Marlies und Günter van Buer haben wenig Verständnis für den erneuten Lockdown. © Niklas Berkel
Mit Video

Neuer Lockdown: Halterner Einzelhändler zwischen Wut und Einverständnis

Gerade hat das Termin-Shopping begonnen, nun ist es damit schon wieder vorbei. Halterner Geschäftsleute reagieren auf die Vollbremsung wegen hoher Corona-Inzidenzwerte gelassen und gereizt. Mit Video.

Christiane Schroer hat gerade ihr neues Geschäft „Shoes and more“ an der Muttergottesstiege eröffnet. Sie hat es nach Herzenslust schön eingerichtet und bietet hier neben modischen Komfortschuhen auch Taschen, Schmuck und mehr aus Familienmanufakturen und Naturmaterialien an. Nach einem langen Lockdown freute sie sich, dank der Idee von „Click and Meet“ das Geschäft als zweites Standbein neben dem Haupthaus (Schuhhaus Schämann) an der Weseler Straße ankurbeln zu können.

„Ich genieße es, dank Terminvergabe Zeit für die Kunden zu haben und die wiederum freuen sich, weil ich ihnen viel mehr Aufmerksamkeit schenken kann“, sagt Christiane Schroer. Aber damit ist jetzt schon wieder Schluss. Spätestens ab Montag bleiben zum wiederholten Male alle Läden in der Innenstadt zu. Wohl dem, der einen Online-Handel wie Christiane Schroer hat.

Christiane Schroer hat gerade ihr neues Geschäft „Shoes and more“ an der Muttergottesstiege eröffnet. © Schrief © Schrief

Die Reaktionen auf die von der Bund-Länder-Konferenz beschlossene Notbremsung wegen steigender Corona-Inzidenzwerte sind durchaus geteilt. Judith Döbber vom Möbelhaus Döbber bestätigt, dass Einkaufen nach Terminvereinbarung wunderbar funktioniert hat. „Aber ich ärgere mich nun nicht, es gibt keinen anderen Weg“, sagt sie.

Die letzte Öffnung vor 16 Tagen sei einfach zu früh gekommen. Ihr sei von Anfang an klar gewesen, dass über kurz oder lang wieder ein Lockdown verhängt werden würde. Aber sie sagt auch, ihr fehle einfach eine nachhaltige Strategie und so steuere der Handel erneut in eine maximal unerfreuliche Situation.

Kunden ärgern sich über mangelndes Abstandhalten

Ein Ehepaar aus Dülmen, das gerade durch das Möbelhaus bummelt, tut das ganz entspannt. „Wir finden es gut, die Anzahl der Kunden durch Click and Meet zu begrenzen, so fühlen wir uns sicher.“ Dass solch ein Einkaufsbummel nun nicht mehr möglich ist, akzeptieren sie. „Wir wünschen uns zwar Freiheiten, aber was nutzen sie, wenn alle krank werden.“ Das Ehepaar, das nicht mit Namen genannt werden will, ärgert sich über mangelndes Abstandhalten zum Beispiel in Supermärkten. „Vielen Menschen scheint der Ernst der Lage einfach nicht bewusst zu sein.“

Carolin Marquardt ist Mitarbeiterin im Möbelhaus Döbber. Auch hier schließen sich wieder die Türen. © Niklas Berkel © Niklas Berkel

So viel Toleranz und Gelassenheit ist nicht überall. Ein Einzelhändler, der aber schon an der Tür die Bitte um eine Stellungnahme abwinkt, mag seine Wut nicht an sich halten. Die Politik fahre den mittelständischen Handel vor die Wand. Niemand kümmere sich ernsthaft um die Sorgen der Kaufleute.

Einzelhändler fühlen sich als Bauernopfern

Marlies und Günter van Buer sammeln sich, um Haltung zu bewahren. Sie gehören zu den scharfen Kritikern. „Alle dürfen nach Mallorca fliegen, aber wir in dieser Kleinstadt keinen Handel betreiben!“ In ihrem Modegeschäft sind die geforderten Hygieneschutz-Maßnahmen voll erfüllt, es gibt überhaupt nichts zu beanstanden. 40 Quadratmeter, ein Kunde: Da kommt sich niemand in die Quere.

„Wir ignorieren ja nicht die Krise“, sagt Marlies van Buer, „aber wir brauchen Verlässlichkeit.“ Und Günter van Buer ergänzt: „Allmählich fühlen wir Einzelhändler uns als Bauernopfer.“ Beide verstehen nicht, warum sie mit dem erfolgreichen Termingeschäft nicht weitermachen dürfen, Lebensmittler und Großhändler aber sehr wohl öffnen dürfen. „Wir wollen keine Almosen, wir wollen arbeiten und die Freude an unserem Beruf leben.“

Enttäuschung auch bei einzelnen Verkäuferinnen. Wieder zurück in die Kurzarbeit – das macht die Mitarbeiterin eines anderen Halterner Modegeschäftes mehr als traurig. Es sei eine Frage des sorgenfreien Überlebens.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
Zur Autorenseite
Elisabeth Schrief

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.