Halterns Kulturszene ist vielfältig. In der Rubrik „Kulturecke“ geben wir lokalen Künstlern, Bands und Musikvereinen eine Plattform. Heute: Autor und Poetry Slammer Stephan Sandkühler.

Haltern

, 27.10.2020, 06:00 Uhr

„Ihr werdet in eurem Leben noch eine Menge lernen. Dinge, die euch gefallen und Dinge die euch weniger gefallen. ... Seid offen für alles was euch im Leben begegnet. Nehmt es an und lasst euch darauf ein.“ Dieses Zitat aus dem Kinderbuch „Lenni und das Geheimnis eines Sommers“ gibt Stephan Sandkühlers neugierige Lebensdevise wieder. Mit Kindergeschichten und Kinderbüchern hat bei dem 50-Jährigen alles angefangen.

„Ich hatte schon immer ein Faible für das aneinanderreihen von Worten“, sagt er. Abseits seines mathematisch technischen Berufs habe er früh ein Ventil gesucht, um seinen Kopf frei zu bekommen. Nach dem ersten Kinderbuch, folgte bald das zweite (Anm. d. Red. „Lenni und das Geheimnis eines Sommers“) und damit verbunden das gleichnamige Kindermusical in Zusammenarbeit mit dem Lehrer und Komponisten Stefan Cordes. „Damit hat irgendwie alles angefangen,“ blickt Stephan Sandkühler zurück.

Erster Roman erschien 2016

Es mehrten sich die Anfragen nach weiteren Projekten und Geschichten. Mit den neuen Geschichten änderte sich auch die Altersstruktur seiner Erzählungen. „Meine Geschichten waren eigentlich nie klassisch nur für Kinder gedacht. Jeder, der in seinem Herzen jung geblieben ist, kann etwas mit den Botschaften und Erzählungen in den Geschichten anfangen.“ Und so erschien 2016 in Zusammenarbeit mit dem Künstler Thorsten Dunkel sein erster Roman für Erwachsene. „Toskana, rotweiß“ ein Roman über Liebe, Träume und Sehnsüchte zwischen dem Ruhrgebiet und den Hügeln der Toskana.

2017 änderte Stephan Sandkühler einige Dinge in seinem Leben. Seine Liebe zum Schreiben änderte sich aber nicht. Ermutigt durch seine bessere Hälfte betrat er vorsichtig die Bretter der Poetry Bühnen. „Das Poetry Format hatte mich schon immer gereizt. Ich hatte im Laufe der Zeit so viele unterschiedliche Texte verfasst, so viele Geschichten, die einfach nur in der Schublade oder auf dem Datenstick dahinvegetierten. Beim Poetry Slam bekam ich die Möglichkeit meine Gedanken und Worte anderen mitzuteilen.“

Auf der Bühne fühlt sich der 50-Jährige wohl.

Auf der Bühne fühlt sich der 50-Jährige wohl. © privat

Beim „Verbalknotenpunkt“ in der Kanalstadt Datteln stellte er sich das erste Mal auf eine Palette und vor ein Mikrofon. Ein selbstgeschriebener Text, keine Verkleidung und ein Zeitlimit von sechs Minuten, mehr Regeln gibt es bei einem Poetry Slam nicht. Sandkühler hatte Feuer gefangen und durch die neuen Kontakte in der Szene wurden ihm schnell Möglichkeiten geboten auf den Poetry Bühnen des Ruhrgebietes Erfahrungen zu sammeln. „Ich hatte das große Glück mit Christofer Rott, Poetry Slammer und Wortkünstler, auf einen Menschen zu treffen, mit dem mich sofort eine große Sympathie verband. Er nahm mich ein Stück weit an die Hand, öffnete einige Türen und gibt auch heute immer noch ein faires Feedback zu meinen Texten.“

Seele befreien und Worte herausschleudern

Seine Geschichten erzählen vom Alltag, von Menschen, von Liebe, von Nähe und Ferne. Seine Affinität zum Ruhrgebiet kann er dabei nie ganz verbergen. Er tingelt über die Bühnen Nordrhein-Westfalens. Von Brilon bis Wuppertal, von Lippstadt bis Duisburg. Überall ist er ein gern gesehener Gast, bei dem das Wort im Mittelpunkt steht und nicht das Streben nach dem Slam-Sieg. „Das geniale an einem Poetry Slam ist doch, dass ich mich einfach sechs Minuten auf die Bühne stellen kann und den Menschen meine Gedanken und mein Inneres erzählen darf. Ich kann meine Seele befreien und die Worte herausschleudern.“

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2019 zählte sein Kalender über 40 Auftritte. Zusätzlich wandte sich Niko Milis, Betreiber des Saloon Haltern am See, an Stephan Sandkühler, mit der Idee in seinen Räumlichkeiten einen Kneipen Slam zu etablieren. Der Kneipen Slam unterscheidet sich ein Stück weit von einer Poetry Veranstaltung in einem klassischen Theater. Daher sahen Milis und Sandkühler keinen Konflikt mit ähnlichen Veranstaltungen in Haltern am See. Und so führt das Moderatoren-Duo Jeremy und Stephan Sandkühler im dreimonatigen Rhythmus mit Humor und Authentizität durch die Kneipen Slam Abende.

„Ohne Kunst wird`s still“

Als Anfang 2020 das Coronavirus ausbrach, traf es neben vielen anderen Bereichen besonders die Kleinkunstszene. „Man hat versucht über Online-Veranstaltungen und Streaming-Wettbewerbe Kunst und Kultur am Leben zu halten,“ schildert Sandkühler, „Aber das ist nicht vergleichbar. Der Künstler braucht das Publikum, als unmittelbaren Indikator für seine Vorstellung.“

Nur sehr zögerlich und verbunden mit großen Auflagen finden wieder Poetry Veranstaltungen statt. Die Angst vor dem Virus und die Angst vor den Folgen der zweiten Welle sei gerade im Kleinkunstgewerbe spürbar, so Sandkühler. „Aufgeben ist aber nicht. Wir müssen die Herausforderung annehmen. Ohne Kunst wird’s still.“

Wer Stephan Sandkühler nicht nur hören, sondern auch lesen will, der darf sich jedes Jahr auf seine kleine Weihnachtsgeschichte in Form eines kleinen Büchleins freuen. „Das ist eine Sache, die habe ich mir bewahrt.“ Mehr Infos unter:

www.sandisgeschichten.de.

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