Plattdeutsch-Sprecher für Dialekt-Atlas in Haltern gesucht

dzUni-Projekt

Für ein großangelegtes Uni-Projekt werden Menschen gesucht, die Platt sprechen. Forscher wollen die Variationen der Sprache in NRW dokumentieren. In Haltern stehen die Ortsteile im Fokus.

Haltern

, 30.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viele Äpfel liegen da auf dem Tisch? Fünnef, fief, fäif, fünne ... Wie man das Wort „fünf“ auf Platt oder in einem regionalen Dialekt ausspricht, kann sich schon innerhalb weniger Kilometer unterscheiden.

Diese Feinheiten und Unterschiede aufzuspüren und festzuhalten, ist Aufgabe des Projekts „Dialektatlas Mittleres Westdeutschland“. Vier NRW-Universitäten (Münster, Bonn, Siegen und Paderborn) arbeiten zusammen, um eine große digitale Kartierung des Plattdeutschen und anderer Sprachen beziehungsweise Dialekte zu erstellen.

Digital und dynamisch

Ähnliche Projekte gab es schon in anderen Regionen. Für NRW ist das das erste in dieser Größenordnung. Dafür wollen die Forscher insgesamt 3000 Personen an 1000 Orten in ganz NRW befragen. Das ganze Projekt soll digital abrufbar sein und ortspezifisch mit Hörbeispielen der jeweiligen Sprache oder Sprachfärbung hinterlegt werden.

Halterner Ortsteile sind besonders interessant für Forscher

„Wir wollen uns durch den Raum hören“, sagt Lisa Glaremin. Sie ist eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, die an dieser großangelegten, auf insgesamt 17 Jahre angelegten Studie arbeiten. 145 Interviews hat die Doktorandin der Sprachwissenschaft bereits durchgeführt. Jetzt sucht sie geeignete Interviewpartner in Haltern: „Dabei interessieren uns die Ortsteile Lavesum, Sythen, Holtwick, Bergbossendorf, Hamm, Flaesheim, Hullern, Lippramsdorf und Kusenhorst.“

Die plattdeutsch sprechenden Bürger sollen aus zwei Altersgruppen kommen: Einmal über 70 Jahre, und einmal zwischen 30 und 45 Jahre alt sein. „Wegen Corona werden wir zeitlich zunächst die Jüngeren befragen“, so Lisa Glaremin. Die Termine mit den Ü-70-Jährigen seien für den Herbst geplant. Sie könnten sich zwecks Absprache aber bereits jetzt melden.

Lisa Glaremin, Sprachwissenschaftlerin und Doktorandin an der Universität Bonn, ist eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Projektes.

Lisa Glaremin, Sprachwissenschaftlerin und Doktorandin an der Universität Bonn, ist eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Projektes. © privat

Die Frage mit den Äpfeln ist eine der Beispielfragen aus dem Erhebungsbogen, den die Mitarbeiter mit den Probanden durchgehen. Ihnen werden Bilder von Objekten gezeigt, die sie in ihrem Platt oder Dialekt benennen sollen. Auch ganze Sätze können übersetzt werden. Es sei erstaunlich, wie simultan die Menschen mitsprechen würden, sagt Lisa Glaremin beeindruckt. „Ich spreche selbst kein Platt, verstehe es aber ganz gut“, so die Wissenschaftlerin.

Mit einem Audio-Gerät werden die plattdeutschen Worte aufgezeichnet, um sie später per Computer in den digitalen Atlas einzufügen. Die einzelnen Sprecher werden dabei nicht persönlich identifizierbar sein.

Dialektatlas Mittleres Westdeutschland

Voraussetzungen für die Teilnahme

  • Altersgruppe 1: mindestens 70 Jahre alt, seit der Geburt ortsansässig im Heimatort und mindestens ein Elternteil stammt ebenfalls aus dem Heimatort.
  • Altersgruppe 2: möglichst zwischen ca. 30 und 45 Jahre alt, von Geburt an bis mindestens zum 16. Lebensjahr am Heimatort ansässig und mindestens ein Elternteil stammt ebenfalls aus dem Heimatort oder der näheren Umgebung (Umkreis von 20 km).
  • Kontakt: Lisa Glaremin, Tel. 0228/737983 oder glaremin@uni-bonn.de
Weitere Infos unter www.dmw-projekt.de

Lisa Glaremin hofft auf eine rege Teilnahme aus den Ortsteilen. Sie betont, dass es nicht darum ginge, alle Worte perfekt übersetzen zu können. „Die Teilnehmer sollen sich explizit nicht auf das Interview vorbereiten.“ Wenn sie etwas nicht wüssten, sei das auch völlig ok.

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