Nach Überfall im St.-Sixtus-Pfarrhaus: Pater James hat noch immer Angst

dzLandgericht Bochum

Geschlagen, gefesselt, im Keller eingesperrt: Pater James erlebte bei einem Überfall in St. Sixtus die wohl schlimmsten Momente seines Lebens. Am Donnerstag hat er vor Gericht ausgesagt.

25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehr als ein Jahr nach dem brutalen Überfall auf Pater James von St. Sixtus in Haltern hat sich der Seelsorger immer noch stark beeindruckt gezeigt. „Ich war so erschrocken. Da waren auf einmal drei oder vier Männer in meiner Wohnung, die mich angesprungen und geschlagen haben“, sagte der 51-Jährige am Donnerstag als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht. Angeklagt sind zwei Männer und eine Frau, die mehr als 32 Einbrüche in Pfarrhäuser - neben Haltern auch in Dortmund und Castrop-Rauxel - verübt haben sollen.

Pater James leidet bis heute

Bis heute leidet der aus Indien stammende Seelsorger ab und zu unter Panikattacken – Angst verfolgt ihn bis heute. „Ich habe noch immer Angst, wenn ich alleine in der Öffentlichkeit bin, zum Beispiel in einer engen Toilette“, so Pater James. „Dann habe ich panische Gedanken, dass plötzlich einer kommen könnte.“

Das Geschehen vom 4. Februar 2018 wird Pater James vermutlich nie mehr vergessen. „Ich war nach der Messe noch beim Mittagsessen in einem Altenheim“, erinnerte sich der 51-Jährige. Als er danach gegen 12.40 Uhr im Wohnteil des Pfarrhauses ankam, beschlich ihn schon kurz nach dem Betreten der Wohnung ein seltsames Gefühl. „Ich habe sofort gesehen, dass im Raum meines Kollegen Antony alles unordentlich war“, so Pater James. Dann sei er auch schon von drei oder vier männlichen Einbrechern attackiert worden. „Die kleinen Männer haben mich umklammert und mir die Augen verdeckt. Ein großer Mann hat mich dann ins Gesicht geschlagen.“ Dann habe einer gebrüllt: „Wo ist das Geld?“

Täteridentifizierung unmöglich

Hat er die Täter erkennen können? „Ja. Aber nur für etwa vier bis sechs Sekunden. Dann wurden mir schon die Augen zugehalten“, sagte der Pater. Danach habe er sich vielmehr auf die Stimmen konzentriert. „Von der Aussprache kamen die Männer nicht aus Deutschland. Sie sprachen mit einem Akzent.“ Nachdem er mit abgeschnittenen Kabeln „an Händen und Füßen“ gefesselt und mit verbundenen Augen in den Keller geführt worden sei, habe er dann im Keller auch die „Stimme einer Frau“ wahrgenommen. Dazu passt zumindest: Unter den drei aus Serbien und Ungarn stammenden Angeklagten ist auch eine Frau. Außerdem war im Prozess bereits die Rede von weiteren – auch weiblichen – Verdächtigen.

Mitbruder Antony rettete Pater James

Als erstes entdeckt worden war Pater James von seinem Mitbruder Pater Antony. „Ich habe aus dem Kellerfenster Hilferufe von James gehört, bin hingerannt und habe dann die Polizei gerufen“, sagte Pater Antony (41) als Zeuge. Die Feuerwehr hatte Pater James schließlich endgültig aus dem Heizungskeller befreit.

Die Beute bestand überwiegend aus Bargeld, darunter auch indische Rupis, die die beiden Patres im Tresor verborgen hatten. Aber auch rund 200 Euro Spendengeld, das offenbar in einem Ferrero-Rocher-Kästchen im Safe versteckt war, war anschließend verschwunden. Pater Antony bekräftigte zudem auch als Zeuge nochmal den Verlust seines indischen Führerscheins, seines Passes und seines Karmeliter-Ordensausweises.

Auch in Dortmund war am 29. Juli 2018 ein Geistlicher im Pfarrhaus der Kirchengemeinde St. Urbanus an der Marienstraße tätlich angegriffen worden.

Zwei Wochen zuvor hatten Einbrecher in Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde zugeschlagen und dabei einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Wandverankerung gehebelt.

Die Gesamtbeute der sogenannten "Pfarrhaus-Bande" soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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