Radweg über alte Panzerstraße von Lavesum nach Reken: Es gibt noch viel zu klären

dzTruppenübungsplatz Lavesum

Wird die ehemalige Panzerstraße durch den Truppenübungsplatz in Lavesum schon vor dem Beginn der Brutzeit am 1. März 2020 für Fußgänger und Radfahrer freigegeben?

Haltern

, 27.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der frühere Truppenübungsplatz in Lavesum ist Sperrgebiet. Aber es gibt den ausdrücklichen Wunsch der Stadt Haltern am See und der Gemeinde Reken, die ehemalige Panzerstraße als Verbindung zwischen den Ortsteilen Lavesum und Hülsten für Radfahrer und Wanderer zu öffnen. „Utopisch“ nannte das Anfang des Jahres noch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, der 350 Hektar gehören. Dieses Gebiet ist als Nationales Naturerbe eingestuft, hier sind seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Doch die Verhandlungen haben längst Fahrt aufgenommen.

Förderantrag gestellt

„Alle beteiligten Akteure ziehen an einem Strang“, sagt Halterns Stadtsprecher Thomas Gerlach. Reken und Haltern haben das Projekt „Barrierearmer Radweg durch den ehemaligen Truppenübungsplatz Geisheide“ bei Vital.NRW angemeldet. Dabei handelt es sich um ein Förderprogramm des Landes, das die Entwicklung attraktiver ländlicher Räume unterstützt. Bei einer Zusage fördert das Land das Projekt mit 65 Prozent der Kosten, den Rest teilen sich Reken und Haltern. Gut 164.000 Euro sind veranschlagt für Gutachten, Absperrungen, Schilder und Beseitigung von möglichen Barrieren.

Die Borkener Zeitung hatte berichtet, noch vor dem Beginn der Brutzeit am 1. März 2020 solle die Straße freigegeben werden. Sie stützte sich auf eine Aussage der Bezirksregierung Münster. Doch im Gespräch mit der Halterner Zeitung wollte die Bezirksregierung diese Aussage nicht bestätigen. Auf einen Termin wolle man sich keinesfalls festlegen. Alle Beteiligten säßen an einem Tisch, man sei auf einem guten Weg und habe sich zum Ziel gesetzt, vor der nächsten Brutzeit eine Lösung zu finden. „Aber bis dahin müssen noch viele Räder ineinandergreifen“, formulierte ein Sprecher der Bezirksregierung.

Zwei Gutachten

Das heißt, viele Behörde müssen einen Konsens finden: die Kreise Borken und Recklinghausen als Untere Naturschutzbehörden, die Bezirksregierung Münster, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (ihr gehören die übrigen 1100 Hektar des Truppenübungsplatzes) und die Naturerbe-Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Reken und Haltern werden zwei Gutachten in Auftrag geben, zurzeit wird der erforderliche Leistungsumfang ermittelt. Darin geht es um mögliche Munitionsreste auf und seitlich der Trasse sowie um Artenschutz. „Sobald alle inhaltlichen und formellen Fragen geklärt sind, kann die Vergabe erfolgen“, gibt Sprecher Thomas Gerlach einen aktuellen Sachstand.

Die ehemalige Panzerstraße ist die einzige asphaltierte Straße im Truppenübungsgelände und sie ist die einzige Querspange von Haltern nach Reken. Ohne großen Aufwand könnte sie für Erholungssuchende hergerichtet werden, ist die Stadtverwaltung Haltern überzeugt. Die Straße führt fast ausschließlich durch Wald.

Sie gehört zum Teil der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA), ein anderer Teil gehört der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Weil die Trasse durch den ehemals militärisch genutzten Schießplatz führt , hat die Bezirksregierung Münster sie wegen vermuteter Blindgänger im Boden auch nach der Schließung des Übungsgeländes 2015 weiterhin gesperrt. Zudem ist das gesamte Areal ein besonders wertvolles Naturschutzgebiet, in dem der natürliche Lebensraum für wild lebende Tiere und Pflanzen besonders geschützt und erhalten werden soll.

„Diesen Umständen geschuldet, wird eine mögliche Öffnung der Straße derzeit besonders gründlich geprüft und analysiert“, teilte die Pressestelle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf Nachfrage mit. Aus Bonn heißt es weiter, Ziel aller Beteiligten sei, die Straße bis zum Ende des ersten Quartals 2020 zu öffnen, bevor die dann beginnende Brut- und Setzzeit notwendige Baumaßnahmen verzögern könnten. „Die Bima würde die Öffnung der Straße zu diesem Zeitpunkt sehr begrüßen.“

Begründete Hoffnung“

Reken und Haltern wollen einem guten Beispiel folgen: Seit Oktober 2018 kann der ehemalige Truppenübungsplatz Borkenberge zwischen Sythen und Seppenrade durchquert werden. Die gut fünf Kilometer lange nördliche Ringstraße wurde für Erholungssuchende freigegeben.

Die Stadt Haltern ist erst einmal zuversichtlich. Es bestehe die begründete Hoffnung, dass die erforderlichen Gutachten in diesem Winter fertiggestellt werden könnten. Man hoffe, wie die Bima, die Straße zur nächsten Rad- und Wandersaison im Frühjahr 2020 öffnen zu können.

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