Gelsenwasser AG

Niedrige Grundwasserstände: Gelsenwasser fordert Strategie für Dürrezeiten

Ein warmes Jahr, ein hoher Trinkwasserbedarf, wenig Niederschläge und daraus resultierende niedrige Grundwasserbestände haben die Arbeit der Gelsenwasser AG im vergangenen Jahr geprägt.
Den Talsperren Haltern (Stausee/Bild) und Hullern kommt bei der Trinkwassergewinnung der Gelsenwasser AG große Bedeutung zu. © www.blossey.eu

Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser war im vergangenen Jahr zu jeder Zeit sichergestellt – auch, wenn 2020 das wärmste Jahr in NRW seit dem Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen 1881 gewesen sei. Das hat die Gelsenwasser AG am Mittwoch auf ihrer Hauptversammlung mitgeteilt.

Bei der wasserwirtschaftlichen Bilanz wurde an die lang anhaltende Trockenheitsphase in den Frühjahrs- und Sommermonaten zum dritten Mal in Folge erinnert. Insbesondere der August habe die Wasserversorgung in NRW erneut gefordert, hieß es.

Im Frühjahr hätten ergiebige Niederschläge die Oberflächengewässer und Talsperren noch gut gefüllt. So sei im Februar 2020 an der Messstation Haltern mehr als das Dreifache der sonst üblichen Regenmenge gefallen. Wie in den beiden Vorjahren auch habe dann von April bis September eine ausgeprägte Trockenphase vorgeherrscht. Im Wasserwirtschaftsjahr 2020 sei insgesamt mit 734 Liter pro Quadratmeter nur eine unterdurchschnittliche Regenmenge (Mittelwert 771 Liter pro Quadratmeter) zu verzeichnen, erklärte Gelsenwasser.

„Für Grundwasser und Böden reichten die Niederschläge im letzten Jahr abermals nicht aus. Die Grundwasserstände bewegen sich weiterhin auf einem allgemein niedrigen Niveau“, sagte Vorstandsvorsitzender Henning R. Deters auf der virtuellen Versammlung. Für das Jahr 2020 ist nach Angaben des Wasserversorgers keine durchgreifende Erholung festzustellen.

Klar sei, dass eine Strategie bei der Trinkwasserversorgung und klare politische Vorgaben für den Fall von Nutzungskonflikten in Dürrezeiten immer notwendiger würden, betonte Deters.

Hoher Wasserbedarf im August 2020

Der außergewöhnlich warme August im vergangenen Jahr habe zu einem hohen Wasserbedarf bei Tarif- und Großkunden geführt. Auch der Urlaub daheim in Pandemie-Zeiten habe dazu beigetragen. Mit 136 Litern Wasser pro Kopf und Tag habe der Bedarf sogar über dem Niveau der beiden Vorjahre gelegen.

Spitzentag war hier der 6. August mit einer Tagessumme von 355.777 Kubikmetern Trinkwasser allein im Wasserwerk Haltern. Die gesamte abgegebene Trinkwassermenge 2020 lag mit 98,94 Millionen Kubikmetern etwas höher als 2019.

2,6 Millionen Kubikmeter Kanalwasser innerhalb von vier Wochen

Da bei Gelsenwasser der Oberflächenwasseranteil an der Trinkwassergewinnung vergleichsweise hoch ist, kommt dem Niedrigwassermanagement in den Talsperren Haltern und Hullern und in den Talsperren des Ruhrverbands besondere Bedeutung zu.

Im Zulauf zur Talsperre Haltern wurden die niedrigen Abflussmengen in der Stever durch Einspeisung von Kanalwasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal ergänzt. Von Anfang August bis Anfang September 2020 wurden insgesamt rund 2,6 Millionen Kubikmeter Kanalwasser übergeleitet – mit Tagesmengen zwischen 43.000 und 200.000 Kubikmetern. Im Vorjahr waren es noch insgesamt rund 5,8 Millionen gewesen.

Auch das aktuelle Wasserwirtschaftsjahr 2021 sei mit wenig Niederschlag im November 2020 gestartet. Wie die Gelsenwasser AG mitteilte, konnten die Regenmengen in den darauffolgenden Monaten dieses Defizit allerdings nahezu ausgleichen, „so dass es bislang ein fast durchschnittliches Wasserwirtschaftsjahr war“.

Zahlen und Fakten

  • 2020 erreichte das Konzernergebnis 94,7 Millionen Euro und lag damit unter dem von Sondereffekten getriebenen Jahresüberschuss 2019 (118,4 Mio. Euro).
  • Der Wasserabsatz blieb mit 235,4 Millionen Kubikmeter fast konstant (- 0,7 Prozent). Die geringere Nachfrage der Industrie (- 6,7 %) wurde durch eine verstärkte Abgabe an Haushalte (+4,6 %) und im Wiederverkauf an andere Versorgungsunternehmen (+1,6 %) nahezu ausgeglichen.
  • Der Gasabsatz stieg um 13,5 Prozent auf 85,6 Terrawattstunden.
  • Beim Stromabsatz verzeichnete Gelsenwasser einen Anstieg um 21,5 Prozent auf 3,1 Terrawattstunden.

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