Regionalverband unterstützt Pläne zum erweiterten Sandabbau in Sythen

dzQuarzwerke Haltern

Der Regionalverband Ruhr hat erste Voraussetzungen für die Ausdehnung der Quarzsandgewinnung am Silbersee I in Sythen geschaffen. Die Änderung des Regionalplans ist beschlossene Sache.

Sythen

, 29.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es nach dem Willen der Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr RVR) geht, kann die Quarzwerke-Gruppe die Sandabbau-Flächen am Silbersee I in Haltern-Sythen um rund 90 Hektar erweitern. Die hierfür erforderliche 10. Änderung des Regionalplans für den Regierungsbezirk Münster, Teilabschnitt Emscher-Lippe, auf dem Gebiet der Stadt Haltern am See wurde jetzt einstimmig beschlossen. Damit haben die Quarzwerke eine erste Hürde genommen. Das bergrechtliche Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen.

Das Unternehmen zeigte sich am Montag überaus zufrieden: „Wir freuen uns sehr über den Beschluss“, sagte Sprecherin Britta Franzheim. Die Quarzwerke hatten die Änderung beantragt, um den Sandabbau in Sythen für die nächsten 25 bis 30 Jahre zu sichern. Aufgrund der Bedarfssituation und der überregionalen Bedeutung der Halterner Sande sei die Regionalplanänderung im Vorgriff zur Neuaufstellung des Regionalplans Ruhr, in dem die Erweiterungsfläche bereits enthalten ist, erfolgt, erklärte der RVR.

„Weitgehend“ Einigkeit beim Erörterungstermin

Neun Wochen lang lagen die Pläne im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung aus, am 6. April endete die Frist. Bis dahin waren 18 Stellungnahmen von Behörden und Fachverbänden sowie weitere zehn von Privatpersonen eingegangen - Einwände, aber auch Zustimmungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Wie Michael Bongartz, Leiter der Regionalplanung beim RVR, mitteilte, habe man bei einem Erörterungstermin am 25. Juni „weitgehend allen Belangen gerecht werden können“. Teilgenommen hatten unter anderem Vertreter der Stadt Haltern, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Bezirksregierung Münster, des Regionalforstamts Ruhrgebiet, des Bundesforsts sowie des Landesbüros der Naturschutzverbände.

Einzig mit den Naturschützern sei abschließend keine Einigung möglich gewesen, führte Bongartz aus. Grundsätzliche Bedenken gegen die Erweiterung des Tagebaus aufgrund der befürchteten Beeinträchtigung des FFH-Gebiets „Weißes Venn/Geisheide“ hätten dem entgegengestanden.

Kompromiss: Unternehmen reduziert Abbau

Eine Reduzierung des Nassabbaus, also der Sandgewinnung im Wasser, wurde allerdings in südöstliche Richtung beschlossen. Damit solle - abhängig von der Fließrichtung des Grundwassers - eine Absenkung des Grundwasserspiegels in den umliegenden FFH-Gebieten „Weißes Venn/Geisheide und „Teiche in der Heubachniederung“ vermieden werden, betonten die Quarzwerke. Auf einer Fläche nahe dem Parkplatz zwischen Silbersee I und II werde zunächst nur oberhalb des Wassers abgegraben. Die Gewinnung der im Grundwasser vorhandenen Sande bleibe einem gesonderten Betriebsplanverfahren vorbehalten und werde somit zurückgestellt. Bis der Sandabbau soweit vorangeschritten sei, dauere es aber sicher gut 20 Jahre, meinte Thomas Pütter, Leiter des Bereichs Rohstoffsicherung bei den Quarzwerken.

Grundwasseranstieg in Wasag-Mooren und Mergelkuhlen

Ein direkter Eingriff in die Naturschutzgebiete „Wasag-Moore“ und „Mergelkuhlen“ durch den erweiterten Tagebau findet nach RVR-Auffassung nicht statt. Der für diese Gebiete im Grundwasserströmungsmodell prognostizierte geringfügige Anstieg der Grundwasseroberfläche wird von Fachleuten vielmehr als positiv bewertet.

87 Hektar Wald müssen dem wachsenden Tagebau-See weichen - auch die großflächigen Waldrodungen standen im Fokus des Verfahrens. Der RVR verwies auf die Kompensationsmaßnahmen (Ersatzaufforstungen), die im nachgelagerten bergrechtlichen Verfahren „im üblichen Umfang“ (1:1) gefordert würden. Hier ist die Bergbehörde der Bezirksregierung Arnsberg zuständig. Sie regelt alle weiteren Details der Rekultivierung und der Quarzsandgewinnung.

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