Nach dem Kneipen-Aus in Haltern: Peiken-Heinz genoss sein „zweites Leben“

dzGaststätte Peikenkamp

Heinz Peikenkamp ist vielen bis heute als Wirt hinter dem Tresen seiner Kneipe in Haltern ein Begriff. Im Ruhestand fügte er noch andere Bilder hinzu.

Haltern

, 03.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine besondere Charaktereigenschaft als Wirt war seine stoische Ruhe. Wenn ihm überhaupt eine Gemütsregung anzusehen war, dann war das ein angedeutetes Lächeln. Kneipenwirt Heinz Peikenkamp gehört zu den Halterner Originalen, die für das eigenwillige, nicht rund gebürstete, aber doch liebenswerte Haltern stehen.

Mit einem Tonkrug voll frisch gezapftem Pils oder Export hinter der Theke, so haben ihn die meisten seiner ehemaligen Gäste in Erinnerung. 1995 feierte Peiken-Heinz, wie er von seinen Stammgästen bis heute liebevoll genannt wird, Abschied in seiner Schankwirtschaft. Heute befindet sich in dem Haus an der Rekumer Straße ein griechisches Restaurant.

Peiken-Heinz erinnerte sich gern an seine Kneipe in Haltern

Die Kneipe war sein Leben. Daran hat er sich auch im Ruhestand immer wieder gern erinnert. „Er hat oft über die alten Zeiten erzählt“, berichtet seine Frau Bernardine (Berni) Kulossa-Peikenkamp, die in Recklinghausen die Gaststätte „Zur Rennbahn“ betrieben hat. Auch das Video, das am letzten Abend beim Mitternachts-Ständchen seiner Gäste aufgenommen wurde, habe sein Herz gerührt.

Bei einem privaten Schützenfest erklärte Heinz Peikenkamp: „Den Vogel, den hole ich jetzt.“ Und machte seine Ankündigung wahr.

Bei einem privaten Schützenfest erklärte Heinz Peikenkamp: „Den Vogel, den hole ich jetzt.“ Und machte seine Ankündigung wahr. © Privat

Seit 19 Jahren ist sie mit Heinz Peikenkamp zusammen. Kennengelernt hat sich das Paar beim Event „Haltern bittet zu Tisch“. 2011 wurde Hochzeit gefeiert. Überraschend stellten sich wenige Monate später gesundheitliche Probleme bei Heinz Peikenkamp ein, sodass er nun seit acht Jahren in einem Pflegeheim in Recklinghausen-Süd lebt.

Die alten Zeiten sind für den heute 84-Jährigen in die Dunkelheit gerückt. Selbst seine Frau erkennt er nicht mehr immer. „Ich denke, er fühlt, wenn ich da bin“, sagt Berni Kulossa-Peikenkamp.

Das Ehepaar auf Nordlandfahrt.

Das Ehepaar auf Nordlandfahrt. © Privat

Die Besuche bei ihrem Heinz sind wegen der Corona-Krise auf zwei Mal pro Woche beschränkt. Die 81-Jährige sorgt aber dafür, dass Heinz täglich sein geliebtes Leckerchen bekommt. „Ich püriere Obst, meistens gibt’s noch Quark oder Mascarpone dazu‘“, verrät sie.

Das Paar nahm gemeinsam an einigen Reisen teil

Für den ehemaligen Kneipenwirt ist die Welt zusammengeschrumpft. Mit seiner Berni hat er sie jedoch im Ruhestand noch kennenlernen dürfen. Heinz, der bis dahin meistens bis in die Nacht hinter seinem Tresen in Haltern gestanden (oder auf einem Schemel vorgeschlummert) hatte, hat sich in der Welt umgesehen.

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Das Paar nahm regelmäßig an Busreisen teil, die zu Zielen in Deutschland, aber auch in europäische Hauptstäte wie Paris und London und sogar bis nach St. Petersburg führten.

Das Bild aus der Gaststätte Peikenkamp ist mit einer persönlichen Widmung des Wirts versehen und hängt im Hausflur von Martin Tochtrop und seiner Familie in Haltern.

Das Bild aus der Gaststätte Peikenkamp ist mit einer persönlichen Widmung des Wirts versehen und hängt im Hausflur von Martin Tochtrop und seiner Familie in Haltern. © Privat

Heinz Peikenkamp kann nicht mehr davon berichten, was die unterschiedlichen Lebensabschnitte für ihn bedeutet haben. Dass es noch immer viele Leute gibt, die sich gern an Peiken-Heinz und seine Kneipe erinnern, würde ihn freuen.

Seine Schwester Thea Droste verstarb im vergangenen Jahr.

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