Radfahrerin wurde auf dem Nordwall in Haltern von Autofahrern beschimpft

dzÄrger im Straßenverkehr

Weil sie mit ihrem Pedelec die Straße und nicht den Geh- und Radweg des Nordwalls benutzt hat, wurde eine Halternerin böse beschimpft und fast angefahren. Dabei war sie im Recht.

Haltern

, 06.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Annegret Deitermann ist viel mit ihrem Elektrofahrrad unterwegs. Die Verkehrsregeln kennt sie ganz genau. Deshalb war sie mehr als erstaunt, als sie auf dem Nordwall von Autofahrern angegiftet wurde.

Die Halternerin wählte mit ihrem Pedelec nämlich nicht den für Radfahrer freigegebenen Gehweg, sondern die Straße. Sie tat es mit Rücksicht auf die Fußgänger. Doch auf dem Nordwall, der Verbindungsstraße zwischen Lavesumer Straße und dem Kreisel Raiffeisenplatz, fühlten sich scheinbar Autofahrer durch sie eingeschränkt. Sie schimpften, weil Annegret Deitermann auf der Straße fuhr.

Mit Schrittgeschwindigkeit

Doch hier wie an anderen Stellen in der Stadt ist das ausdrücklich erlaubt. Am Nordwall, am Hellweg und Breitenweg, an der Flaesheimer Straße in Hamm-Bossendorf sowie an der Lavesumer Straße innerorts hat die Stadt Schilder „Gehweg - Radfahrer frei“ aufgestellt. „Auf solchen Gehwegen mit Zusatzschild ist das Radfahren erlaubt, aber nicht vorgeschrieben“, erklärt Helmut Lampe, städtischer Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales. Als Radfahrer hat man hier die Wahl, Gehweg oder Fahrbahn zu benutzen. Wenn man sich für den frei gegebenen Gehweg entscheidet, muss man aber mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Hintergrund ist ein Gerichtsurteil

Hintergrund dieser Beschilderung ist laut Stadtverwaltung ein Bundesverwaltungsgerichtliches Urteil, welches verdeutlicht, dass die Straßenverkehrsbehörde den Radfahrer grundsätzlich nicht zwingen darf, auf Geh- und Radwegen zu fahren. Soweit natürlich keine besondere Gefahrenlage wie an stark befahrenen Straßen vorliegt.

Die Stadt Haltern am See hat sich dazu entschlossen, dem Radfahrer die Wahl zu lassen. Mit der Beschilderung „Gehweg – Radfahrer frei“ darf sowohl die Straße als auch der geschützte Gehwegbereich durch Radfahrer genutzt werden. Darauf gilt: Langsam fahren, bei Begegnungen dem Fußgänger Vorrang gewähren. „Leider ist nicht jedem Autofahrer diese Regelung bewusst“, bedauert Helmut Lampe.

Kommentar

Verantwortungsvolles Miteinander ist gefragt

Die Ungeduld im Straßenverkehr ist häufig groß, die Frustrationsgrenze gering. Autofahrer sind genervt von Radfahrern wie das Beispiel Nordwall zeigt, Radfahrer wiederum manchmal von Autofahrern. Seitdem die Radfahrer motorisiert und schneller unterwegs sind (Pedelecs sind bis zu 25 km/h schnell), kommen sich die beiden Parteien noch häufiger ins Gehege. Verantwortungsvolles Miteinander ist mehr denn je gefragt. Die betroffene Halternerin hat Umsicht gezeigt. Um Fußgänger nicht zu gefährden, wechselte sie mit ihrem Pedelec vom Radweg auf die Fahrbahn. Das war vorausschauend, rücksichtsvoll und vor allem: gesetzeskonform! Es besteht kein Grund für Autofahrer, genervt zu sein, wenn die Straßenverkehrsordnung eine klare Sprache spricht. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und Achtsamkeit. Im Nachteil ist der, der die Schilder nicht lesen kann oder will. Für die Polizei ein Dauerthema. Sie kontrolliert aktuell nicht umsonst, ob sich einerseits Radfahrer im Straßenverkehr richtig verhalten, aber genauso, ob Pkw- und Lkw-Fahrer genügend auf Radfahrer achten.
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