Mikroplastik: Was macht die Stadt mit ihren Kunstrasenplätzen?

dzFragen und Antworten

Der Kunstrasen in Lippramsdorf liegt. „Wir investieren in die Zukunft“, sagt LSV-Vorsitzender Josef Teltrop. Doch die Grünen sorgen sich um die Gesundheit der Sportler und um die Umwelt.

Haltern

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Das Thema Mikroplastik ist in aller Munde“, schreibt Michael Zimmermann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, in einer Anfrage an die Verwaltung. „Auf einem Kunstrasenplatz liegen etwa 35 Tonnen Gummigranulat, das je nach Herkunft gesundheitsgefährdende Stoffe ausdünstet.“

Diese müssten immer wieder nachgefüllt werden, weil Wind, Regen, Reinigungsmaschinen und die Sportler selbst die Substanz zwischen den Halmen herauslösten und in Gewässer oder auf Felder trage.

Lesen Sie Fragen und Antworten (von Baudezernentin Dr. Andreas Rüdiger) zu den kritischen Anmerkungen der Grünen.

? Womit sind die Kunstrasenplätze in Haltern belegt?

Alle Halterner Kunststoff-Rasenplätze sind mit Sand und Granulaten befüllt. Sie entsprechen allen aktuellen deutschen und europäischen gesetzlichen Vorgaben und sind gesundheitlich unbedenklich. Die Plätze in Sythen, Flaesheim und das Kleinspielfeld in Hullern sind lediglich mit Sand verfüllt.

? Welches Granulat wird eingesetzt?

Es wird nicht das kostengünstigere SBR-Granulat, das aus Altreifen hergestellt wird, eingebaut. Verwendet wird vielmehr das Neu-Granulat, das allen derzeitigen DIN- und EU-Normen entspricht. Das besteht zu 70 Prozent aus dem natürlichen Füllstoff Kreide und nur zu 30 Prozent aus synthetischem Kautschuk, das in den Diskussionen als „Mikroplastik“ bezeichnet wird.

? Wird nicht gerade in der Europäischen Union über ein Mikroplastikverbot ab 2022 nachgedacht?

Die Europäische Chemikalienagentur sieht ein Verbot des Granulates ab 2022 ohne Bestandschutz oder Übergangsfristen vor. Allerdings ist diese Agentur ein Expertengremium ohne Entscheidungskompetenz. Sie hat der EU-Kommission einen sogenannten Beschränkungsvorschlag vorgelegt.

? Wie reagiert der Städte- und Gemeindebund, zu dem auch Haltern gehört?

Der Städte- und Gemeindebund bringt sich in das Verfahren ein und fordert eine Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren.

? Wie gedenkt die Verwaltung grundsätzlich mit dem Problem umzugehen?

Alle Kunstrasenplätze entsprachen zum Zeitpunkt der Erstellung und auch heute noch den gültigen Normen. „Die Verwaltung wird die Entwicklung intensiv beobachten“, sagt Baudezernentin Dr. Andrea Rüdiger. Sollte Mikroplastik verboten werden, müsse gegebenenfalls Füllmaterial ausgetauscht werden. „Zum jetzigen Zeitpunkt sieht die Verwaltung allerdings keinen Anlass zu einem vorauseilenden Gehorsam.“

? Sind Änderungen bei den neuesten Projekten in Lippramsdorf und Lavesum vorgesehen?

Der Bau des Kunstrasenplatzes in Lippramsdorf an der Jahnstraße wurde am 14. Juni fertiggestellt. Der Platz ist mit Sand und Kunststoffgranulat befüllt. Dazu Dr. Rüdiger: „Ein Stopp des Einbaus war nicht mehr möglich und hätte vermutlich Schadenserstatzansprüche verursacht. Die Verfüllung des für 2020 vorgesehenen Kunstrasenplatzes in Lavesum ist dagegen noch nicht konkretisiert.

? Wohin tendiert die Verwaltung?

In Anbetracht des möglichen Verbotes von Kunststoff-Granulaten tendiert die Halterner Stadtverwaltung dazu, die Plätze komplett mit Sand oder mit Kork zu füllen. Die Verwaltung wird entsprechende Prüfungen durchführen.

? Wie geht die Stadt mit den bestehenden Plätzen um?

Alle Plätze entsprechen den gültigen DIN- und EU-Normen. Deshalb beobachtet die Verwaltung erst einmal die Entwicklung. Parallel will sie Alternativen (Austausch des Kunststoff-Granulates und Ersatz durch Sand oder Kork) prüfen. Dr. Andrea Rüdiger stellt klar: „Sowohl die reinen Sand- als auch die Sand-/Kork-verfüllten Plätze haben gegenüber einer Sand-/Kunststoffgranulat-Verfüllung Nachteile.“ Denn das Kunststoffgranulat sorgt beispielsweise auch dafür, dass die Plätze im Winter länger nutzbar bleiben.“

Lesen Sie jetzt