Wollen für ihren Mandanten (mi..) Revision einlegen: Verteidiger Thomas Schwieren (re.) und Matthias Rahmlow. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Revolver im Schrank, Amphetamin im Eisfach: Tränen nach dem Urteil

Ein Mann aus Haltern verkauft heimlich Drogen. Seine Verlobte ist angeblich völlig ahnungslos. Jetzt muss sich das Paar auf eine längere Trennung einstellen.

Kaum war das Urteil gesprochen, brach die Verlobte des Angeklagten in Tränen aus. „Wir kommen dich besuchen“, rief ein anderer Zuschauer quer durch den Gerichtssaal. Rund ein halbes Jahr nach einer Drogen- und Waffen-Razzia ist ein Hilfsarbeiter aus Haltern am Freitag (4. Juni) verurteilt worden. Die Strafe: viereinhalb Jahre Haft.

Es war ein anonymer Hinweis, der die Fahnder auf die Spur des 44-Jährigen gebracht hat. Am Morgen des 2. Dezember 2020 rückte die Polizei schließlich mit einem gewaltigen Aufgebot an. Weil es ursprünglich auch um den Vorwurf des Waffenhandels ging, war sogar ein Spezielles Einsatzkommando (SEK) hinzugezogen worden.

Schlagring mit Elektroschocker-Funktion

Waffen waren damals auch tatsächlich gefunden worden. Im Schlafzimmerschrank lag ein als gestohlen gemeldeter Revolver samt 500 Schuss Munition, außerdem wurden zwei Schlagringe (einer mit Elektroschocker-Funktion) und ein Teleskopschlagstock entdeckt. Dazu Amphetamin (im Eisschrank) und Marihuana.

Im Prozess hatte der mehrfach vorbestrafte Angeklagte davon gesprochen, dass er gar nicht mehr an die Waffen gedacht habe. „Die müssen Freunde vergessen haben“, so seine Erklärung, die ihm von den Richtern am Essener Landgericht allerdings nicht abgenommen wurde. „Ziemlich verschrobelt, diese Einlassung“, hieß es dazu in der Urteilsbegründung.

Schnell noch eine Runde mit dem Hund

Den Drogenhandel hatte der 44-Jährige dagegen sofort zugegeben. Allerdings will er das Rauschgift nie in seiner Wohnung, sondern immer auf Parkplätzen, auf jeden Fall aber immer draußen übergeben haben. Weit entfernt von einem griffbereit auf einem Klimagerät liegenden Schlagring. Seiner Verlobten habe er dann erzählt, dass er noch mal schnell eine Runde mit dem Hund gehe. Sie habe von seinen illegalen Machenschaften nichts gewusst.

Der Angeklagte war zuletzt 2016 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. „Das hätte eigentlich Warnung genug sein müssen“, so die Richterin. Dass der 44-Jährige auch mit Waffen gehandelt hat, konnte nicht festgestellt werden.

Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre gefordert

Mit dem Urteil blieben die Richter deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre Haft beantragt hatte. Die beiden Verteidiger, Thomas Schwieren und Matthias Rahmlow, hatten eine Bestrafung deutlich unter vier Jahren gefordert. Sie haben bereits angekündigt, dass sie gegen das Urteil der 1. Strafkammer Revision einlegen wollen.

Der 44-Jährige selbst hatte offenbar bis zuletzt gehofft, dass er bis zum endgültigen Antritt der Strafe vorübergehend aus der Haft entlassen wird. Die Richter ordneten jedoch an, dass er sofort nach der Urteilsverkündung zurück ins Gefängnis gebracht wird. Ein echtes Wiedersehen mit seiner Verlobten muss deshalb warten.

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