„Wie die Vandalen“: Polizei vermutet Leiche – Haus am Kanal ramponiert

dzHaus aufgebrochen

Ralf Sievers ist entsetzt. Bei einem Einsatz sind Polizei und Feuerwehr in sein Haus am Kanal eingedrungen. „Was die hier gemacht haben, steht in keinem Verhältnis zum Anlass.“

Hamm-Bossendorf

, 14.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ralf Sievers kann es immer noch nicht fassen. Am Sonntagnachmittag (9.8.) sind Polizei und Feuerwehr in ein Gebäude am Kanal in Hamm-Bossendorf eingedrungen, das er als Lagerstätte und Wochenenddomizil nutzt. „Die haben hier gehaust wie die Vandalen“, sagt er.

Sievers lebt eigentlich in Gelsenkirchen. Er arbeitet für das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg als Brunnenkontrolleur. Das Gebäude am Bossendorfer Weg gehört ebenfalls seinem Arbeitgeber. „Es ist ein ehemaliges Betriebsgebäude, in dem früher eine Schlosserei und ein Büro untergebracht waren“, sagt Ralf Sievers.

Türen wurden gewaltsam geöffnet

Heute hat er hier einige Motorräder und Autos abgestellt, Sievers hat früher auch in einer Motorradwerkstatt gearbeitet. Das ehemalige Büro hat er zum Wohnraum umfunktioniert, unterm Dach eine Schlafgelegenheit geschaffen. Einige Bereiche der Wohnung sind allerdings mit einer Vielzahl von Gegenständen zugestellt.

„In der Woche muss ich mich um meinen Vater kümmern. Die Wochenenden verbringe ich oft hier“, sagt er. Was am Sonntagnachmittag geschehen ist, kann Ralf Siervers nicht nachvollziehen. Er wurde von einem Nachbarn verständigt, dass Polizisten auf seinem Grundstück seien. Die Türen seien gewaltsam geöffnet worden.

„Angeblich haben sie nach einer Leiche gesucht“, sagt Sievers. Als er am frühen Abend eintrifft, findet er gewaltsam aufgebrochene Türen und ein eingeschlagenes Fenster vor. Im Innenraum wurden Türrahmen teilweise komplett abgerissen.

Die Tür zur Werkstatt wurde aufgebrochen, ebenso die Eingangstüren des Hauses.

Die Tür zur Werkstatt wurde aufgebrochen, ebenso die Eingangstüren des Hauses. © Jürgen Wolter

„Die müssen über die Motorhaube eines Autos im Schuppen gestiegen sein, denn die weist jetzt Beulen auf“, sagt Ralf Sievers. Er habe außerdem Kratzspuren an einem Motorrad festgestellt, ein Stapel mit Brennholz sei umgerissen worden.

Die Polizei Recklinghausen bestätigt einen Einsatz auf dem Grundstück am Sonntag gegen 15.30 Uhr. „Zeugen hatten einen starken Verwesungsgeruch gemeldet, deshalb waren unsere Beamten vor Ort“, bestätigt Polizeisprecher Andreas Lesch. Auch Feuerwehrleute waren am Sonntag vor Ort.

Verstorbene Person im Gebäude vermutet

„Bei einer solchen verdächtigen Feststellung wie dem starken Geruch müssen wir davon ausgehen, dass sich möglicherweise eine verstorbene Person in dem Gebäude befindet. Wenn niemand öffnet, müssen wir nachsehen und uns notfalls Zutritt zum Gebäude verschaffen“, so der Polizeisprecher.

Der Geruch sei auf das Aufbringen von Gülle zurückzuführen gewesen, das die Bauern im Umfeld durchgeführt hätten, sagt Ralf Sievers. „Wenn sie den Güllegeruch nicht von Leichengeruch unterscheiden können, dann tun sie mir leid.“

Auch die Schuppentür wurde aufgebrochen.

Auch die Schuppentür wurde aufgebrochen. © Jürgen Wolter

„Mein Nachbar hätte mich telefonisch verständigen können, ich wäre in einer halben Stunde da gewesen“, sagt Ralf Sievers. „Aber so lange wollten die wohl nicht warten.“

Ralf Sievers hat einen Anwalt eingeschaltet. „Auch das Wasser- und Schifffahrtsamt ist involviert, die werden sich noch mit der Polizei in Verbindung setzen“. Er fragt sich, wer die Kosten unter anderem für die Instandsetzung der Türen tragen wird. „Als ich hier um halb acht ankam, standen alle Türen offen. Was die hier gemacht haben, steht in keinem Verhältnis zum Anlass.“

In einer ersten Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass die Polizei die Türen geöffnet hat. Allerdings hat nicht die Polizei das Gebäude geöffnet, sondern die Feuerwehr.
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