Pfarrhaus-Prozess: Verschwundene Kirchenbücher bremsen bis heute Hochzeitspaare

dzLandgericht Bochum

Im „Pfarrhaus-Prozess“ gegen drei mutmaßliche Serieneinbrecher stand nun der aus kirchlicher Sicht wohl folgenschwerste Fall im Fokus. Die Beute hat bis heute Auswirkungen auf Hochzeitpaare.

Bochum/Haltern/Dortmund/Castrop-Rauxel

, 21.06.2019, 13:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Vernehmung einer Pfarrsekretärin ist am Freitag am Bochumer Landgericht der Pfarrhaus-Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Haltern, Dortmund und Castrop-Rauxel fortgesetzt worden. „Das Allerallerschlimmste für uns war, dass die Kirchenbücher weggekommen sind“, erinnerte sich die 66-jährige Zeugin.

Es war der 11. März 2018, als auch im Pfarrhaus der St.-Amandus-Gemeinde in Datteln eingebrochen worden war, als der Pfarrer gerade die Messe gehalten hatte. Nach der Rückkehr in seine Wohnung hatte der Geistliche Einbruchspuren entdeckt und die Polizei alarmiert.

Das ganze Ausmaß des Einbruch-Diebstahls wurde erst deutlich, als bemerkt worden war, dass die Täter einen Schranktresor hatten mitgehen lassen. Vor allem der Verlust der darin deponierten Kirchenbücher mit Ehe-, Sterbe- und Taufregister bereiten der Gemeinde bis heute Sorgen und Schwierigkeiten.

Sterbe-, Ehe- und Taufregister gestohlen

„Die Einbrecher konnten damit doch bestimmt gar nichts anfangen, für uns war das aber ein wahnsinniger Verlust“, sagte die Pfarrsekretärin am Freitag als Zeugin. Außerdem waren laut Anklage fast 3000 Euro Bargeld, zahlreiche wichtige Schlüssel, ein Sparbuch und drei EC-Karten in dem Tresor abgelegt gewesen.

Der Verlust des Ehe- und Taufregisters in bestimmten Jahrgängen hat nach Angaben der Zeugin bis heute große Auswirkungen und bedeutet vor allem für Hochzeitspaare mitunter immensen Mehraufwand.

Weil beispielsweise vor jeder Trauung ein Auszug aus dem Taufregister erforderlich sei, dieses aber nun gerade ab dem Jahrgang 1992 verschwunden sei, der aktuell durchaus das heiratsfähige Alter betreffe, müsse jetzt unter enormen Mehraufwand jedes Mal das Generalvikariat eingeschaltet werden, um eine Bescheinigung ausstellen zu können. Fakt ist: Die Kirchenbücher sind bis heute verschwunden.

Angeklagte schweigen

Dem im Prozess schweigenden Trio aus Gelsenkirchen werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. In Haltern war am 4. Februar 2018 im Pfarrhaus von St. Sixtus der dort anwesende Pater James attackiert, gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt worden. In Dortmund war ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus angegriffen worden. In Castrop-Rauxel hatten die Täter im Pfarrhaus der St.-Lambertus-Gemeinde abgeräumt.

Die Bochumer Richter hatten den Angeklagten zuletzt selbst bei Geständnissen teilweise empfindliche Gefängnisstrafen von bis zu elfeinhalb Jahren signalisiert. Die Angeklagten hatten danach weiter geschwiegen, so dass die Beweisaufnahme ungehindert weitergeht. Stand jetzt sind noch Verhandlungstermine bis zum 26. September 2019 anberaumt.

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