Nesrin Hassan kam vor fünf Jahren nach Deutschland. Hier fühlt sie sich wohl. Haltern wurde ihre neue Heimat. © Andreas Hofmann
Geflüchtete

Nesrin Hassan kam von Syrien nach Haltern: „Deutschland tut mir gut“

Heimat ist ein großer Begriff. Jeder erlebt sie anders. Viele Menschen bleiben regional und entwickeln sich hierzulande. Das ist bei Nesrin Hassan anders. Sie kam als Flüchtling nach Haltern.

Über 3500 Kilometer ist Nesrin Hassans Heimat von Haltern entfernt. Die sympathische junge Frau hat viel erlebt und kommt aus einem durch den Krieg geprägten Land. Jetzt blickt die Halternerin auf ihr Leben zurück.

17 Jahre lebte sie in der Stadt Kamschli im Norden Syriens. Dann zog es sie nach Damaskus, um dort zu studieren. Die arabische Sprache hatte es ihr angetan und nach dem Studium arbeitete sie noch zwei Jahre als Lehrerin. Sie hatte immer mit den kulturellen Unterschieden in Syrien zu tun . „Ich bin kurdisch“ erzählt sie, „und Syrien ist arabisch“.

Nesrin Hassan fasste einen Entschluss. Von Syrien ging sie in den Irak. Dort fasste sie schnell Fuß und arbeitete als Case-Managerin bei Unicef im Rahmen des Kinderprojektes „Safe the Children“. Hier bemühte sie sich zwischenmenschlich insbesondere um Kinder, die in Zelten lebten, half den Familien bei der Bewältigung ihrer Probleme vor Ort. „Die kleinen Kinder brauchten Hilfe“, erzählt die engagierte Halternerin. „Wir hatten dort einen Kindergarten, in dem die Kinder zwei bis drei Stunden am Tag betreut wurden.“

In Deutschland lebe ich wie eine Deutsche“

Als Nesrin Hassan vor fünf Jahren nach Deutschland kam, war erst mal alles anders. Die vielen Geschäfte und die unzähligen Möglichkeiten, die sich ihr eröffneten, beeindruckten die lebensbejahende junge Frau und waren für sie eine Befreiung. Sie erlernte interessiert und schnell in diversen Kursen die deutsche Sprache, heute ist sie fest integriert.

„In Deutschland lebe ich wie eine Deutsche“, berichtet sie stolz und fühlt sich in Haltern, ihrer neuen Heimat, emotional wohl. „Hier wird mir geholfen, wenn ich Fragen habe, die Menschen hier sind hilfsbereit. In Syrien gab es keine Hilfe, da musste ich allein zurecht kommen“, erzählt die sympathische Frau.

Die ganze Familie lebt in Deutschland

Gerne denkt sie daran zurück, als ihre Kinder in Deutschland zur Welt kamen. Die beiden, ein Junge und ein Mädchen, haben hier eine unbeschwerte Kindheit. Und woran macht sie den Begriff Heimat fest? „Ich wohne, wo meine Kinder wohnen. Ich fühle mich wohl in Deutschland, Haltern ist jetzt meine Heimat. Deutschland tut mir gut!“, sagt sie. Auch der Rest ihrer Familie lebt in Deutschland. Der Bruder arbeitet als Arzt, die vielen familiären Kontakte, insbesondere zu ihren Eltern, genießt sie.

Irritation beim Einkaufen

Und doch erinnert sich Nesrin Hassan an ihre Kindheit in Syrien – denn da gab es für sie einen wichtigen Unterschied. „In Syrien haben wir Kinder auf der Straße gespielt und waren ständig draußen. In Haltern gehe ich mit meinen Kindern auf den Spielplatz.“ Auch beim Einkaufen war sie zunächst irritiert: „In Deutschland sind Preise an den Waren angebracht. In Syrien war das anders, da musste man fragen oder handeln.“

Auch in Haltern brennt Nesrin Hassans Herz für Kinder. Sie bringt sich in der Spielgruppe „Griesbrei“ der Caritas ein. Einmal pro Woche treffen sich dort Familien und Kinder. Auch als Übersetzerin steht sie zur Verfügung.

Heimweh nach Syrien hat Nesrin Hassan nicht. Überlegungen, in einigen Jahren ihr Geburtsland noch einmal zu besuchen, gibt es aber schon.

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