„Mit blauem Auge davongekommen“: Neue Heizung für das Freibad Sythen

dzFreibad Sythen

Corona-Beschränkungen, eine kaputte Heizung, gestrichene Fördermittel - und doch hat der Geschäftsführer des Sythener Freibads Neuigkeiten, die ihn dankbar und sprachlos machen.

23.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang des Sommers 2020 sah es schlecht aus für das Freibad Sythen. Die Corona-Pandemie erforderte strenge Hygienekonzepte. Es war klar: Weniger Besucher dürfen rein und bringen weniger Einnahmen für den Verein mit, der das Freibad finanziert. Dann kam der Total-Ausfall der Heizung dazu. Kein warmes Wasser mehr in den Becken und 100.000 Euro, die irgendwie zusammengekratzt werden mussten, um die Heizung zu ersetzen.

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Jetzt, wenige Monate später, stehen 93.000 Euro auf dem Spendenkonto des Freibadvereins und 31.000 Besucher auf der Liste des Geschäftsführers Timo Deitmer. Das sind etwa 14.000 weniger als 2019. Und dennoch: „Unsere Vereinsmitglieder waren auch im Corona-Jahr da. Es hat sich gezeigt, wie der Verein und das Dorf in der schwierigen Zeit zusammenstehen.“

Neopren-Anzüge statt warmes Wasser

Um die Hygienemaßnahmen umzusetzen, war das Freibad in zwei Blöcken vormittags für alle und nachmittags nur für Vereinsmitglieder geöffnet. „Alle haben sehr gut aufeinander geachtet und sind sehr besonnen mit der Situation umgegangen“, lobt Deitmer die Gäste. Und auch das wegen der ausgefallenen Heizung kältere Wasser habe einige Freibad-Fans nicht vor dem Sprung ins Becken stoppen können: „Dann sind die Leute teilweise eben in Neopren-Anzügen gekommen.“

Der alte Heizungskessel musste ausgebaut werden.

Der alte Heizungskessel musste ausgebaut werden. © Silvia Wiethoff

Das muss im nächsten Sommer dann nicht mehr sein. Noch in dieser Woche, knapp drei Monate nach der Hiobsbotschaft über die kaputte Heizung, will das Freibad den Auftrag für die neue Heizung vergeben. „Das ist krass, das hätten wir wirklich nicht erwartet“, sagt Timo Deitmer. Denn auch nach einem Antrag auf Fördermittel bei der Bezirksregierung Münster ging der Verein leer aus. Aufgrund der Corona-Lage sei die Strukturhilfe Ländliche Entwicklung eingestellt worden. „Wir sind noch mit dem blauen Auge davon gekommen und dafür sind wir super dankbar.“

Spendenkonto des Freibadvereins Sythen: Stadtsparkasse Haltern am See, IBAN: DE58 4265 1315 0001 0059 17 oder: https://www.freibad-sythen.de/spenden-heizung

Der einzige Grund: Die enorme Spendenbereitschaft. Viele Nachbarn, Familien und Kinder seien kreativ geworden, um das Freibad zu unterstützen. „Zum Beispiel haben Kinder Bügelperlenbilder gebastelt und verkauft, sodass sie uns 83 Euro überweisen konnten“, berichtet Deitmer von einer der Aktionen, die ihm besonders in Erinnerung geblieben ist.

Solarthermie bräuchte zu viel Platz

Die neue Heizung soll nun „so ökonomisch und ökologisch wie möglich sein.“ Dafür habe man verschiedene Lösungen verglichen und abgewogen. „Ein Luft-Wärme-Tauscher wäre nicht effizient und für Solarthermie bräuchten wir die gesamte Fläche des Sportplatzes nebenan - damit wären die Fußballer sicher nicht einverstanden“, sagt Deitmer. So habe man sich nun statt der alten 700-Kilowatt- für eine 400-Kilowatt-Gasheizung entschieden. Die soll dann auch die Duschen direkt mit beheizen.

Verrohrung, Elektrik und Kinderspielplatz

Die Heizung ist nicht die einzige Baustelle, die der Freibadverein vor Beginn der neuen Saison in Angriff nehmen will: Die Zu- und Ableitungen der Verrohrung und auch die Elektrik müsse in Angriff genommen werden. „Was halt in einem 40 Jahre alten Bad irgendwann mal notwendig wird“, so Deitmer. Auch müsse man die Rutschen auf Vordermann bringen und Türen zu den sanitären Anlagen streichen. Für das alles sei der Verein weiter auf seine Mitglieder und Spenden angewiesen.

Auch der Kinderspielplatz soll wachsen. Zumindest dafür gibt es aber schon einen Topf: 6.000 Euro Preisgeld vom Sparda-Leuchtfeuerpreis. Die vielen Stimmen für den Freibadverein, die letztendlich den ersten Platz brachten, zeigten wieder einmal: Die Sythener unterstützen ihr Freibad, wo es nur geht. Woran das liegt? „Wir haben verstanden, die Leute anzusprechen und abzuholen“, meint Timo Deitmer. „Das wurde dann irgendwie zum Selbstläufer.“

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