Wasser marsch hieß es für die Jugendfeuerwehr. © Antje Bücker
Übung

Mit Video: Halterner Jugendfeuerwehr probte den Ernstfall am Stausee

„Wasser marsch“ hieß es für 15 Mädchen und Jungen am Mittwochabend beim Übungseinsatz der Jugendfeuerwehr. Die Gruppe sucht Nachwuchs - auch Mädchen sind angesprochen.

„Normalerweise wird regelmäßig mittwochabends geübt“, erläuterte Martin Werner weiter, „aber Corona hat natürlich auch uns einen mächtigen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Feuerwehren mussten kreisweit alle Übungseinsätze einstellen. Nun können wir erstmals nach der Pause wieder loslegen“.

Die Rohrabschnitte wurden in eingespielter Gemeinschaftsarbeit zusammengeschlossen und an der Pumpe befestigt.
Die Rohrabschnitte wurden in eingespielter Gemeinschaftsarbeit zusammengeschlossen und an der Pumpe befestigt. © Antje Bücker © Antje Bücker

Am frühen Mittwochabend (11. August) hatten die Mädchen und Jungen der Gruppe Haltern Mitte/Lippramsdorf ihren Übergangseinsatz. Geprobt wurde die Wasserentnahme am Ufer des Stausees, am Bootsanlegesteg gegenüber des ehemaligen Hotels Seestern.

Die Jugendabteilung der Halterner Feuerwehr zählt derzeit insgesamt 55 Mitglieder. Sie sind zwischen zwölf und siebzehn Jahren alt und teilen sich in drei Gruppen auf. Es gibt eine Gruppe mit Jungen und Mädchen aus Flaesheim, Hullern und Ahsen; die Gruppe aus Lavesum und Sythen und eine Gruppe, die sich mit Schülern aus Lippramsdorf und Haltern Mitte zusammensetzt. „Letztere ist mit 21 Mitgliedern die größte Gruppe“, erklärte Martin Werner, der 15 Jahre lang aktiv in der Jugendausbildung tätig war und nun noch als Stadtjugendfeuerwehrwart im Hintergrund organisiert.

Alles muss schnell gehen, da darf nichts schief gehen, jeder Handgriff muss sitzen
Alles muss schnell gehen, da darf nichts schief gehen, jeder Handgriff muss sitzen. © Antje Bücker © Antje Bücker

Wegen der Schulferien waren nicht alle Mitglieder dieser Gruppe vor Ort. Die 15 Anwesenden zeigten jedoch mit buchstäblichem Feuereifer, was sie bereits draufhaben. Nachdem der Feuerwehrwagen ans Ende der Hullerner Straße vorgefahren war, musste alles ganz schnell gehen. Die Mädchen und Jungen kennen ihre Aufgabengebiete genau.

Unter den Augen von Torsten Tangermann, stellvertretender Wehrleiter der Feuerwehr Haltern am See, trugen die ersten Azubis die schwere Pumpe bis an das Ufer. Die nächsten brachten die Rohrabschnitte herbei, die in eingespielter Gemeinschaftsarbeit zusammengeschlossen und an der Pumpe befestigt wurden. Danach erfolgte die Installation von zwei gelben Lösch-Schläuchen.

Die ersten Schüler trugen die schwere Pumpe bis an das Ufer.
Die ersten Schüler trugen die schwere Pumpe bis an das Ufer. © Antje Bücker © Antje Bücker

In voller Schutzmontur und unter Zeitdruck ist dies nicht nur körperlich eine Herausforderung. „Im Ernstfall kommt die Hitze des Feuers ja noch hinzu. Da tragen die Rettungskräfte zum Teil noch viel schwerere Ausrüstung. Je nach Art des Brandes können die Feuerwehrleute nur recht kurz am Ort des Geschehens verweilen. Alles muss schnell gehen, da darf nichts schief gehen, jeder Handgriff muss sitzen“, erläuterte Thorsten Tangermann, während der Schüler Leon Lawniczek mit dem Öffnen der Ventile die letzten Handgriffe vor dem Kommando „Wasser Marsch“ ausführte.

800 Liter pro Minute saugte die Pumpe aus dem See. Die schweren Schläuche mit dem enormen Wasserdruck zu halten und auf den Brandherd zu richten, ist nicht leicht und auch nicht ganz ungefährlich. Jeweils zwei Jugendliche hielten einen Schlauch und probten die zielgerichtete Handhabung.

Eine knappe Viertelstunde später war schon alles vorbei. Leon Lawniczek drehte die Ventile wieder zu. Der 16-Jährige ist seit vier Jahren dabei. Zur Jugendfeuerwehr sei er durch Freunde gekommen, erzählte er: „Mir macht die Arbeit hier großen Spaß, auch wenn es anfangs natürlich nicht ganz leicht war. Wir werden in Theorie und Praxis geschult. Neben den Schulungen unternehmen wir aber auch viele Freizeitaktivitäten zusammen.“ Der Jugendliche will auf jeden Fall dabei bleiben. Mit 17 Jahren können die Anwärter in ein einjähriges Praktikum starten und in die vier Module umfassende Grundausbildung.

Die schweren Schläuche mit dem enormen Wasserdruck zu halten und auf den Brandherd zu richten, ist nicht leicht und auch nicht ganz ungefährlich.
Die schweren Schläuche mit dem enormen Wasserdruck zu halten und auf den Brandherd zu richten, ist nicht leicht und auch nicht ganz ungefährlich. © Antje Bücker © Antje Bücker

Gerade in der jetzigen Zeit ist es angesichts der weltweiten Feuersbrünste beruhigend zu sehen, dass so viele Jugendliche sich für die lebenswichtige Arbeit der Feuerwehr interessieren. „Dennoch – auch wir suchen dringend weiteren Nachwuchs“, sagte Martin Werner am Ende der Einsatzübung: „Die Wartelisten sind in den letzten Jahren kürzer geworden. Besonders würden wir uns darüber freuen, wenn sich noch mehr Mädchen für die Feuerwehr interessierten.“

Über die Autorin
Journalistin und Fotografin wollte ich schon während der Schulzeit werden. Trotzdem bin ich erst nach vielen Umwegen zur Zeitung gekommen. Die Berichterstattung über die Ereignisse in der großen weiten Welt haben meinen Horizont erweitert, der Lokaljournalismus meinen Blick auf die wesentlichen Dinge vor der eigenen Haustür.
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