Milder, feuchter Winter in Haltern: Setzt das Wetter dem Eichenprozessionsspinner zu?

dzGift-Raupe in Haltern

Das bisher milde und feuchte Wetter könnte den Eiern des Eichenprozessionsspinners in Haltern mächtig zusetzen. Geht der Kelch in diesem Jahr an Haltern vorbei?

Haltern

, 03.02.2020, 12:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit etwas Glück könnte der bisher milde und feuchte Winter dazu führen, dass in diesem Jahr weniger Larven des Eichenprozessionsspinners (EPS) schlüpfen. Denn derartiges Wetter, wie es derzeit prinzipiell vorherrsche, so Niels Ribbrock von der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen, könne dazu führen, dass die Eier des EPS verpilzten.

Derartige Wetterlagen seien für viele Insekten eher hinderlich, die als Larven oder Puppen überwinterten. Anders sehe das bei Temperaturen bis minus 20 Grad aus, den das wirke sich auf die EPS-Eier kaum aus. Ebenso steht es um trockenes Wetter: „In den letzten Jahren hatten wir eher trockene Phasen, sodass das die Eier eher befördert hat“, sagt Ribbrock.

„Wenn es da kalt ist, werden die Larven Schwierigkeiten bekommen“

Ein weiteres Szenario, das dem EPS zusetzen könnte, wäre möglicher Spätfrost um die Schlupfphase, die in der Regel im April/Mai beginnt: „Wenn es da kalt und feucht ist, werden die Larven Schwierigkeiten bekommen. Denn Insekten sind wärmeabhängig und bei kühleren Temperaturen kaum beweglich.

So können sie ihr Fraßverhalten nicht ausüben. Da kann es zu Ausfällen im April und Mai kommen“, so Ribbrock. In den vergangenen Jahren habe es kaum Spätfrost gegeben, das dem massenhaften Auftauchen der Larve im Kreis wohl auch zugetragen habe. „Es sind immer viele Faktoren, die da reinspielen“, so Ribbrock.

Im Video erklärt der RVR, wie man einen eigenen Meisenkasten gegen den EPS bauen kann:

Video
So baut man einen Nistkasten für Meisen

Schlechtes Wetter könnte dann nochmal Ende Juli eine entscheidende Rolle spielen, wenn der Falter seine Eier ablegt. Generell seien Prognosen darüber, wie sich das Wetter im Jahresverlauf weiter entwickeln werde, natürlich schwierig, sagt der Landschaftsökologe. „Das kann in Haltern aber auch wieder anders aussehen als etwa in Dorsten.“

Alle Maßnahmen, die die Biodiversität förderten, hält Niels Ribbrock für sinnvoll. „Nistkästen, Fledermauskästen und Blühstreifen, wo sich Gegenspieler des EPS entwickeln, sind hilfreich.“ Schlupfwespen, Raupenfliegen und Erzwespen gelten als natürliche Parasiten des EPS, die ihre Eier an EPS-Nestern ablegten und die dann später die Gespinste von innen auffressen.

Bürger müssen sich an den EPS wohl trotz allem gewöhnen

Generell befürwortet Ribbrock die Bemühungen des Kreises und der Städte Haltern und Dorsten, die in den vergangenen Monaten Nistkästen für Meisen aufgehängt haben, die die EPS-Larven fressen solle. Auch wenn die 100 Nistkästen des Kreises entlang der 82 Kilometer Landesstraßen nur ein Anfang sein können. „Wenn viele Beteiligte da sind, dann ist der Effekt vielleicht größer.“

Dennoch: An den EPS müssen wir uns wohl oder übel gewöhnen, sagt Ribbrock. „Der Eichenprozessionsspinner ist seit 20 Jahren da und breitet sich immer weiter aus. Es gibt keine Landesteile, wo er sich wieder zurückzieht. Das heißt aber nicht, dass es immer zu einer Massenentwicklung kommt.“

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