Das Dach des Seniorenzentrums Kahrstege in Haltern ist begrünt - ein wichtiger Beitrag zur Klimaanpassung. © Hans Blossey
Klimawandel

Nur wenige Häuser in Haltern sind begrünt – mehr „Bewusstsein“ gefordert

Ein Gründachkataster soll zur Begrünung von Hausdächern und Gewerbebetrieben animieren. „Haltern liegt hier weit zurück“, sagt ein Experte. Das Bewusstsein für den Klimawandel sei wenig ausgeprägt.

Grüne Dächer und Fassaden sorgen für gutes Klima: Mit dem „Gründachkataster“ des Landesumweltamts (LANUV) will die Landesregierung der Dachbegrünung einen Schub verleihen. Nach Erkenntnissen des Landes ergibt sich auf nordrhein-westfälischen Dächern für die Dachbegrünung ein Gesamtpotenzial von über 400 Quadratmetern Grünfläche – das entspricht der Fläche der Stadt Köln. Nach Auffassung des Landes wäre auch in Haltern einiges zu machen.

Umfassende Informationen zu einem bestimmten Objekt

Eigentümer, Architekten und Stadtplaner können mithilfe des Gründachkatasters – im Internet unter www.gruendachkataster.nrw.de – abschätzen, ob bestimmte Dächer für eine Begrünung geeignet sind. Zugleich werden unter anderem das Regenrückhalte-, das CO2- oder das Staubbindevermögen des Daches adressscharf angezeigt. Selbst an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Pflanzlisten sind hinterlegt. Und auch die anfallenden Kosten für die Maßnahme werden angegeben. Einzig die statische Eignung muss individuell geprüft werden.

Guido Venhoff sieht hinsichtlich des vorhandenen Grüns in der Stadt noch großen Handlungsbedarf. © privat © privat

Beim Blick auf die Seestadt fallen viele kleine und größere bis große Flächen auf, die für eine Dachbegrünung geeignet sind. Die Gewerbegebiete stechen dabei besonders hervor.

„Hier sind nur wenige Dächer begrünt“

Der Lippramsdorfer Garten- und Landschaftsbauer Guido Venhoff ist auch Fachmann für die Begrünung von Dächern. In Haltern sei so etwas auf sehr vielen Flächen möglich, bestätigt er. Und auch dringend erforderlich. „Hier sind nur sehr wenige Dächer begrünt“, weiß er.

Auch in Haltern-Mitte gibt es laut Gründachkataster Möglichkeiten zur Dachbegrünung. © Lanuv © Lanuv

Guido Venhoff ist seit mehr als 30 Jahren im Garten- und Landschaftsbau tätig. Es gebe einen Trend „zum Garten und allem, was mit Grün zu tun hat“ seit dem vergangenen Jahr, als Corona begann. „In allen Bereichen stiegen die Umsätze um zehn Prozent.“ Und auch jetzt seien die Auftragsbücher noch voll, man komme kaum hinterher. Einen Trend zur Dachbegrünung kann Guido Venhoff aber nicht feststellen. „Im Zusammenhang mit dem Klimawandel und Maßnahmen der Klimaanpassung muss es noch einen Bewusstseinswandel geben“, sagt er.

Nur wenige Aufträge für Dachbegrünungen

Gerade in den Gewerbegebieten sieht der Experte großes Potenzial. „Grüne Fassaden und Dächer, weniger versiegelte Flächen – das setzen nur drei von 15 Betrieben um“, meint er. Der Lippramsdorfer Unternehmer hat auch viele Grünflächen bei den vieldiskutierten „Klotzbauten“ angelegt. Ein ausgeprägtes Bewusstsein hinsichtlich der Bedeutung des Grüns vermisst er bei Architekten und Planern oft. Auch bei Hausbesitzern sei der „grüne Daumen“ nicht immer ausgeprägt – „das liegt im unteren zweistelligen Bereich“. Aufträge für Begrünungen von Dächern oder Garagen seien noch viel seltener – drei bis vier Mal pro Jahr rückt Guido Venhoff dafür mit seinem Team aus. „Und dabei ist das Grün so wichtig.“

Klima- und tierfreundlich, dazu deutlich langlebiger

Ein ausgeglicheneres Klima sei mithilfe von grünen Dächern und Fassaden möglich. Hitze werde erträglicher, Starkregen besser abgefedert, das Raumklima zudem verbessert. „Tiere und Pflanzen erhalten Lebensräume“, fügt Guido Venhoff noch hinzu. Und für die Besitzer der betreffenden Dächer rechne sich eine Begrünung eben auch.

Möglichkeiten der Förderung und Beratung

  • Die Stadt Haltern selbst stellt keine Fördermittel für die Begrünung von Dächern bereit.
  • Eine Förderung von Einzelmaßnahmen ist demnach aber bis 30. Juni durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) möglich (Programm „Energieeffizient Sanieren“), ab dem 1. Juli 21 dann über die neue Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG). Nähere Infos dazu gibt es auf der Seite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unter www.bafa.de.
  • Der Bundesverband Gebäude-Grün hat auf seiner Internetseite (www.gebaeudegruen.info) Informationen zur Förderung bereitgestellt.
  • Zudem gibt es dort Broschüren und Arbeitshilfen zur Einführung in die Dachbegrünung, zur Kombination mit Solaranlagen, zur Pflanzenauswahl und zur Pflege und Wartung des Gründachs.

Denn die Dachabdichtung oder Folie begrünter Dächer, die übrigens wurzelfest sein muss, lebe dreimal länger als eine herkömmliche. Schließlich sei sie den Einflüssen von Sonne, Wind und Regen sowie extremen Temperaturen weniger ausgesetzt. Und die Kosten? Guido Venhoff geht von 30 Euro pro Quadratmeter aus – bei korrekter Dachabdichtung und extensiver Begrünung. Diese sei sehr pflegearm. Die anspruchsarmen Pflanzen kämen dabei mit geringsten Mengen an Erde, Wasser und Nährstoffen zurecht.

In Gewerbegebieten sind besonders große Dachflächen, die sich zur Begrünung eignen, auszumachen. Auch die Flachdächer im Wohngebiet zwischen Stadtmühlenbucht und Hellweg eignen sich hervorragend. © Lanuv © Lanuv

40 bis 50 Prozent des Regenwassers halten die Dachpflanzen nach Auffassung des Gartenbauers zurück. Das entlaste die Kanalisation ungemein. „Es müssen aber mehr begrünte Häuser sein, damit sich das bemerkbar macht.“ Guido Venhoff ist Garten- und Landschaftsbauer aus Berufung, wie er sagt. Eines wünscht er sich besonders: „Mehr Wertschätzung für Pflanzen und Umwelt“.

Hitzestress in der Stadt
  • Zunehmender Hitzestress in Ballungsräumen ist eine Folge des Klimawandels. Gerade in vielen städtischen Bereichen ist durch die starke Verdichtung und hohe Versiegelung bereits heute ein deutlicher Wärmeinseleffekt nachweisbar. Die Anzahl an Sommertagen (>25 Grad) beziehungsweise Hitzetagen (>30 Grad) hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Ebenso können in Zukunft Starkregenereignisse und urbane Sturzfluten häufiger und intensiver auftreten.
  • Mit mehr Grünflächen in den stark versiegelten Innenstädten kann höheren Temperaturen vorgebeugt werden. So können unter anderem Dachflächen durch eine Begrünung einen wichtigen Beitrag leisten.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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