausen hatte das mit erheblichen toxischen Rückständen aus der Sprengstoffproduktion belastete Gelände erworben, um die Flächen in Zukunft anders zu nutzen. Experten könnten sich dort künftig Einrichtungen des Naturschutzes und der Freizeitwirtschaft vorstellen. Drei weitere Grundstücksteile mit einer Gesamtfläche von rund 65 Hektar gehen allerdings nicht in den Besitz des Kreises über. Sie wurden an die Quarzwerke Haltern verkauft, die hier wertvolle Quarzsande abbauen wollen.

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