In den 400 Quadratmeter großen Geschäftsräumen von Outdoor Nelke könnten zehn Kunden gleichzeitig einkaufen. Sie freuen sich, dass es wieder weiter geht: Antonius Wolter, Karin Nelke-Mertens und Dominik Schwarzer. © Kindel
Coronavirus

Neue Corona-Regeln: Einzelhändler erleichtert – Gastronomen frustriert

Die neuen Corona-Regeln, die aktuell von Bund und Land beschlossen wurden, haben bei den Halterner Einzelhändlern Erleichterung und bei den Gastronomen Frustration hervorgerufen.

Für den Einzelhandel gibt es laut Vereinbarung von Bund und Ländern endlich Perspektiven, wenn auch abhängig vom Infektionsgeschehen. Die Gastronomie aber muss sich weiter gedulden. Die Einzelhändler gehen davon aus, dass sie ab Montag (8. März) immerhin Termine für Kunden anbieten dürfen. Die Gastronomie hat dagegen noch keine konkrete Perspektive.

Im Fachgeschäft Outdoor Nelke an der Annabergstraße hat man sich bereits im Vorfeld der Bund-Länder-Konferenz Gedanken zu einer möglichen Terminvereinbarung für Kunden gemacht. Um Warteschleifen am Telefon zu vermeiden, soll ein Online-Buchungssystem eingerichtet werden. „Ich hoffe, dass wir das mit Anfang nächster Woche schaffen“, sagt Karin Nelke-Mertens im Gespräch mit der Redaktion. In den 400 Quadratmeter großen Geschäftsräumen könnten zehn Kunden gleichzeitig einkaufen.

Mit Terminvergabe läuft die Beratung wieder besser

Auch während des Lockdowns sei das Geschäft weitergelaufen. Kunden seien am Telefon beraten worden und hätten sich ihre Ware anschließend abgeholt. Der Betrieb hat außerdem einen Ebay-Shop für den Online-Verkauf eingerichtet. Mit einer Terminvergabe könne die Beratung vor Ort wieder besser laufen, so Karin Nelke-Mertens.

Die Erleichterung im Lockdown kommt zur rechten Zeit. Die Frühjahrsware der Großhändler wird geliefert. Einen Februartermin hat Nelke verschieben können, aber zur Abnahme der Ware ist der Einzelhändler verpflichtet.

Neue Corona-Regeln

Was für den Einzelhandel und die Gastronomie jetzt gilt

  • Der Einzelhandel darf ab 8. März erst bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 öffnen (ebenfalls mit Kundenbeschränkungen pro qm und Hygienekonzepten), bei Werten bis 100 darf er nur nach Terminvergabe Kunden einzeln einkaufen lassen („Click & Meet“).
  • Sobald an drei aufeinanderfolgenden Tagen die 7-Tages-Inzidenz über 100 steigt, werden die Öffnungen aber wieder auf den Stand der Maßnahmen bis zum 7. März zurückgenommen – das ist die sogenannte „Notbremse“.
  • Frühestens ab 22. März, und dann auch nur bei einer 7-Tage-Inzidenz, die zwei Wochen unter 50 liegt, darf Außengastronomie wieder geöffnet werden.

Peter Heckmann vom Modehaus Heckmann atmet auf: „Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung!“ Das Heckmann-Team lässt direkt Taten folgen: Derzeit werden die Stores mit der neuen Frühjahrsmode hergerichtet. Seit vier Wochen treffe Ware ein, nur wenige Modefirmen hätten noch Lieferschwierigkeiten. „Wir sind froh, dass wir wieder arbeiten dürfen und nicht länger von Subventionen leben müssen“, erklärt Peter Heckmann. Sein Team trete mit großer Motivation heraus aus dem Lockdown. „Die mentale Müdigkeit nach den schwierigen Zeiten wird aus den Köpfen geschüttelt“, bedient er sich einer Metapher.

Peter Heckmann (Modehaus Heckmann Haltern und Coesfeld, Modewerk) hat mit verschiedenen Aktionen auf die Not des Einzelhandels aufmerksam gemacht. Er schöpft jetzt Hoffnung.
Peter Heckmann (Modehaus Heckmann Haltern und Coesfeld, Modewerk) hat mit verschiedenen Aktionen auf die Not des Einzelhandels aufmerksam gemacht. Er schöpft jetzt Hoffnung. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Das Einkaufen nach dem Prinzip „click and meet“ will er praxisnah gestalten. Neben einer Terminvereinbarung auf der Internetseite ist es auch möglich, sich telefonisch zu melden oder sich vor der Tür an der Rekumer Straße einzufinden. Ein Mitarbeiter wird die Kundenanzahl im Blick behalten und je nach Frequenz den Zutritt erlauben. Doch Peter Heckmann warnt auch vor Übermut: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder in einen neuen Lockdown fallen.“

Den Betrieben könnte die Luft ausgehen

„Für uns ist es fast tödlich“, kommentiert Matthias Pfeiffer von der Sythener Flora die neuesten Corona-Beschlüsse. Er sieht für sich frühestens Mitte April eine mögliche Änderung der Lage und dann dürfe auch nur die Außengastronomie geöffnet werden.

Matthias Pfeiffer schätzt, dass 30 bis 40 Prozent der Gastronomiebetriebe in Deutschland die Luft ausgehen könnte. Vor allem getränkeorientierte Lokale seien gefährdet. Aufholen ließe sich der monatelange Ausfall kaum.

Matthias, Monika und Markus Pfeiffer sind enttäuscht, dass die Gastronomie immer noch nicht öffnen darf.
Matthias, Monika und Markus Pfeiffer sind enttäuscht, dass die Gastronomie immer noch nicht öffnen darf. © Silvia Wiethoff © Silvia Wiethoff

„Gastronomieleistungen sind wie frischer Fisch“, beschreibt der Sythener Hotelier die Situation. Seine Zimmer könne er künftig ebenfalls nicht doppelt vermieten. Die Wirtschaftshilfen seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Matthias Pfeiffer kann nicht verstehen, dass Gartencenter und Baumärkte wieder öffnen dürfen, er aber sein Hotel und Restaurant weiterhin geschlossen halten muss. Auch die Friseure hätten wohl eine bessere Lobby gehabt. „Wir hatten ein stimmiges Hygienekonzept. Wir haben sogar Luftfilter einbauen lassen“, begründet er seine Meinung.

Allerdings sei es für Thekenbetriebe wohl schwierig, die Abstandsregeln einzuhalten. Genau hier liege das Problem. Kein Gastronomiebetrieb gleiche dem anderen. Bei den Corona-Regeln aber würden alle gleich behandelt.

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