Öffnung der Truppenübungsplätze in Haltern: Pläne geraten ins Stocken

dzBorkenberge und Lavesum

Große Teile der ehemaligen Truppenübungsplätze in Haltern sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Jetzt informierte der Eigentümer über den aktuellen Planungsstand.

Haltern

, 24.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Riesige Heide- und Moorflächen, Sümpfe und lichte Wälder, bunte Wiesen, auf denen Wisente, Wildpferde und Rotwild weiden - ein solches Bild von „Westfalens Wildem Westen“ hatten Naturschützer im Jahr 2015 entworfen. Die britische Rheinarmee hatte den ehemaligen Truppenübungsplatz Borkenberge verlassen. 2016 wurde er der DBU Naturerbe GmbH, einer Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, übertragen. Das 1570 Hektar große Gelände, das als FFH-Gebiet und EU-Vogelschutzgebiet unter höchstem europäischen Naturschutz steht, sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ebenso wie die 350 Hektar große Teilfläche auf dem Truppenübungsplatz in Lavesum (Weißes Venn/Geisheide), dessen Eigentümer ebenfalls die Naturerbe GmbH ist. Die Pläne sind allerdings ins Stocken geraten.

Entwicklungspläne erforderlich

„Für unsere insgesamt 71 Flächen entwickelt unser Planungsteam sogenannte Naturerbe-Entwicklungspläne, die die Maßnahmenumsetzungen der kommenden zehn Jahre festlegen“, erklärte Naturerbe-Sprecherin Katja Behrendt auf Anfrage. Für die gesamte Fläche werde eine Biotoptypenkartierung zur Analyse der Lebensräume erstellt.

Naturerbe GmbH

Zuständig für 70.000 Hektar in ganz Deutschland

Die gemeinnützige Naturerbe-Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sichert 71 großräumige Liegenschaften langfristig für den Naturschutz. Es geht um rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Bei den Naturerbeflächen handelt es sich überwiegend um ehemalige Militärübungsplätze.

Experten arbeiten zudem derzeit noch an einer Brutvogelkartierung. Auch der Baumbestand wird genauestens untersucht. „Diese sogenannte Forsteinrichtung haben wir noch gar nicht beauftragt“, informierte Behrendt.

Konkrete Planungen nicht vor 2021

Erst wenn sämtliche Grundlagendaten vorliegen, könne konkret geplant werden, machte die Sprecherin deutlich. Erst dann auch könnten die zuständigen Behörden in die Überlegungen einbezogen werden. Frühestens im nächsten Jahr sei damit zu rechnen.

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Grundsätzlich sei man offen für die Wildwest-Idee der Biologischen Stationen der Kreise Coesfeld, Recklinghausen und Borken. „Man muss aber sehen, ob so etwas überhaupt in den Borkenbergen geht“, gab Katja Behrendt zu bedenken. Auch die in Aussicht gestellte Öffnung von Wegen sowie eine Aussichtsplattform für Besucher der Borkenberge seien nur dann möglich, „wenn das mit dem Naturschutz zu vereinbaren ist“. Nicht zuletzt seien die Böden mit Munition belastet.

Flächen für Weidetiere müssten verpachtet werden

„Grundsätzlich halten wir eine Beweidung für die Offenlandpflege auch mit Großtieren für eine Option“, erklärte die Naturerbe-Sprecherin weiter. Dafür seien beispielsweise Heckrinder, Esel, schottische Hochlandrinder, Przewalski-Pferde oder Wasserbüffel denkbar. Auch Schafe und Ziegen. Die entsprechenden Flächen für eine derartige Nutzung will die Naturerbe GmbH verpachten. „Daher müssen wir bei der Planung auch berücksichtigen, welche Tierhalter in der Region überhaupt zur Verfügung stehen.“

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Zwei Strecken in den Borkenbergen wurden bereits für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Derzeit kann das Gelände auf asphaltierter Straße von Sythen bis kurz vor Seppenrade durchquert werden. Die nördliche Ringstraße war im Oktober 2018 geöffnet worden.

„Der Prozess zur Öffnung läuft“

„Nur das, was man kennt, schützt man auch gerne“, meint Katja Behrendt. Deswegen nimmt die DBU auch das Gelände in Lavesum ins Visier. „Auch im Lavesumer Bruch würden wir gerne Wege für Fußgänger und Radfahrer öffnen.“ Aufgrund der Kampfmittelbelastung und zum Schutz von hochwertiger Tier- und Pflanzenwelt des Nationalen Naturerbes seien aber noch „verschiedene Punkte mit den für Verkehrssicherheit und Naturschutz zuständigen Behörden“ abzustimmen. Auch müssten gegebenenfalls noch Maßnahmen für die Sicherheit der Besucher ergriffen werden.

Ursprünglich hatte die DBU gemeinsam mit der Bezirksregierung Münster und der Bundesanstalt für Immobilienaufganben (BimA) das Ende des ersten Quartals 2020 für eine mögliche Öffnung der asphaltierten Panzerstraße in Lavesum ins Auge gefasst. „Der Prozess läuft“, verspricht die DBU Naturerbe GmbH. Auf einen festen Zeitpunkt, ab dem auch im Weißen Venn geradelt oder gewandert werden darf, will sich aber niemand festlegen lassen.

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